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Long Ovid

 

Heute

Dimensionenumkehr: das Ich als globales Schlachtfeld. Attackiert Ost- und Westpulmonien mit nuklearen Lungentorpedos. ABC-Waffen in Form von Viren verseuchen großflächig sein Immunsystem. Das Hirn strahlenkrank von radioaktiv geladenen Serienfermaten. Wer braucht Putin wenn man sich im totalelen Krieg mit sich befindet?

 

Gestern

Als Beleg für die unangemessene Zögerlichkeit, ja Feigheit von `Lumpenpazifisten` (Alice Schwarzer, die Bundesregierung und wohl weite Teile der Weltbevölkerung) angesichts der Drohung eines nuklearen Weltkrieges wird gern - zum Beispiel von Sascha Lobo und Wolfgang Müller - ein Tweet zitiert: `Weil wir nicht genau wissen, was Russland alles als Kriegserklärung verstehen könnte, habe ich mich entschieden, die Spülmaschine heute nicht auszuräumen.` Die Verunglimpfung aller Kritiker der zunehmend massiven Waffenlieferungen an die Ukraine (warum eigentliche keine taktischen Atomwaffen?) mutet wie ein Echo russischer Propaganda an. Viel fehlt nicht zu Formulierungen wie `Nestbeschmutzer`. Was jedoch besonders auffällt ist die im Tweet auf die Spitze getriebene Umkehr von Dimensionen. Bei der Abwägung und Abschätzung der Konsequenzen von Tun und Unterlassen gegenüber einer Atommacht, in deren Hand es liegt die gesamte Menschheit auszurotten, handelt es sich eben nicht um ein Problem von den Ausmaßen eines Haushaltsgerätes. Zur Tendenz der Verzwergung der möglichen Tragweite der Konsequenzen passen auch die notorischen Rückbezüge auf Ausgangssituationen, die man früher Kriegsdienstverweigerern bei der Anhörung vorlegte, um sie moralisch zu diskreditieren (Strack-Zimmermann im Gespräch mit Alice Schwarzer: `Sie haben eine Wohnung, die einem anderen gefällt. Derjenige möchte diese Wohnung haben und hat Ihren Partner oder Ihre Partnerin umgebracht. Sie selbst werden vergewaltigt. Und dann bieten Ihre Nachbarn, die sich vom Lärm in Ihrer Wohnung belästigt fühlen und endlich Ruhe haben wollen, dem Vergewaltiger und Mörder die Hälfte Ihrer Wohnung an.`) Schon die Sorge von Alice Schwarzer vor einer globalen atomaren Vernichtung gleichzusetzen mit dem Störgefühl durch eine Lärmbelästigung stünde einem Lawrow (oder Melnyk) gut zu Gesicht, besonders unangenehm ist jedoch das Herunterbrechen des apokalyptischen Szenarios auf die moralisch-sittliche Bewertung eines an Max Frisch erinnernden privaten Tableaus, bei dem es sich bei aller plakativen Grausamkeit des Eindringlings und empörenden Larmoyanz des Nachbarn eben nur um ein lokales setting von der Größe eines Doppelhauses handelt und eben nicht um die Kulisse eines nuklearen Winters. Scheuklappenblick und werteorientierte Nabelschau von Abschreckungspolitikern und feuilletonistischen Falken äußern sich bei Frau Strack-Zimmermann in beispielhafter Prägnanz: `Es geht im Ukrainekonflikt um unsere freie Welt. Um Menschenrechte, Demokratie und Frieden in Freiheit. Das ist jetzt ein Kampf der Systeme. Es darf nicht sein, dass Putin sich hier durchsetzt.` Besser kann man den Narzissmus und die Megalomanie, gegen die auch demokratische Politiker nicht immun sind, nicht auf den Punkt bringen. Es geht um unsere Errungenschaften: dafür darf man schon mal das Schicksal der gesamten Weltbevölkerung auf Spiel setzen, zu der im übrigen auch Menschen in demokratischen Ländern gehören, die sich (wie Indien) neutral verhalten - oder wie Wolfgang Müller es formuliert: `Die einzige Frage, die man sich immer wieder stellen muss, ist: Wer will ich sein und wie will ich leben?`, so als sei die Erhabenheit des Ego wichtiger als das Leben von 8 Milliarden Menschen (wie Herr Schäuble es formulierte: `Es gibt Dinge, die sind wichtiger als der unbedingte Schutz des Lebens`- wozu unbedingt auch die Verteidigung der Souveränität staatlicher territorialer Grenzen gehört, ein Wert, für den man alle Männer in wehrfähigem Alter in Himmelfahrtskommandos schicken darf). Frau Schwarzers Antwort auf Frau Strack-Zimmermanns Argument vom Kampf der Systeme, der allemal das Risiko globaler Vernichtung rechtfertigt, ist nichts hinzuzufügen: `Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und so weiter. Darum geht es leider nicht! Das ist hier grade kein Wunschkonzert. Dieser Krieg ist eine Machtfrage.` Putins Täterschaft steht außer Frage. Dennoch: wenn der Verzicht auf das Ausräumen einer Spülmaschine das Risiko von Milliarden Toten auch nur ein wenig reduziert sollte man es unterlassen. Grade demokratisch gewählte Repräsentanten (von Despoten ist dies ja zu erwarten) sollten sich davor hüten, robbespierresche Tugendhaftigkeit und Treue zu ihren Werten moralisch höher zu gewichten als das Leben auf dem gesamten Planeten. Das liegt außerhalb ihres Mandates.

Am 9. Mai: Duck and Cover. 

 

Gestern

Putins Propaganda: schüchtern. Wo bleiben die Phillippika wegen den jüdisch-nazistischen Urhebern des Klimawandels? Der durch westliche Dekadenz in Form von globalen homosexuellen Lieferketten verursachten Pandemie? 

 

Gestern

Während sich am Firmament eine Wolke in der Kontur eines Atompilzes ausbreitet denkt man es sei an der Zeit Bilanz zu ziehen. Einst formulierten Väter der Klamotte eine Antwort auf Grönemeyers Frage: Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er ein Haus gebaut, ein Buch geschrieben und ein Kind gezeugt hat. Nach dieser Definition ist der Verfasser ein Mann. Jedoch: das Buch hat sich nicht verkauft und den Verlag ruiniert, das Haus musste nach einer Insolvenz mit Verlust verkauft werden, das Kind wurde AfD-Wähler. Mann zu sein ist eben keine Qualität an sich, sondern nur ein penisbehaftetes Potenzial des Versagens und Scheiterns. 

 

Western

Die Frage ob ein politisches System eine Nachfolgeregelung hat oder nicht ist keineswegs eine Frage zwischen Demokratie und Diktatur. Wie Monarchien zeigen ist eine Nachfolgeregelung keineswegs Alleinstellungsmerkmal von Demokratien; Nachfolgen kann man auch durch Nepotismus und weißen Rauch regeln. Umgekehrt sind Demokratien nicht imprägniert gegen die Macht von Dynastien. Deren Macht bleibt in der Regel auch dann intakt wenn Wahlen einmal nicht ausgehen wie gewünscht (frei nach Franz-Josef Strauß: ist mir dich egal wer unter mir Kanzler ist). 

Man darf sich ängstigen. Man darf feige sein. Man darf eisige Schauer verspüren, wenn ein Finanzminister davon redet die Ukraine (oder welches Land auch immer) werde den Krieg gewinnen - als ginge es wie bei einem Tennismatch um Gewinnen und Verlieren. Jeder Krieg bedeutet zu viel Leid als dass man von Gewinnen reden kann. Lediglich von Profiteuren und Opfern. Wenn auch noch so viele Sascha Lobos ihren Spott für Gandhi und Pazifismus mit `Manöverkritik` an Scholzscher Zurückhaltung mischen und Gelbwesten von der FDP einen Kriegskanzler und den Rücktritt des Oberschlumpfes fordern: man darf es trotzdem für zutreffend halten, wenn Scholz dem Oberkremlin den Einsatz nuklearer Waffen zutraut und man darf es für falsch halten, für die Verteidigung von Werten Milliarden Leben aufs Spiel zu setzen nur weil man meint, der Einsatz zahle sich aus. In diesem Squidgame sind wir alle der Einsatz - dagegen darf man sich durchaus verwehren. Wenn Putin ohnehin mit dem Gedanken ans Armageddon spielt, dann ist das so - ihm bei diesem Zocken allerdings auch noch entgegenzukommen ist fahrlässig.

 

Gestern

"Unglaublich, dass jetzt der ganze Planet zerstört wird, nur weil ein einziger Typ nicht bekommen hat was er wollte". Diese letzten Worte legt Constantin Seibt in seinem Essay `Russisches Kriegsschiff, fick Dich!`(Republik, 14.04.2022) jemanden in den Mund unmittelbar bevor nach dem finalen Geisterblitz alle Lichter ausgehen. Dem ultimativen Ende der Geschichte geht ungläubiges Staunen voran. Dabei ist nichts daran erstaunlich, wenn das Vernichtungspotenzial, das Menschen erschufen von jemandem genutzt wird, der davon überzeugt ist, der Rest der Menschheit habe ein Weiterleben nicht verdient, wenn er selbst trotz seiner überragenden Bedeutung altern und sterben muss. Erstaunlich ist einzig wie lange es gedauert hat, bis der militärisch-technische Komplex, vor dem einst Eisenhower warnte, im Zusammenspiel mit der Fokussierung von Macht auf Einzelpersonen jemanden hervorbrachte, dessen Konvergenz von seniler Verbitterung und infantiler Allmachtsphantasie ihn dazu motiviert, das Spielzeug Erde in einem globalen Selbstmordanschlag zu zertrümmern (Hitler blieb nur eine Kugel, Putin verfügt über ein ganz anderes Arsenal). Dazu bedarf es nicht einmal zwingend nuklearer Waffen - man kann auch wie Bolsonaro Regenwälder zerstören, falls es einem an atomaren Gimmicks fehlt.  

Falls es noch Lehren zu ziehen gibt werden es die verkehrten sein. Man wird kommunizieren, das Prinzip der atomaren Abschreckung habe sich bewährt (dann kommt der nächste alte, weiße Mann, der von einem Weltenbrand als angemessenem Abgang träumt). Man wird Nationalstaaten stärken und eisern am Prinzip personalisierter Machtkonzentration festhalten. Man wird weiter daran glauben, Hierarchien und staatliches Gewaltmonopol seien alternativlos, obwohl sie global betrachtet eher Verursacher der derzeitigen Miseren als Instrumente ihrer Beseitigung sind. Unterschiede zwischen Demokratien und Autokratien werden weiter verschwimmen, denn freie Wahlen werden faschistoiden Strömungen Mehrheiten verschaffen. Das russische Modell ist da eher ein Auslaufmodell. Timothy Snyder beschreibt als Kernproblem von Autokratie das Fehlen einer Nachfolgeregelung und die Substituierung von Entwicklung durch Heraufbeschwörung des ewig Gleichen. Dies gilt für China nicht. Es existiert eine Nachfolgeregelung und Chinas Diktatur ist nicht wie die russische revisionistisch. Das Traurige ist, dass die Apotheose des autoritären Staates noch die optimistische Variante ist. 

Irgendwo las man in dieser Auseinandersetzung mit globalen Auswirkungen sei jeder ein Soldat - ob er will oder nicht. Wenn Fahnenflucht und desertieren zwar kein Verbrechen, sondern unmöglich ist, bedarf es keiner Wehrpflicht. Wie das innerhalb nationaler Grenzen aussehen kann demonstriert Selensky, indem er sämtlichen männlichen Einwohnern der Ukraine zwischen 18 und 59 die Ausreise verbietet. Die Freiheit der Männer zu fliehen und sich mit ihren Familien außer Gefahr zu bringen wird mit Verweis auf das höhere Gut der Landesverteidigung aufgehoben. Ist diese Werteabwägung eigentlich EU-konform? (Ohne es recherchiert zu haben: Höchstwahrscheinlich)  

 

Gestern

Klimakatastrophe, Pandemie, Krieg - die Stadt hängt voller Wahlkampfplakate. Sie werben mit Versprechen, die niemals zu halten sind. Eine bessere Zukunft. Friede, Freude, Eierkuchen für alle. Prima Klima. Das Weltgeschehen entwickelt sich rasant in die gegenteilige Richtung, niemand der noch bei klarem Verstand ist glaubt Versprechen am Rande blanker Lüge. Unbeirrt grinsen die Konterfeis von Menschen, die felsenfest davon überzeugt sind, sie gehörten an die Spitze von Hierarchien. Gleich auf welche Weise sie zustande kommt, ob demokratisch legitimiert oder totalitär durchgesetzt - die Organisationsform der Macht ist immer eine Pyramide. Dies ist ein gleichsam metaphysisches Prinzip, das trotz aller Desaster weniger hinterfragt wird als die Aussage `Die Erde ist rund`. 

 

Gestern

Das Massaker in Butcha: auf einer banalen Ebene des Bösen eine simple Botschaft - wir schrecken vor nichts zurück. 

`Alle Gesichter, die einem auf der Straße begegnen: überbelichtete Schnappschüsse des Momentes, in dem sie sich für immer verabschieden ohne darum zu wissen. Synchronisation des Nimmerwiedersehens, letztes Bild, das niemand mehr sieht. Aus dem Traum namens Leben gerissen ohne Erwachen und ohne plausibles Ende.`

`Du siehst eine Serie. Während Du schreibst schaltest Du auf Standbild. Der Untertitel: Ich will nicht falsch leben und dann sterben. Du willst die Übertragung fortsetzen. Es funktioniert nicht. Die Bilder bewegen sich nicht. Der Untertitel bleibt, selbst als Du den Fernseher und sämtliche Lichter ausschaltest.`

 

Gestern

`Wenn Du zurückkehren könntest in ein Leben dem Du den Rücken zukehrtest, könntest Du es ertragen in den Gesichtern Deiner engsten Freunde - nur wenig älter als Du - Anzeichen der Vergreisung zu entdecken? Hoffnungslos. Lieber treibst Du auf dem Rücken liegend auf einem zeitlosen, toten Meer, dessen Ufer sich mit Überlichtgeschwindigkeit voneinander entfernen und liest ein Buch mit dem Titel `Das Ende von allem`, in dessen aufgeweichtem Umschlag sich eine rote Notiz in Tränen auflöst, ein Wort in kyrillischer Schrift. Du bist allein mit Erinnerungen an eine untergegangene Welt, deren Teil Du nie warst, während Du nicht untergehen kannst, weil alles Salz der seltenen Erde sich in dieser leblosen Brühe gelöst hat. Gleich in welchem Universum, in welcher Ära, in welchem Alter, alle ereilt das selbe Schicksal, ein transuniversaler Vakuumzerfall, der weder Platz für Zeit, noch Raum, noch Traum lässt: niemand, vor dem man stirbt, niemand um den man trauert. Wie wunderbar, dieser Trost der Aussichtslosigkeit.`

Ein Wirtschaftsminister als Drecksarbeiter. Wer ständig moralisiere habe noch nie im Schweinestall gearbeitet. Zum Embargo des Gasembargos befragt, das die Bundesregierung verhängt weist Robert Habeck auf seinen Amtseid hin, der ihn verpflichte Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden. Der Verzicht auf russisches Gas führe zu einem irreversiblen Exodus von Industrieunternehmen und zu Massenarbeitslosigkeit (um bei nuklearer Semantik zu bleiben: zu einer industriellen Kernschmelze). Staatsräson: ein Versprechen gegen die Menschlichkeit, ausgesprochen im Wissen darum, dass unser Wohlstand - Stichwort: Benzin als menschenrechtsverachtendes Schmiermittel aus dem Land der Fußball-WM als Wintermärchen - immer eine Spur sozialer, moralischer und ökologischer Verwüstung hinterlässt. Der Tenor: wir sind nur einige Nuancen besser als Putin. Trittbrettfahrer von Diktatoren.  

 

Gestern

Ein Freund bemerkt er möchte derzeit nicht mit den Politikern tauschen, die derzeit in Regierungsverantwortung stehen. `Ich schon`, hört man sich sagen. `Denn alles ist besser als dieses Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlustes, der totalen Irrelevanz des eigenen Tuns und Denkens. Dann schon lieber eine undankbare, aber entscheidende Aufgabe.` 

 

Gestern

Schade, dass entwaffnende Komik dies lediglich metaphorisch ist - anderenfalls hätte die unfreiwillige Komik der ins Megaphon gezischten Aussage eines Querhenkers: `Bald kommt der Superbooster. Das ist keine Verschwörungstheorie. Wer es nicht glaubt gehe ins Internet.` die gesamten nuklearen Streitkräfte Russlands neutralisiert.

Ungeachtet dessen folgt man in Deutschland hinsichtlich der Corona-Politik durchaus dem Motto: `Lasse niemals eine große Krise ungenutzt`. Das Infektionsschutzgesetz (insbesondere § 22a, Abs.4) räumt in der Tat der Regierung die Befugnis ein per Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Intervallzahlen, Zahl und mögliche Kombinationen von Impfungen festzulegen, die dem Nachweis eines vollständigen Impfschutzes zugrunde liegen. Das in Kombination mit einer Impfpflicht schafft die Möglichkeit, eine unbegrenzte Zahl von Impfungen für eine unbegrenzte Zeit anzuordnen - damit muss man nicht einverstanden sein selbst wenn man die Impfung befürwortet.   

Die Atmosphäre ändert sich - das ist nicht nur klimatisch gemeint. Langsam verdrängen die Demonstrationen der Impf(pflicht)gegner wieder die Demonstrationen gegen den Krieg, auf den Bildschirmen in Bahnhöfen und an Flughafen dominieren wieder Werbespots und Sportnachrichten, garniert von den neuesten Infektionszahlen. Man gaukelt Normalität vor, während Betreuer der Bahnhofsmissionen sich zunehmend um in Trauer und Tränen aufgelöste Reisende kümmern, die sich nicht Flüchtlinge nennen lassen mögen. Es ist augenscheinlich, dass die Zahl der um Almosen ringenden Obdachlosen zunimmt, deren Bemühungen um Zuwendung mit anschwellender Zahl der aus der Ukraine Vertriebenen etwa so vielversprechend sind wie die Verteidigung von Mariopol. Die akute Angst vor einem Nuklearschlag transformiert sich in eine latente Bedrückung, die Konsum und Unterhaltung überspielen. Die Ruhe vor dem Sturm - hofft man nicht.  

 

Gestern

Der dystopischen allgemeinen Realität mit Idylle begegnen: was für ein herrlicher Tag. Vöglein zwitschern, Tauben gurren, und während Frieden in Europa herrscht gönnt man sich nach einem fantastischen Sonnenuntergang einige Folgen der Serie `1983` - im behaglichen Wissen, dass es um die Welt bei weitem nicht so schlimm steht wie in dieser Fiktion. 

 

Gestern

Die Kumulierung von Bedrohungsszenarien verengt den Horizont für Fiktionen, verdichtet sie zu einem Endpunkt der Geschichte. Die Gefahren sind derart global, dass sie keinen Platz für Paralleluniversen lassen. Es geht beim Schreiben nicht mehr um die Ansprache eines b(e)reiten Publikums, sondern nur um die Hinterlassenschaft eines Zeugnisses, das gemäß den thermodynamischen Gesetzen nicht verloren gehen kann. Das freie Sich-ins-Werk-Setzen des Subjektes (Hegel) als prophylaktisches Epitaph, dessen Resonanz eine in ferne Zukünfte verlagerte Möglichkeit ist, deren Eintreten eine Wahrscheinlichkeit ungleich Null hat: ein quantenphysikalischer Hoffnungsschimmer. 

Sollte da ein Leser sein, der diese Zeilen liest - nennen wir ihn Stefan - liebe Grüße. 

Yossarian (Catch 22): `Ich will nicht mehr fliegen` `Wieso nicht?` `Die schießen auf mich``Ja, aber die schießen doch auf alle``Ich sagte doch, die schießen auf mich`.  

 

Heute

Was gibt Hoffnung? Allenfalls die Ahistorizität einer Ideologie, die in Europa und der westlichen Welt ein ewiges Feindbild sieht und instrumentalisiert. Um den Feind als ewigen Feind zu verstetigen darf man ihn schädigen, aber keineswegs vernichten. Eher nimmt man die Zerstörung der eigenen Bevölkerung in Kauf, die als Beleg der Boshaftigkeit des Feindes dient. Die Reaktionen des Westens auf die russische Invasion waren vorhersehbares Mittel dieses Spiels, die Russland als Indiz der Feindseligkeit des Westens zur Schau stellt. 

Das pandemisch-politische Geschehen ist gekennzeichnet durch paradoxe Intervention. Je höher die Infektionszahlen, desto weniger Freiheitsbeschränkungen gelten - das ist ebenso absurd, wie ermutigend. Wenn eine Bevölkerung  kollektiv auf Regeln pfeift, selbst wenn ihre Befolgung vernünftig wäre dann bleibt den Machthabenden wenig anderes übrig, als den zivilen Ungehorsam umzudeuten. Die gesetzlichen Regelungen beugen der Infektionsgefahr nicht mehr vor, sondern folgen deren zunehmender Ignoranz, die durch die Aufhebung von Beschränkungen als regelkonformes Verhalten exekutiv eingehegt wird - etwa so als reagiere der Staat auf Verstöße gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen dadurch, dass er sie aufhebt, damit verantwortungsloses Verhalten zumindest nicht das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellt. Wenn die Gesetzgebung den Launen der Bevölkerung folgen muss, dann lässt sich jedes politische System (...auch das Russische...) aushebeln. Dies kann man sowohl bedrohlich als auch inspirierend finden (Revolutionen erzeugen nicht zwingend freie Gesellschaften).

...und so wurde aus Lauterbach Kleinlauterbach...

Wird eine Gefahr zu groß und zu allgegenwärtig, als dass man sie durch eigenes Verhalten eindämmen könnte, sollte man sich so wenig wie möglich mit ihr beschäftigen. Wirkungsvolles Antidepressivum: der weitgehende Verzicht auf Medienkonsum (...diesen Blog zu lesen genügt...). Ein Talkshow-Detox ist kein Zeichen von Desinteresse an menschlichen Schicksalen, sondern eine Weise von Selbstschutz und angemessene Reaktion auf den nicht vorhandenen Informationsgehalt. 

`Kaum zu glauben, dieses Anschreiben. Aufgrund der aktuellen Energiekrise haben sich alle Bürger unter 70 und über 8 Jahren mindestens einmal wöchentlich zu einer zweistündigen Trainingseinheit in ihrem nächstgelegenen Fitnesscenter einzufinden. Alle Trainingsgeräte sind an Generatoren zur Elektrizitätserzeugung angeschlossen. Wer sich der Teilnahme ohne triftigen Grund verweigere, dem droht ein Heizverbot von mindestens einem Monat.` 

 

Gestern

Worauf der Westen sich einzustellen hat, ist - wie es Timothy Snyder in seinem Buch `The Road to Unfreedom` ausführt - die Auseinandersetzung mit einer von Ivan Ilyin formulierten zur Russischen Staatsdoktrin geronnenen Idee eines christlichen Faschismus, den Russland einer in der Demokratie und dem Prinzip der individuellen Freiheit manifesten Dekadenz entgegensetzt. Die Schöpfung des Menschen als von Leidenschaften und Eigeninteressen geprägten Fehler in der göttlichen Harmonie soll allein das im tiefsten Inneren unschuldige Russland durch Auslöschung der individualistischen Lebensweise des Westens korrigieren. In dieser Weltsicht waren auch der Kommunismus und die Sowjetära Resultat einer Verschwörung der westlichen Welt gegen das ewig unschuldige Opfer Russland. Russland ist immer in seiner Existenz bedroht, womit jedes Mittel der Austragung von Konflikten legitime Selbstverteidigung ist. Das ist nicht nur Putins Sicht der Dinge - den Totalitarismus als optimale Form menschlicher Demut gegenüber der ursprünglichen göttlichen Harmonie zu interpretieren hat Konjunktur bis tief in die westlichen Gesellschaften hinein. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, wenn Trump Putins derzeitiges Vorgehen als genial bezeichnet. Wenn es der Mensch selbst ist, der einer göttlichen Harmonie im Weg steht, ist seine Auslöschung keine Bedrohung. Vor diesem Hintergrund muss man das Novum, dass der selbst ernannte Erlöser Russlands vom schänd- und schädlichen Einfluss transatlantischer Ideale den Einsatz von Kernwaffen als strategische Option offensiv in den Raum stellt, leider ernst nehmen. Die Vernichtung des eigenen Volkes wäre ein zu tolerierender Preis, wenn damit auch die Vernichtung des Feindes verbunden ist. Damit haben wir es zu tun. 

 

Gestern

Biden warnt Russland vor dem Einsatz von Chemiewaffen. Wenn sie es tun - oder auch nukleare Waffen einsetzen - was dann? Legitimiert das einen Staat oder auch ein Bündnis von Staaten zu Mitteln zu greifen, die auch alle anderen Staaten und deren Bevölkerung vernichten könnten? Nein. Aber das wird keine Rolle spielen. Macht ist die Fähigkeit andere in Situationen zu zwingen, für die sie nicht die Verantwortung tragen, deren Konsequenzen sie jedoch zu ertragen haben. Das Erbärmliche ist, dass trotz dessen fatalen globalen Folgen am Konzept der Konzentration von Macht nicht gerüttelt wird. Während es gelang Gewissheiten wie die Unveränderlichkeit von Raum und Zeit und die Lokalität von Teilchen über Bord zu werfen bleiben ausgerechnet die archaischen Prinzipien, die die Menschheit ins Verderben führen unangetastet wie ein ewig gültiges Naturgesetz.  

 

Gestern

Die Überschallraketen Russlands rufen uns in Erinnerung, dass Globalisierung eben nicht nur den beschleunigten Transfer von Daten und Waren bedeutet, sondern auch den beschleunigten Transport des Todes. Beschleunigung und interkontinentale Reichweiten sind gleichbedeutend mit der Schrumpfung des Planeten zu einem Dorf mit 9 Milliarden Bewohnern, die ein Streit von Stammesfürsten jederzeit ausrotten kann. Die Bedrohungsszenarien gelten für das gesamte globale Dorf. Ein Funke genügt um dieses winzige Nest komplett zu verwüsten. Diese Furcht ist das Erbe unserer Generation an Generationen, die wir - wenn der Funke fällt - dazu verdammen mit uns zusammen unterzugehen - oder zumindest ihr Dasein auf einem radioaktiv und pandemisch verseuchten Müllhaufen namens Erde zu fristen. Wenn Sie Glück haben fördert die radioaktive Strahlung einige klimaresiliente Exemplare der Gattung Mensch.

Atomsprengköpfe sind auf das Haupt gerichtet (Knopf an Kopf). Dennoch hat man mehr Angst davor, den Briefkasten zu öffnen. 

Was denn eigentlich los sei mit dem Verfasser wird gefragt. Er kommentiert nicht mehr die Gesprächsrunden der Wills, der Lanzen, der Maischbergers, Illners und Plassbergs. Das liegt an seinem derzeitigen Hang zu langen Spaziergängen und einer zunehmenden Aversion gegen den Aufenthalt in geschlossenen Räumen. 

Auch sind die moralischen Debatten allzu furchterregend, die ernsthaft darauf pochen, dass Aktionen, welche das Leben aller Menschen auf Erden gefährden, zur Unterstützung der Ukraine geboten sind. So furchterregend diese Debatten sind, so lächerlich sind Menetekel, die bei Lieferengpässen bei Senf und Sonnenblumenöl bereits Alarm schlagen. So gut, dass man derartiges bereits als Krise bezeichnen kann muss es einem erstmal gehen. 

So nebenbei geraten Stammtischgespräche zu Erfahrungsberichten, in denen Genesene ihre Coronaerkrankung schildern - und zunehmend zu Nachbarschaftsnekrologen. Beinahe jeder kennt jemanden, den es erwischt hat. Die Pandemie strebt neuen Exzessen entgegen und verkümmert zugleich trotz ihrer dramatischen Dimension zur beiläufigen Randnotiz. 

 

Gestern

`Endlich. Ein Heimtrainer mit angeschlossenem Generator. Tritt man fest genug in die Pedale verbindet man sich mit dem Internet. Jetzt muss es einem nur noch gelingen, sich mit den Leistungssportlern in den versteckten Fitness-Centern zu verbinden, die rund um die Uhr strampeln, damit sich die Überlebenden verständigen können.`

Wenn eine Welt existiert, die aus der schwindenden Hoffnung ihrer Existenz hervorgeht, dann mögen Menschen auf ihr wandeln, die planetar denken, nicht global. Gäbe es doch eine Bombe, die nur alle diejenigen trifft, die ihrem nahenden Tod die Rückkehr zu Imperien entgegensetzen.

 

Gestern

Statt dass alle frieren für den Frieden - wieso keine Vermögenssteuer für jene, die nicht werden frieren müssen? Oder gar eine Sondersteuer auf Gewinne deutscher Rüstungsunternehmen? 

Eine Welt außer Rand und Band. So als müsse man allen Verschwörungstheoretikern Recht geben. 

 

Gestern

Die ins Astronomische emporschnellenden Infektionszahlen: Signal von allgemeinem Fatalismus, dem die allgemeine Impfpflicht wurscht ist. Auf Rettungsringe kann man pfeifen, wenn der Sog eines untergehenden Schiffes einen in die Tiefe zieht. Um etwas Optimismus zu verbreiten sei bemerkt, dass eine Havarie a la Titanic heutzutage in Ermangelung von Eisbergen nicht mehr möglich wäre.

Unverdrossen kämpft Selensky mit allen Moralkeulen um die Einrichtung einer Flugverbotszone und beschwört den Weltuntergang herauf. Er benutzt die Parlamente als Bühne und man lässt ihn gewähren. Schon früher ließen sich die USA vom Pathos eines Schauspielers leiten, es steht zu befürchten dass sich dies wiederholt. Der Sommer in Alaska lädt zum Baden ein. Patagonien - auch schön.  

Mit einem Gong startet die Sitzung des Bundestages: Kino. Dazu passend zum Thema Impfpflicht ein Satz von Frau Göring-Eckart, der jedem B-Movie zur Ehre gereichen würde: `Eine Minderheit darf nicht darüber entscheiden, wie die Mehrheit lebt.` Ich dachte, genau das sei das Wesen der repräsentativen Demokratie? 

 

Gestern

Die nukleare Bedrohung liefert eine späte Erklärung für diffuse Kindheitsängste. Traumbilder, in denen man in einem Kellerloch zusammengekauert darauf wartet, dass man von einem unermesslichen Gewicht zerquetscht wird, welches sich ankündigt durch zunehmende Hitze. Diese Nachtmare brachte man als Kind nicht unmittelbar mit dem Kalten Krieg in Verbindung. Jetzt jedoch, wenn Putin über die Massenmedien unmittelbar zu einem spricht, erkennt man sie wieder und weiß um ihre (Ab)Gründe. Anders als damals, als Nachrichten zum nuklearen Wettrüsten nüchtern und neutral von einem Nachrichtensprecher verlesen wurden und der Ost-West-Konflikt paradoxerweise auch ein Gefühl der Stabilität und Verlässlichkeit mit sich brachte, spricht nun der Oberbefehlshaber von Obervolta mit Atomwaffen direkt zu uns. Das trifft ungefiltert und lässt keinerlei Fragen offen hinsichtlich Ursache und Wirkung.  

 

Gestern 

Härte gegen Putin - sie besteht in einer moralischen Gleichgültigkeit, an die eine kapitalistische Lebensweise uns gewöhnt hat. Jetzt plötzlich moralische Substanz beweisen zu wollen indem man militärisch eingreift wäre ein überteuertes Ablassgeschäft, bei dem niemand - auch nicht die ukrainische Bevölkerung - etwas zu gewinnen hat, außer auf der moralisch erhabenen Seite unterzugehen. Skrupellosigkeit ist die Sprache, die Despoten verstehen.

Drei Weise aus dem Morgenland unterwegs zu einer Mutprobe nach Kiew. Trotz des Spotts: besser Don Quichotte sein als es nicht zu versuchen.

Jemand fragt, ob man vorhabe noch einen Roman zu schreiben. Die Erdkruste wurde flüssig, also keine festen Pläne. 

Und warum man kein Lanzer mehr sei? Weil Talkshows über den Krieg so widerwärtig sind wie der Krieg selbst. 

 

Gestern

Das Argument, dass man nicht eskalieren soll, lässt die ukrainische Schriftstellerin Katja Petrowskaja nicht gelten. Um Stärke zu zeigen sollte man ruhig einen direkten Konflikt der NATO mit Russland eingehen. Aus ukrainischer Sicht nachvollziehbar, denn die Leichen der Getöteten haben nichts von der Vermeidung eine nuklearen Krieges, dennoch bleibt es legitim für Regierungen Gefahren von ihrer Bevölkerung fernzuhalten. Demzufolge ist es auch wohlfeil, den Verzicht auf einen Import von Gas und Öl aus Russland mit Eigeninteressen und Egoismus der Regierung(en) zu begründen. Wenn es ein Eigeninteresse der Regierung ist, dass Menschen nicht in Armut versinken dann ist dies nicht moralisch verwerflich.

Zu erwarten, aber auch bigott: kein Wort des Mitgefühls für die in Putins Krieg getöteten Russen. Dabei sterben die für weniger als nichts, nicht einmal zur Verteidigung einer Freiheit, die sie nicht haben.  

Solange es Strom gibt wird gestreamt. Bei Netflix und Co. werden Serien Konjunktur haben, in denen leicht und ehrenvoll gestorben wird. Schon jetzt erfüllen Wikingerserien den pädagogischen Zweck, das Publikum auf die Zeitenwende einzustimmen.  

Putin hat Härte verdient, doch es darf nicht darum gehen was er verdient, sondern was diese Härte einbringt. Während Armageddon seine Schatten vorauswirft - von der Ukraine bis zur polnischen Grenze reicht er schon - gerieren sich Talkshowmoderatoren als Moralapostel, die überforderten Politikern Feigheit vorwerfen, weil sie bemüht sind Schaden von ihrer Bevölkerung abzuwenden, die man offenbar sogar vor sich selbst schützen muss: eine Mehrheit der Bevölkerung ist für die Schaffung einer Flugverbotszone und meckert zugleich über die Benzinpreise, so als könnte man beides haben: einen gerechten Krieg mit einer Nuklearmacht und Frieden an den Zapfsäulen. Wenn schon ein Mangel an Speiseöl Schlagzeilen wert ist, kann man sich ausmalen was aus einer an volle Supermarktregale und soziale Sicherungssysteme gewohnten Gesellschaft wird, wenn die Entbehrungen einen Tick drastischer werden. Man kann Robert Habeck ansehen, dass ihm die Fantasie für diese Vorstellung nicht fehlt. Er sieht aus, als sehe er nur noch von Bosch und Breughel animierte 3D-Filme vor seinem geistigen Auge. 

 

Gestern

`Ein warmer, sonniger Frühlingstag. Egal wo man sich befindet, sanfte Brisen schmecken nach Salz und das Meer ist in der Nähe. Ein überwältigendes Gefühl kindlicher Unschuld verdrängt für den Moment den Kosmos der Schreckensmeldungen. Wenn jetzt das atomare Löschpapier den Himmel verdunkelt schließt man die Augen in einem Zustand naiven Glücks.`

`Trotz eines eintönig trüben Firmamentes siehts Du am Horizont die Silhouette einer gigantischen Großstadt. Ein tausende Meilen entfernter Horizont, als habe sich die flat-earth-movement gegen die physikalische Realität durchgesetzt. Zwischen den Küsten ein Meer aus Glas, in dem kopfüber Einkaufswagen und Einwegspritzen staken. Du bist in einem Alptraum gefangen, das heißt Du bist in Sicherheit.` 

 

Gestern

Moralisch verkommen, degeneriert durch einen auf Ausbeutung beruhenden Wohlstand, feige bis ins Mark darf man sich dennoch weigern, das Recht eines Mannes anzuerkennen, sich als Richter über die Welt aufzuspielen. Auch darf man sich davor fürchten, dass die Ukraine den konventionellen Krieg gewinnt. Die Folgen wären entsetzlich.  

Jeden Tag so zu leben als wäre es der letzte führt bei vielen zu der Konsequenz mit dem Rauchen anzufangen. 

Bestechende Klarheit der Wahrnehmung, wie sie nur eine akute Bedrohung hervorruft. Messerscharf gezeichnete Gesichtszüge, wie eingraviert in Eis, ein Fotofinish unmittelbar vor dem Blackout.

 

Heute

Konsequent absurd: man finanziert mit den Gas- und Ölimporten aus Russland die Armee, gegen die man sich nun mit Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe in militärische Infrastruktur wappnet, für deren Ausbau man wiederum fossile Brennstoffe benötigt.   

Inzidenzen und Inflation steigen im Gleichschritt, als seien sie quantenverschränkt. 

Die hohen für Rüstung geplanten Aufwendungen sind nicht einfach Ausdruck von Verteidigungsbereitschaft. Man bereitet sich auf einen Krieg vor. Die rhetorische Frage, ob man für Frieden nicht auf ein wenig Wohlstand verzichten kann bereiten die Bevölkerung auf Entbehrungen für die Aufrüstung vor. Und: wer wirklich über Wohlstand verfügt wird auf nichts verzichten müssen. 

 

Gestern

Nun ist sie wieder da, die Idee `die Atombombe sei Buddha` (Peter Sloterdijk) und man müsse zurück zur guten, kalten Abschreckung. Die habe funktioniert. Nein, sie hat eben nicht funktioniert. 1983 kam es nur aufgrund der Weigerung eines Soldaten namens Petrow, sich an die Befehlskette zu halten nicht zu einem nuklearen Weltkrieg. Das sogenannte Gleichgewicht des Schreckens war immer labil, und dass der auf die Spitze gestellte Bleistift nicht umkippte ist ein thermodynamisches Wunder, nicht etwa Ausdruck einer funktionierenden Strategie. Eine Strategie, die auf dem Potenzial der Vernichtung allen Lebens auf dem Planeten beruht, wenn sich ein Schmetterlingseffekt ereignet, ist keine vertrauenswürdige Strategie. Dass es bislang nicht zu einem nuklearen Krieg kam ist nicht Beweis eines funktionierenden Prinzips, sondern ein glücklicher Zufall. Ihn zu verklären als Basis eines Zustands relativer Sicherheit ist etwa so, als stürze man aus dem Fenster eines dreißigsten Stockwerkes, denkt - während man am fünfzehnten Stockwerk vorbeifliegt - bisher ist doch alles gut gegangen und empfiehlt aller Welt sich auch aus dem dreißigsten Stock zu stürzen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand daherkommt, der bereit ist Buddha in die Luft zu sprengen und sich nicht abschrecken lässt wie ein Atomei im Abklingbecken. 

Was hat man gelacht über die skurrilen Prepper. Jetzt findet man es plausibel und naheliegend, sich Jodtabletten, Gaskocher, ABC-Masken und Trockenfutter zu besorgen, Flugpläne nach Südamerika oder Norwegen zu studieren und noch schnell einen Survival-Kurs zu absolvieren. 

Herr Gauck meint, es sei in Ordnung für den Frieden zu frieren und plädiert für den Boykott von Öl- und Gaslieferungen aus Russland. Thilo Sarazzin lässt grüßen. Abgesehen von der unglaublichen Arroganz eines (mittlerweile) saturierten Wohlstandsbürgers gegenüber den sozial und ökonomisch Schwachen im Lande friert man nicht für den Frieden - sondern für eine Fortsetzung des Krieges mit ökonomischen Mitteln. 

Herr Melnyk wird weiter herumgereicht im Öffentlich Rechtlichen - diesmal bei Frau Maischberger. Gut, dass die Zahlung der GEZ-Beiträge einen nicht verpflichtet, sich die Sendungen im ÖRF auch anzusehen. 

Ein Alptraum: ein atomarer Schlag wird angekündigt und ich kann nicht fliegen wegen eines positiven Corona-Tests.

Wozu noch schreiben wenn alles auf dem Spiel steht?

 

Gestern...

kein Wort zu verlieren. Gelegentlich ist Sprachlosigkeit die einzige Art und Weise das Richtige zu sagen. Die Satire-Sendung `Die Anstalt` mündete in einer Schweigeminute. 

 

Gestern

Geht. Geht in die Natur. Meidet die Schreckensszenarien auf allen Kanälen, spaziert die Wasserstraßen entlang. Lasst Euch nicht von den Botschaften erdrücken, die fordern man müsse handeln mit allen Mitteln. Schaltet die Handies auf stumm, nehmt das Recht in Anspruch selbst zu bestimmen, wie oft und wie oft und wie lange ihr Euch der Tyrannei der Kampfansagen, der Drohungen und der mitleiderregenden Bilder von Flucht und Tod entzieht. Entzieht Euch den Stimmen, die den Dritten Weltkrieg fordern um Schlimmeres zu vermeiden. Sucht die Klimazonen auf, die noch nicht beherrscht werden von Zuspitzung und Angst. Wartet ab was geschieht, während Gänse schnattern und Blesshühner untertauchen. Es gibt keinen Fluchtpunkt, daher ist es müßig zu fliehen während andere entscheiden, ob das Vermeidbare vermieden wird oder nicht. Ihr werdet früh genug erfahren, wenn es zu spät ist. Dafür braucht ihr weder soziale Netzwerke, noch Talkshows. 

Passend zum Krieg: die Liveübertragungen von den Paralympics. Der Krieg als Nachwuchsförderung. Klitschko: `unsere Paralympics-Athleten werden auf Jahre unschlagbar sein`. 

Die Massenmedien und ihre Mediatheken. Archive untergegangener und von Untergang bedrohter Welten. Tierdokus. Serien, die von einer Welt ohne Masken und ohne dritten Weltkrieg erzählen. Von kleinen Konflikten und Intrigen in unserer heilen Wohlstandswelt, mit Apokalypsen zur gruseligen Unterhaltung. Stöbern wir darin, solange der Strom noch fließt und die Städte noch stehen.

MIGs in Ramstein. Die Nichtbeteiligung der NATO wird fallen wie die Impfpflicht.

Fröhlich scherzende Gäste bei Markus Lanz. Sage nochmal einer `Dont look up` sei ein flaches Filmchen. Die Realität ist noch f-Lacher.

 

Gestern

Logisch - die ersten Leistungssportler, die von der Ukraine abkommandiert werden, sind die Biathleten. Ein Sportmoderator unterbreitet den Vorschlag, Putin für den Medizinnobelpreis vorzuschlagen, weil er alleine dafür gesorgt hat, dass Corona kein Thema mehr ist.

Man zahlt GEZ-Gebühren dafür, dass man mit Werbung belästigt wird, das nimmt man - während BlendaMed um Aufmerksamkeit bittet - zähneknirschend hin. Dass jedoch der ukrainische Botschafter Melnyk bei Anne Will gebührenfinanziert das Publikum beschimpft, weil es zu feige sei den sicheren Weg in die Selbstauslöschung zu beschreiten löst in der Krämerseele des Verfassers einen spontanen inneren Aufschrei aus. Dafür zu bezahlen, dass man sich verarschen lässt ist Voraussetzung eines funktionsfähigen Kapitalismus, aber dafür berappen zu müssen, dass einem moralische Verkommenheit attestiert wird, weil man sich vor einer nuklearen Auseinandersetzung drückt...also...wo kommen wir denn dahin.

Der Westen hat häufig genug bewiesen, dass er resilient gegen den Vorwurf moralischer Verkommenheit ist. Das ist derzeit eine Lebensversicherung. Die NATO steht offenbar weiterhin zur Verteidigung des amoralischen Westens, auch wenn die Bilder aus der Ukraine den moralischen Druck aktiv einzugreifen täglich erhöhen. Man darf annehmen, dass die Ukraine sich sehnlichst wünscht Mitglied des amoralischen Europa und seiner Institutionen  zu sein, die man wegen ihrer unzureichenden militärischen Anteilnahme zunehmend verzweifelt kritisiert. Die Kritik ist der Lage geschuldet, sie anzunehmen wäre fatal.   

Putin hat nicht die Unwahrheit gesagt, als er im letzten Jahrtausend im Rahmen seiner beifallumtosten Rede vor dem Deutschen Bundestag feststellte: `Der Kalte Krieg ist vorbei`. Vom heißen Krieg hat er nicht gesprochen. 

Als Schreiberling ist man angewidert, weil man Opfer einer revisionistischen Vision sein soll, die einem sterbenslangweiligen historischen Roman gleicht. 

Auffallend rasch wurden nach der Verkündung der erheblichen Aufstockung der Militärausgaben in Deutschland (und anderswo) von Christian Lindner weitere erhebliche Investitionen in den Bereich der erneuerbaren Energien angekündigt. Diese zeitliche Nähe kommt nicht von ungefähr - denn das Militär und die Rüstungsindustrie sind weltweit Haupttreiber von CO2-Emissionen. Sie verbrennen selbst in Friedenszeiten ungeheure Mengen von Dieselkraftstoff. Gemäß der historisch betrachteten führenden Rolle des Militärs bei `Entwicklung und Durchsetzung neuer Technologien´(...) ´müsste das Militär bei der Dekarbonisierung vorangehen, mithilfe seiner im Übermaß vorhandenen finanziellen und wissenschaftlichen Ressourcen`. (Jochen Luhmann, `Die Versorgung des Militärs mit Energie im postfossilen Zeitalter`, klimareporter.de, 06.01.2022). Man kann sich also denken, dass eine Emanzipation von der Abhängigkeit von (russischen) fossilen Brennstoffen bei gleichzeitig sprunghaft steigendem Militärbudget nur dann möglich ist, wenn das Militär sowohl Treiber der notwendigen Innovationen, als auch (Haupt)abnehmer regenerativer Energie ist. Tatsächlich sind also Investitionen in die Entwicklung regenerativer Energien Investition in Aus- und Umbau des Militärs, so dass man in Anlehnung an Eisenhower von einem militärisch-ökologischen Komplex reden könnte. Welche klimaschädlichen Dimensionen das Militär und seine Aktivitäten annehmen - die auf Druck der NATO-Staaten in sämtlichen UN-Klimadokumenten nicht auftauchten - lässt ein Artikel der Linken erahnen (`Stoppt die Klimakiller Krieg, Militär, Rüstungsindustrie`, die-linke.de): `Allein auf der Basis Ramstein finden jährlich 30000 Starts und Landungen statt. Dabei werden 1,35 Milliarden m3 klimaschädliche Abgase freigesetzt.` Noch extremer wären ipso facto die Auswirkungen bei Atomkriegen: `Würde man alle vorhandenen 15.000 Atomwaffen zünden, stürben 3 Milliarden Menschen sofort, die jeweilige Umgebung stünde in Flammen und die Temperatur läge bei minus 16-26 Grad. Die Erde wäre unbewohnbar`. Aber: demnächst ist bei der Truppe dann nicht nur die Uniform, sondern auch die Energie grün. Willkommen im Zeitalter des ökologisch nachhaltigen Tötens.  

Bei Anne Will versteigt man sich zu Aufforderungen, man möge Putin eliminieren. Frommer Wunsch und zugleich unglaublich dämliches Herausposaunen eines Kriegsgrundes für Russland aus den Öffentlich-Rechtlichen, zu deren Zuschauern sicher auch russische Dienste gehören. 

 

Gestern

`Es wird nicht mehr heißen "Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe", sondern einfach nur "die Bombe". Menschen verlassen zu Hunderttausenden Seoul und Berlin. Was nun? Sie weitersuchen, oder eine Kindheitserinnerung Realität werden lassen? Ein Hoch über den Azoren hieß es da. Möglicherweise kommt ihr die selbe Idee und man trifft sich bei einem Käsebrot auf Sao Jorge, wo wir dem Austausch von Totschlagargumenten beiwohnen, der hoch über uns am Firmament stattfindet.` 

Wer verhandelt mit einem Geiselnehmer, der die ganze Welt als Geisel nimmt? 

Personen, die lediglich Fernsehbilder waren, Institutionen, die abstrakt blieben nimmt man nun persönlich, denn unser Leben hängt an den von ihnen gesponnenen Seidenfäden. 

Gestern

`Die Strahlungsinzidenz verheißt nichts Gutes. Ist sprunghaft gestiegen. Es kursiert das Gerücht radikale Infektionsgegner hätten die Kühlanlagen mehrerer Kernkraftwerke beschädigt. Ihr Ziel ist, die radioaktive Belastung so zu erhöhen, dass die Infektionspflicht ins Leere läuft. Was sind das für Menschen, denen die Weltanschauung so wichtig ist, dass niemand mehr da sein wird der die Welt anschaut?`

 

Gestern

Dieser Hang zum melodramatischen Symbolismus: erneut weist Putins Russland darauf hin, dass man weder davor zurückschreckt ganz Europa, noch die eigene Bevölkerung zu verstrahlen. Der Beschuss des größten Kernkraftwerkes Europas vermittelt noch eine zweite Botschaft - bildet Euch nicht ein Kernkraft biete einen Weg Euch unabhängig von russischem Gas und Öl zu machen. Sie sind angreifbar. Man benötigt nicht einmal nukleare Waffen um eine radioaktive Katastrophe auszulösen.

Der Angriff auf die Ukraine drängt nicht nur die Pandemie und den Klimawandel in den Hintergrund, der für Putins Russland lediglich ein Vorwand des Westens ist, Unabhängigkeit von den russischen Ressourcen zu erlangen. Er löst auch die thematische Oberhoheit des Westens über die größte Bedrohung der freien Welt ab, die seit 9/11 über den fundamentalislamischen Terror definiert wurde. Putin gelang es Bedrohungsszenarien zu aktualisieren, deren ikonographischen Bilder diejenigen des Einsturzes der Twintower in den Schatten stellen, die bislang stärkster Ausdruck einer Bedrohung der freien Welt waren. Kein Zweifel - Putin möchte die Hitlerliste der Schreckensszenarien lange anführen. Die freie Welt soll in der Folgezeit ihr Dasein unter der permanent akuten Perspektive atomarer Vernichtung genießen. im besten Fall ist Putin ein Spielverderber, der der westlichen Welt die Freude an ihrer Lebensweise vermiesen möchte. 

Wenn Donald Trump etwas genial nennt kann es nur abscheulich sein. Zum Kalkül der psychologischen Kriegsführung, auf deren Ebene längst der dritte Weltkrieg tobt, gehören die zu erwartenden Bilder von Gefangennahme oder Beerdigung von deutschsprachigen Prominenten wie Vitaly Klitschko. Die Stimmen könnten lauter werden, die ein militärisches Eingreifen des Westens verlangen. Im Feld lockte man Gegner aus der Deckung, indem man verwunderte Soldaten nicht tötete, sondern sie schreien ließ. Ähnliches wird man auf der Ebene der Massenmedien versuchen, deren Bilder ihr Publikum an aller Welt finden. Auch Massenmedien sind Waffenvernichtungswaffen, wenn sie fatale Reaktionen provozieren. 

Träume aus der Kindheit kehren wieder. Ein Feuerball am Horizont. Die Flucht in einen Keller. Ein planetenschweres Gewicht, das sich auf das Versteck herabsenkt. Kindliche Verarbeitungen des Kalten Krieges. Und nun: ein Traum droht wahr zu werden.

 

Gestern

Sehen wir optimistisch in die Zukunft: drei Milliarden Tote beim atomaren Holocaust wären eine radikale Form des Klimaschutzes durch Senkung des CO2-Ausstoßes (Frau Baerbock weiß was sie tut). Der nukleare Winter beendet die Phase der Erderwärmung. Der Putin/Baerbock-Pakt scheitert daran, dass die ausführenden Kommandanten, die den nuklearen Holocaust auslösen sollen, sich in Corona-Quarantäne befinden. 

Kann man bei Bet&Win auf den Einsatz von nuklearen Waffen wetten?

Unabhängig von der Staatsform ist es verhängnisvoll, wenn die Tragweite von Entscheidungen über Leben und Tod vieler umgekehrt proportional ist zur Anzahl derer, die sie treffen. Dieses Missverhältnis kulminiert in der Entscheidungsgewalt von Einzelpersonen über Wohl und Weihe der gesamten Menschheit in Ländern, die über nukleare Waffen verfügen. Je mehr Menschen von schicksalhaften Entscheidungen betroffen sind, desto weniger Einfluss haben sie auf diese Entscheidungen - im Falle des Einsatzes nuklearer Waffen entscheiden Präsidenten von Atommächten über das Leben von Milliarden. Schon aufgrund der Paradoxie, dass die Möglichkeit der Kontrolle von Macht im selben Masse abnimmt, in dem der Einfluss der Ausübung auf das Weltgeschehen zunimmt spricht für die Demokratie, die wenigstens parlamentarische Kontrollen und die Absetzung bzw. Abwahl von allzu selbstherrlich auftretenden Akteuren zulässt. Dennoch: auch mit nuklearen Arsenalen ausgestattete Demokratien kennzeichnen hierarchische Organisationen, die Befugnisse mit maximalen Auswirkungen auf das Leben aller auf die Spitze der Hierarchie treiben. Diese Unwucht ermöglicht überhaupt erst Szenarien, wie einen nuklearen Weltkrieg. Die Anfälligkeit und Fragilität geopolitischer Strukturen für die Empfindlichkeiten einzelner Akteure mit hoher Machtfülle zeigt exemplarisch Stanley Kubricks Film `Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben`. Basis globaler Eskalation ist unabhängig von der Regierungsform die Abkoppelung schicksalhafter Entscheidungen von jeglichem Vetorecht seitens der von ihnen Betroffenen. 

Eine der zur Blauäugigkeit verführenden statements seitens der sich erstaunt und verblüfft über Putins Vorgehen und dessen Begründung gebenden westlichen Kommentatoren ist das Mantra von der NATO als Verteidigungsbündnis, das sich die Hände in Unschuld waschen kann. Schon die Ausstattung mit nuklearen Waffen an sich ist auch dann bedrohlich, wenn man sie als defensiv deklariert - denn bekanntlich ist Angriff die beste Verteidigung. Dementsprechend irreführend ist es, wenn Waffen mit Vernichtungspotenzial als Defensivwaffen verniedlicht werden. Umgekehrt ist auch Putins Rechtfertigung für Russlands nukleare Drohungen mit dem aggressiven Vorgehen der NATO scheinheilig. Die eigentliche Bedrohung der NATO für Russland ist nicht ihr militärisches Potenzial, sondern sind die Wertvorstellungen und politischen Systeme, die sie repräsentiert. Aus Sicht Wladimir Putins ist mit der NATO-Mitgliedschaft die Bekenntnis zur Abkehr von der eurasischen Ideologie und die Hinwendung zu den Atlantikern verbunden. Ein äußerst empfehlenswerter Beitrag von Claus Leggewie (`Putin ist nicht verrückt - er handelt ideologisch konsequent`, SPON, 02.03.2022), gelangt zu dem Schluss: `Russlands Präsident glaubt an einen Endkampf zwischen Eurasiern und Atlantikern.  Und wurde so zum Idol einer weltweiten faschistischen Bewegung.`(...) `Putins Vorgehen ist nicht wirr, es ist zutiefst ideologisch getrieben. Er imaginiert Russland als geistig-kulturelle Alternative zum Westen und glaubt an einen Endkampf zwischen Eurasiern und Atlantikern. Damit wurde er nicht nur zu einer Bedrohung der Ukraine und des Weltfriedens, sondern auch zur Leitfigur einer globalen völkisch-autoritären Bewegung.` Der Artikel von Leggewie verweist nicht nur auf die Vordenker, die den intellektuellen Klebstoff für transnationalen Antiliberalismus liefern (darunter deutsche Denker wie Carl Schmitt und Martin Heidegger), sondern stellt das gegenwärtige Vorgehen Russlands (und eben nicht nur Putins) in den Kontext einer sich seit 2008 zunehmend an weltanschaulichen Zielen orientierenden russischen Innenpolitik, die schließlich in Putins Bekenntnis zum Zarismus, zum orthodoxen Christentum, zur Novorossiya, zur Denunziation von LGBT+-Personen, völkischen Nationalismus und schließlich erkennbar im Antisemitismus mündet: `Dass Putins Bomben das Holocaust-Mahnmal von Babyn Jar treffen`, so schließt der Artikel, sei Symbol für eine weltweite faschistische Bewegung, deren Idol Putin sei. Vor diesem Hintergrund versteht man umso besser, warum Olaf Scholz umgehend Israel einen Besuch abstattet. Eine kluge Entscheidung - grade Deutschland muss deutlich machen, dass Rüstungsanstrengungen der Verteidigung von mit Israel geteilten Werten dient, die von einer antisemitischen Ideologie bedroht werden, die sich dazu versteigt, einen jüdischen Präsidenten als Nazi und Völkermörder zu denunzieren. Auch das Votum der UNO-Vollversammlung ist in diesem Zusammenhang zwar nicht politisch bindend, aber dennoch wichtig - denn die Verurteilung des russischen Vorgehens ist zugleich als Verurteilung der ihr zugrunde liegenden Ideologie zu werten. Diese politische Botschaft ist nicht nur an außenpolitische, sondern auch an innenpolitische Akteure gerichtet. 

Man lernte schon in der Pandemie Begriffe, die man nicht kennen wollte. Nun kommen Begriffe wie Thermobarbombe dazu. Eher nicht merkt man sich Hrywnja.

Dann wäre ja da noch die Pandemie. Sie freut sich diebisch über Massendemonstrationen, bei denen keinen Menschen die Einhaltung von Corona-Regeln schert. Schon steigt die Inzidenz. 

  

Gestern

Im Traum gastieren strahlenverseuchte Politiker beim ebenfalls verstrahlten Markus Lanz und werden gefragt: wir sterben alle grade elendig. Was macht das mit uns?  

Gesine Lötsch drückt sich im MoMa um die Aussage herum, die Linke wolle keine Waffenlieferungen an die Ukraine damit der Krieg schneller vorbei ist. Eine entwaffnende Haltung, leider nur im übertragenen Sinn. 

Bidens Rede: eine dankenswert klare Absage an eine militärische Intervention der NATO. 

Das Schlimme an Menschen die Schwäche hassen ist, dass sie ihre Verachtung als Legitimation erachten zu vernichten, was sie für schwach halten und dass sie auch Güte als Schwäche erachten, obwohl diese viel mehr Mut erfordert als als die Durchsetzung von Zielen aus der Position unbeschränkter Macht. 

 

Gestern

Ein absurd schöner Sonnenaufgang verhöhnt mich.

Gesine Lötsch von der Linken und der Verfasser haben ansonsten eher weniger gemeinsam. Doch das Befremden über die Jubelarien im Bundestag ob der Zeitenwende und der Anwesenheit des ukrainischen Botschafters Melnyk, der sich seit Wochen als Chefkritiker der vorgeblichen Hasenfüßigkeit deutscher Politik produziert teilt man. Das hatte einen Hauch von Kriegsbegeisterung. Man mag dies als Signal der Einigkeit akzeptieren, angesichts der Perspektive atomarer Auslöschung sind derartige Jubelarien jedoch irritierend. Wohlwollend könnte man annehmen, die eigene Bevölkerung sei nicht der Adressat dieser kollektiven Pfeifen im Walde, sondern der Putentat im Ural. Man will ihm den Spaß nehmen, indem man begeistert seinen Fehdehandschuh aufnimmt. 

Ein bislang unbekanntes Gefühl der gleichzeitigen universalen Bedrohung von außen und der Bedrohung von innen durch den alternden Körper. Kein Ausweg, außer dem ohnehin Unvermeidlichen. Man hat wenige Angst, als ein Gefühl abgrundtiefer Ohnmacht.

Nach dem Krieg kommt der Spielfilm: The Kremlins.

Lawrow beklagt einen `antirussischen Rausch`. Heute verlassen Diplomaten im Sicherheitsrat den Saal bei seiner Rede. In der Tat berauschen sich Parlamentarier derzeit an ihrer Empörung - die Emotionalität ist eine nachvollziehbare Reaktion, auf der Ebene der politischen Professionalität ist sie ebenso amateurhaft, wie verhängnisvoll. 

Ich ertappe mich dabei, jetzt gerne Chinese sein zu wollen. 

Ein Krieg, mitten in Europa, der erste Krieg dieser Größenordnung, der uns rund um die Uhr mit Live- and Deathbildern versorgt. Zur Eskalationsstrategie Putins gehört es, Bilder zu erzeugen, die unerträglich sind - solange, bis öffentlicher und moralischer Druck die NATO zum aktiven Eingreifen veranlasst. Der Kanzler bereitet das Publikum auf noch schlimmere Entwicklungen vor. Damit meint er auch die Flut der Bilder. Ungerührt bleibt die Werbung. Stärke zeigen, wirbt Fielmann, und suggeriert den Durchblick. Direkt nach den katastrophalen Nachrichten bei `Börse vor acht` Werbung für ETFs und Kryptowährung.

Während ich das schreibe bereitet die russische Armee den Einsatz von Vakuumbomben vor. Trotz meiner Ohnmacht fühle ich mich schuldig im sicheren Wissen, dass in wenigen Stunden unzählige Leben von Menschen, die vielleicht ebenso wie ich vor einem Computer sitzen und schreiben, mitten im Satz ausgelöscht werden.

 

 

Gestern

Die Schweiz weigert sich russische Konten einzufrieren. Der beste Schutz der eigenen Bevölkerung gegen Krieg ist die Kombination aus Neutralität und geheimen Konten. Ich wollte immer schon mal nach Zermatt.

Das wäre mal eine interessante Frage für das Politbarometer: Sind Sie für oder gegen die Zeitenwende?

100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, Festschreibung der 2%-Regel im Grundgesetz. Ein Buhlen um die weitere Gunst der USA, die man dringend als atomaren Schutzengel benötigt. Wir sind umzingelt von Freunden und Feinden, ein ohnmächtiger sogenannter Souverän sieht zu, wie ihn die Verteidigung der Freiheit an den Rand der atomaren Vernichtung bringt. Putins Schuld an dieser Entwicklung ist unbestritten, doch den Wahnsinnigen im Kreml, der sich wie ein in die Enge getriebenes Tier verhält weiter in die Enge zu treiben ist eine eigenwillige Strategie der Regierungen, ihren Auftrag zu erfüllen Schaden von der eigenen Bevölkerung abzuwenden. 

 Def Com 2. Prognose: Def Com 3 nach erfolgter Waffenlieferung an die Ukraine.

Russland sperrt Luftraum für Deutschland. Man nimmt schon erleichtert zur Kenntnis wenn die Nachrichten nur schlecht aber nicht fürchterlich sind. 

Was reitet Herrn Borrell öffentlich heraus zu posaunen die EU befinde sich im Krieg?

Die Schweiz - wohl aus Furcht, dass ihr ansonsten eben nicht Neutralität attestiert wird - schließt sich den Sanktionen an. Der Rubel rollt nicht, er fällt. 

Wenn Putin es nicht schafft, die Welt in Brand zu stecken schafft es das Klima. Der IPCC-Klimabericht stellt fest, dass der Planet ohne drastische Maßnahmen bald unbewohnbar ist. Selbst an Neuseeland würde dieser Kelch nicht vorübergehen. Aber die Welt hat Wichtigeres zu tun - nämlich aktiv dem Klima zuvor zu kommen. 

 

 

Gestern

`Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen`(Platon)

Der Heizungsmonteur, der die Thermostate austauscht, hält einen Vortrag: wie man nur so blöd sein konnte alle Kernkraftwerke abzuschalten und außerdem kann er Putin verstehen. Der hat halt keine Lust mehr, dass ihm die NATO auf die Pelle rückt. Das Land der Millionen Bundestrainer verwandelt sich in ein Land der Millionen Militärexperten und Bundeskanzler, und der Verfasser denkt: Gas. Schon immer ein problematisches Thema in Deutschland. Zu strategisch talentierten Handwerkern und all denen, die immer schon gewusst haben, dass der Westen zu weich ist gesellen sich all diejenigen, deren Sensationsgier bestens durch die Kriegsberichterstattung bedient wird. Ein Panzer überrollt einen PKW samt Insassen, Schnitt, Werbung für Quooker, den Wasserhahn der alles kann. Depressive sind plötzlich fröhlich: der Krieg relativiert ihre Probleme und schafft Klarheit. Endlich herrschen scharfe Kontraste wie im Zeitalter der Schwarzweißfernseher und eisernen Vorhänge. Polen entdeckt auf einmal sein Herz für Flüchtlinge, die Ukrainer nimmt man gerne auf. Sind ja keine Kopftuchmädchen und Messerstecher. In das Entsetzen über die Geschehnisse mischt sich unverkennbar eine gewisse Erleichterung. Endlich wieder ein in aller Deutlichkeit hervorstechendes Feindbild. Der deutsche Michel verfolgt die Berichterstattung wie eine Dauersendung `Sport und Politik`. 

Besuchen Sie Europa solange es noch steht: ob die Staaten der EU - so sie noch existieren - in Zukunft statt Abschottung zu praktizieren eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen pflegen? Dann hätte der Krieg in der unmittelbaren Nachbarschaft wenigstens eine begrüßenswerte Konsequenz. Darauf wetten sollte man nicht. Im Gegenteil wird man zur Zufriedenheit einiger Mitgliedstaaten einen rigorosen Aufnahmestopp verhängen. Tut uns leid, das Boot ist voll. 

Putins Rückbesinnung auf die Zarenzeit (analog zu Hitlers Re-Vision von einem  tausendjährigen römischen Reich, in das eine moderne Technologie wie die Atombombe nicht passt), eine Zeit ohne Internet und soziale Medien, deren globale Wirkungsmacht er folgerichtig unterschätzt. So sehr das Netz anfällig für Fakenews und Propaganda ist, so schwer lässt sich die eigene Bevölkerung gegen die globale Informationsflut abschotten. Neben allem Unsinn enthält das Netz eben auch Fakten und beschleunigt die Organisation von internationalem Widerstand. 

Das war zu erwarten: Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen werden als Kriegserklärungen gewertet und die Nuklearstreitmächte in Alarmbereitschaft versetzt. Wundert das jemanden? Es entspricht Putins Erwartungen exakt, der auf diese Rechtfertigung für kleine nukleare Nadelstiche nur gewartet hat. Die Reaktionen des Westens sind zu berechenbar, als dass man sie nicht hätte provozieren können. Beim Einmarsch in die Ukraine ging es nicht um die Ukraine, sondern darum genau das Echo hervorzurufen, das zum Beispiel aus dem deutschen Bundestag herausschallt. Es entbehrt nicht einer gewissen Süffisanz, dass Putins Ankündigung die nukleare Streitkraft in Alarmbereitschaft zu versetzen noch während der laufenden Debatte im deutschen Parlament erfolgte. Dieser Mann will nukleare Waffen einsetzen und wir liefern ihm propagandistische Gründe. 

Kondensstreifen am Firmament haben nun eine beunruhigende Wirkung. Nachts fürchtet man sich vor dem, was an einem sternenklaren Himmel zu sehen sein könnte und wünscht sich eine besänftigende Wolkendecke herbei, damit man nicht sieht, was auf einen zukommt.

Wo und wie möchte ich sterben? Wie komme ich an Morphium? Die Verteidigung unserer Werte verurteilt uns zu einem grausamen Tod. Die Schuldfrage ist geklärt und irrelevant. Wo kein Kläger mehr lebt, schläft der Richter.

 

Gestern

Jeder Krieg kennt nur Verlierer? Mit(ver)nichten: `Die Börse setzt auf Rüstungskonzerne`. (WAZ, heute). Der Vorstandschef von Rheinmetall, Armin Papperger, erwartet (welche Wortwahl...) für 2022 `noch bessere Zeiten`. Wenn ein Teil der Altersvorsorge in Deutschland demnächst kapitalmarktgedeckt ist sind Aktien von Rüstungsunternehmen eine totsichere Anlage. Slogan für die neue Volksaktie: Rüstige Rentner - gut gerüstet fürs Alter.

Es fällt schwer Selenskij zu kritisieren. Dennoch: ob es sinnvoll und gerechtfertigt ist Familien auseinander zu reißen, indem man alle Männer zwischen 18 und 60 zwangsweise in ein Himmelfahrtskommando namens Landesverteidigung schickt ist fraglich - auch strategisch. Für den Fall einer russischen Besatzung wird man alle Mann für den inneren Widerstand benötigen.

Schier unfassbar (aber typisch) ist es, wenn der Oberbefehlshaber des Angreifers von `Provokationen` der hoffnungslos Unterlegenen spricht. Etwa so als empöre sich ein Henker darüber, dass der Delinquent ihn beschimpft.  

Humor ist wenn man trotzdem lacht: `Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit`. So Selenskij zu Angeboten ihn außer Landes zu bringen. 

Schon die Pandemie hat es gezeigt: die Globalisierung bedeutet eben nicht nur eine Verflechtung von ökonomischen Beziehungen, sondern auch von Gefahren und Bedrohungen. Und Staaten sind wie Kernkraftwerke: sie bieten (bestenfalls) Schutz und Versorgung, aber wehe wenn sie hochgehen. 

Wir sind also Montag in einer anderen Welt aufgewacht. Dies könnte damit zusammenhängen, dass wir zuvor alle geträumt haben während die Welt schon so war. 

Ein treuer Fan der Spvgg. Greuter Fürth gewinnt dem apokalyptischen Eiter Positives ab: Wenn die Welt morgen untergeht, steigen wir wenigstens nicht ab. 

Schlimm genug was der Kampfschlumpf (im Gegensatz zum Kanzlerschlumpf) anrichtet - die Reaktionen sind ebenso desaströs. Das Vorgehen Putins Russland gerät zum Beleg für die Wichtigkeit atomarer Abschreckung. Das Gegenteil trifft zu. Grade Putins Vorgehen ist Beleg dafür, dass atomare Abschreckung nicht funktioniert. Sie funktioniert nur, wenn das Gegenüber vor dem Einsatz nuklearer Waffen zurückschreckt. Putins Russland ist eben nicht die UdSSR. 

Ebenso desaströs sind die Ereignisse an den Sollbruchstellen zwischen nationalistischen Mitgliedern der EU und deren liberalen Mitgliedern. Polen kritisiert harsch Deutschlands Zurückhaltung hinsichtlich Waffenlieferungen und SWIFT. Nicht von ungefähr sind es ausgerechnet die Länder in der EU, die was ihr Menschenbild betrifft besonders nah an Russland sind, die eine Verschärfung der Auseinandersetzung fordern. Zwar wollen sie keine russische Herrschaft, aber auch sie erachten die Länder, die auf Kohleverstromung setzen und Abtreibung erlauben als dekadent und verweichlicht.

 

Gestern

Wir leben in einem Zeitalter des `Nie Dagewesen`. Nie dagewesene Sanktionen, nie dagewesene Impfkampagnen, nie dagewesene globale Bedrohung durch den Klimawandel. Eine fantastische Zeit für Sensationsjournalisten und Menschen, die sich in Kriegszeiten lebendig fühlen, weil sie sich nach der Klarheit von Konfrontation, Abgrenzung und dem Gegensatz von Gut und Böse sehnen.

So demonstriert man dem Westen, dass man nicht vor dem Einsatz nuklearer Waffen zurückschreckt: man lässt seine Soldaten Tschernobyl besetzen. Keine Angst vor radioaktiver Verseuchung und Strahlentod. 

Und...ach ja...da ist ja noch Corona. Karl Lauterbach warnt vor zu frühen Lockerungen. Die Sache mit dem Sack Reis im Land der UN-thaltsamen.

Die Auseinandersetzung der Systeme - auch eine Schlacht der Kriegsformen. Wirtschaftskrieg gegen Militär, mit unklarem Ausgang.

 

Gestern

Putins historische Herleitungen teilen der Welt - insbesondere den USA - mit, dass er nicht in Generationen, sondern in Jahrhunderten denkt. Hört her, nicht nur China denkt in historischen Dimensionen, in denen die Lebensspanne des Menschen ein Vogelschiss ist. Darum, nicht um historische Richtigkeit, geht es in seiner Rederei. Ein der Vergreisung naher Putentat, der die Senilität und damit sich selbst für ihre Schwäche verachtet arbeitet an seiner Hinterlassenschaft, die darin besteht von den Friedhöfen der Geschichte ein tausendjähriges russisches Reich auferstehen zu lassen, koste es was es wolle. Die europäische Zukunft - ein zaristisches Zombiereich, dessen Errichtung mit einem Blitzkrieg ala Hitler beginnt, inklusive der Brandmarkung des militärischen Gnoms Ukraine als Aggressor, im Geiste der Ankündigung: ab 5 Uhr wird zurückgeschossen. 

Der zweite Grund für die Rückbesinnung auf die Zarenzeit ist die Ankündigung der Rückkehr in ein vordemokratisches Zeitalter. 

Der nächste Schritt wird sein, eine unmittelbare Aggression der NATO zu behaupten. Es ist naiv, davon auszugehen, dass die NATO darüber bestimmt ab wann sie unmittelbar an diesem Krieg beteiligt. Man wird eine Aggression des Baltikums gegen Russland behaupten. 

`Der Krieg wird dann ärgerlich wenn der Gegner sich wehrt.`(so ein Bundeswehrgeneral a.D. bei phoenix). Jeder Eroberer möchte Frieden - durch Kapitulation, unter Vermeidung eigener Verluste. Alternative: ein Atomschlag, der - wenn man Sigmar Gabriel glaubt - unter Militärs als das erste, nicht als das letzte taktische Mittel gesehen wird. 

Der nächste schwere Schlag gegen Putin: Schalke streicht die Gazprom-Werbung von seinen Trikots. So wirkungsvoll wie die anderen Sanktionen. 

Selbst die AfD erkennt, dass mit einem Pro-Putin Kurs Stimmenverluste verbunden wären und verurteilt den Angriff auf die Ukraine. 

 

Gestern

Staaten. Dass uns immer noch nichts Besseres eingefallen ist als das Schlimmste.

Markus Lanz und seine Gäste empören sich - mit einer Ausnahme - darüber, dass Putin lügt. Bigottes Erstaunen darüber, dass eine Großmacht sich wie eine Großmacht verhält. Lügen, wenn es zweckmäßig ist, ist kein Alleinstellungsmerkmal von Autokratien. Umgekehrt sind nicht alle Aussagen von Autokraten erstunken und erlogen, nur weil den Demokraten ihr Inhalt nicht passt. So ist es nicht unwahr, dass nicht nur Russland, sondern auch die Ukraine sich mit dem Einhalten des Minsker Abkommens nicht übermäßig aufhalten. Es ist auch nicht unwahr, dass die Ukraine mitnichten homogen ist was ihr Bestreben gen Westen betrifft. Ausnahme in der Runde bei Markus Lanz war Gabriele Krone-Schmalz, die sich nicht mit der Frage nach Putins moralischem und geistigem Zustand aufhielt, sondern schlicht die Frage stellte, wie man intelligent mit der Situation umgehen kann um Krieg zu vermeiden und Schaden von Europa abzuwenden. Ihre Weigerung in den Tenor der Dämonisierung Putins einzustimmen brachte ihr prompt den Vorwurf der Putinfreundlichkeit ein, derzeit ein anderes Wort für Westbeschmutzer.

Wer Wert auf eine differenzierte Betrachtung des komplizierten Verhältnisses zwischen Russland und Deutschland im Allgemeinen und Putin und den Deutschen im Speziellen Wert legt wird fündig in der ZDF-Zeit-Dokumentation `Putin und die Deutschen`. Dass die Autoren ihn süffisant als `Scheinriesen` darstellen sei gestattet (da Humor in ernsten Zeiten Mangelware ist, sind satirische Seitenhiebe willkommen), wertvoll wird der Beitrag unter anderem durch Interviews mit Putin-Anhängern unter den Oligarchen, die davon überzeugt sind, dass die Zukunft Europas nach einer Phase der Demokratie genannten Schwäche einer konservativ-christliche Autokratie sei. Putin ist in Russland keineswegs alleine in einer historisch-politischen Parallelwelt unterwegs - und er hat schon seit Jahrzehnten durch die Anhäufung von Devisen und durch Insourcing von Produktion gegen die Wirkung von Sanktionen vorgebeugt (der größte europäische Hersteller von Milchprodukten ist ein russisches Unternehmen, dessen Wachstum mit Hilfe deutscher Ingenieure zustande kam). Es wird sich herausstellen wem die Sanktionen mehr schaden: der leidensbereiten russischen Bevölkerung oder den westlichen Gesellschaften.  

 

Gestern

Ein Beitrag bei der ARD befasst sich mit den Motiven der Impfgegner, die gleichgesetzt werden mit den Gegnern der Impfpflicht. Penetrant bedient der Regisseur ein Klischee: dass die Demonstranten mitmarschieren mit Rechtsradikalen. Das ist etwa so, als werfe man dem Parlament vor, dass in seinen Reihen Rechtsradikale sitzen. Es sind die Rechtsradikalen, die Trittbrettfahrer der Demonstranten sind, nicht umgekehrt. Beiträge wie diese instrumentalisieren Rechtradikale, um Kritiker der Corona-Politik zu verunglimpfen, die als Wirrköpfe, Naivlinge, Esoteriker und Schamanen skizziert werden. 

Welch beeindruckende Sanktion! Eine Pipeline, die noch kein Gas befördert, wird nicht in Betrieb genommen. Weniger eine Sanktion als die willkommene Beseitigung eines Zankapfels zwischen den Bündnispartnern. Der deutsche Wirtschaftsminister bereitet derweil die Bevölkerung auf weiter steigende Energiepreise vor. Die Sanktionspolitik der EU wird an die Piraten bei Asterix erinnern, die sich aus Furcht vor einem Angriff selbst versenken. 

Das wird schlimm für Russland. Boris Johnson fordert, dass Russland nicht das Champions League Finale austragen darf. Furchterregend. Eine der Sanktiönchen, auf die der russische Botschafter in Schweden scheißt. 

Wenn man dem Tod nahe ist und Macht hat: warum sollte man anderen Menschen gönnen, dass sie weiter leben? Außerdem: wer die erste Atombombe wirft gewinnt. 

Die gestrige phönix-Runde bot einen Vorgeschmack auf Kommendes. Repräsentativ für Positionen, Vorgehen und Aggressivität der erst am Beginn stehenden Auseinandersetzung zwischen Nuklearmächten bezichtigten sich Vladislav Belov vom Zentrum für Deutschlandstudien am Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau und Christoph von Marschall vom Tagesspiegel fortgesetzt der Lüge - getreu dem Motto das Erste was im Krieg stirbt ist die Wahrheit. Beide warfen sich gegenseitig mehr oder minder unverhohlen die Vorbereitung nuklearer Angriffe vor. Als jemand, der in der Zeit des Kalten Krieges aufwuchs ist es besonders erschreckend feststellen zu müssen, wie wenig Zeit vom Konstatieren einer gefährlichen Situation bis zu nuklearen Drohgebärden verging. Wohlgemerkt - man steht grade mal am Anfang einer Konfrontation mit dem Putinzial die Welt in Brand zu setzen.  

Immer siehst Du alles negativ, möppert die Milliardengemeinde der Leser, und liefert das Argument gleich mit. Die Sanktionen, mit denen wir uns selbst schaden befördern die Energiewende. Und außerdem werden die steigenden Preise dazu führen, dass der CO2-Verbrauch sinkt. Das ist wichtiger als ein paar Millionen Menschen die frieren. So ist das also. Die Grünen sind Urheber der Ukraine-Krise. 

 

Gestern

Chinas Außenminister warnt dezent Russland vor einem Einmarsch in die Ukraine. Damit sagt er durch die Blume: zu allen anderen Mitteln (Cyberattacken und Drohungsszenarien) darf man greifen. China hat kein Interesse an einem heißen Krieg in Europa, der die Reihen der demokratischen Staaten schließt und zugleich die Kaufkraft der NATO-Staaten schwächt, deren wichtigster Absatzmarkt China ist. Eine Aufrechterhaltung der Drohkulisse, mit der sich der Westen langfristig befassen muss dürfte durchaus im Interesse Chinas liegen, da sich damit der Fokus der politischen Aufmerksamkeit verschiebt, der bislang auf China liegt. Zudem konterkariert Putins Vorgehen Chinas langfristige Strategie, die darauf zielt, die demokratischen Systeme durch die Demonstration ökonomischer Überlegenheit zu erodieren. China setzt auf die schleichende Implosion der demokratischen Systeme, nicht auf deren militärische Bekämpfung. 

Putins Rede und Handeln offenbart die Naivität des Verfassers dieser Zeilen, die er mit Sarah Wagenknecht teilt: es geht Putins Russland nicht um ein Stoppschild für die NATO, sondern um Revision. Diese Utopie einer postsowjetischen Großmacht, die direkt an NATO-Staaten grenzt soll über Putins Regentschaft hinaus wirken. Der Kampfschlumpf stellt die Weichen für die Zeit nach Putin. Die Anerkennung der Separatistengebiete als eigenständige Staaten schafft Fakten, auf denen seine Nachfolger aufbauen sollen. Beunruhigender als das Vorgehen Putins ist die Perspektive auf die Entwicklung nach Putin. 

Passend zur geostrategischen Lage erwerbe ich eine Avocado der Marke `Hass`. 

Was ist schon der Tod? Das Ende einer Wechselwirkung. 

 

Gestern

`Oslo. Stockholm. Palermo. Madrid. Hier. Ist man wirklich an all diesen Orten gewesen, oder hat man nur die Aufschrift auf einem T-Shirt gelesen, die auf eine populäre Fernsehserie verweist? Verwaist. Zu allem Überfluss wurde die Wohnung überschwemmt. Man erwacht aus dem Traum von einer Flutkatastrophe auf einem Bett, das ein Floß inmitten von Treibgut ist. Die Aufzeichnungen sind unleserlich. Abgetriebene Erinnerungen, man weiß nicht wie es weitergeht. Reminiszenzen in Pfützen. Ein Gefühl weltmeerumspannenden Bedauerns. Das Bedauern eines Despoten der Abschied nehmen muss und einen roten Knopf drückt. Man kann gar nicht so schnell lesen wie die Eskalations-App neue Hiobsbotschaften und Kriegserklärungen ausspuckt. Knopf. Sprengkopf. Über unsere Köpfe hinweg spuren Marschflugkörper, so weit weg wie die Sphären in denen man unser Schicksal besiegelt. Jahrzehntelang fütterte man die Illusion, das alles ginge uns wenig an, sei weit weg, in Regionen dieser Welt, die weiter entfernt sind als das Jenseits. Das Wiegenlied der Selbstverwirklichung und der Eigenoptimierung stimmte uns autopoetisch. Dabei hatte Eich recht: Alles was geschieht geht Dich an. All unsere toxischen Beziehungen, unsere Haarspaltereien und Eifersüchteleien sind nicht bedeutungslos, sondern Menetekel. Epiphanien der von Menschen angezettelten Weltenbrände, die im Handumdrehen auch die Zitronenbäume Siziliens erreichen. Jeder Mensch ein Kristall, in dem sich der gesamte Scherbenhaufen spiegelt. Jetzt, da es zu spät ist, lernt man den Verflossenen alles zu verzeihen.` 

Im Jahr 1 der Pandemie fragte man sich - wohin kann man fliehen? Kaum hat man sich darin eingerichtet, dass keine noch so weite Fernreise zu einem Fluchtpunkt führt (Katastrophenhelfer bringen das Virus zu jungfräulichen Populationen) und verharrt an Ort und Stelle im Schlagschatten von Testzentren, die jede Innenstadt in einen District 9 verwandelt, steht ein Krieg vor der eigenen Haustür. Was werden wir wohl tun, bis die Feedbackschleifen aus Rache und Vergeltung das nukleare Niveau erreichen? Es wird uns erwischen während wie Serien schauen oder an Videokonferenzen teilnehmen, während wir uns auf virtuellen Elternsprechtagen über die 4- unseres Wunderkindes beschweren oder Karneval feiern, während wir auf einer Intensivstation an der ECMO liegen oder im Stadion eine Partie Bayern München gegen St. Petersburg verfolgen. Man warnt uns nicht vor, da es sinnlos wäre. Wir erlöschen in einem Moment der (neuen) Normalität. 

 

Gestern

`Wie Du es drehst und wendest und trotz Deiner Schuldgefühle: Du kommst nicht dahinter inwiefern Du die Ursache für die Kettenreaktion von Katastrophen sein könntest, die sich ereignen und - schlimmere - die noch bevorstehen. Deine Beziehungsunfähigkeit als Ursprung für die sprunghaften Anstiege von Temperatur und Meeresspiegel, für die radioaktive Strahlung und die galoppierende Inflation zu erachten wäre destruktive Hybris. Dennoch behandelt man Dich so. Du findest es angemessen, dass man Dir bei jeder Gelegenheit wortlos zu verstehen gibt, dass Du unerwünscht bist. Das wolltest Du doch: inmitten Deiner Traumlandschaft Außenstehende zu sein. Selbst beim schlimmen Schwimmen von Berührungen der Medusen verschont, lauter kleine Atompilze, die einen Bogen um Dich schlagen.`

Die Antwort auf eine russische Aggression - so Rolf Mützenich heute in der WAZ -  wird `nicht nur Russland treffen, sondern die Weltwirtschaft`. Klingt weit weg, als würde es uns nicht betreffen. So formulieren Politiker Entwicklungen, die für die Meisten (mitnichten für alle) existenziell bedrohliche Konsequenzen zeitigen. Wir werden uns in zu Atombunkern umfunktionierten Parkhäusern noch nach der derzeitigen Inflationsrate und den aktuellen Lebensmittelpreisen zurücksehnen. 

Solange die olympischen Spiele laufen herrscht Ruhe. Bei Bet and Win sollte man auf kommenden Montag tippen. 

  

Gestern

Lügen haben zu Unrecht einen schlechten Ruf, denn: `Oft lügen wir aus sozialen oder egoistischen Gründen - aus Höflichkeit, Bescheidenheit, Angst, Unsicherheit oder um besser dazustehen. Lügen können daher auch einen positiven Effekt haben: Sie können sehr oft Gewalt und Eskalationen vermeiden.`  Der Umstand, dass Lügen eher die Ausnahme als die Regel in der Kommunikation sind (Studien zu Folge lügt der Mensch bis zu 200 Mal pro Tag, Studien zur Frage, Studien, die sich mit der Frage befassen wie oft der Mensch die Wahrheit sagt scheint es nicht zu geben) spricht für das erhebliche Potenzial der gezielt platzierten Unwahrheit als Stabilisator sozialer und politischer Beziehungen. Vor diesem Hintergrund kann man nur hoffen, dass Putin und Blinken flunkern. Blinken, wenn er einem drohenden Weltkrieg das Wort redet, Putin, wenn er den Anschein einer unmittelbar bevorstehenden Invasion der Ukraine erweckt, den er durch seine Dementis eher verstärkt als abschwächt. In einer optimistischen Deutung sind sich die USA und Russland darüber einig, dass sie das Kriegsszenario aus innenpolitischen Gründen dringend benötigen - die amerikanische Regierung, um die tiefe Spaltung der Bevölkerung zu kitten, bevor ein Kipppunkt des demokratischen Systems erreicht ist, die russische Regierung, bevor umgekehrt der demokratische Virus, der sich in den Nachbarländern ausbreitet, auch die eigene Bevölkerung infiziert. Schachspieler wissen: Die Drohung ist stärker als die Ausführung. Beide Seiten haben ein Interesse an der Verstetigung der Bedrohung, um langfristig ihre Bevölkerungen hinter sich zu versammeln. Leider ist der Verfasser kein Optimist: der Pessimist befürchtet, dass beide Seiten Krieg führen wollen um die globalen Machtverhältnisse zwischen autokratischen und demokratischen Systemen noch zu Lebzeiten ihrer vergreisten Oberkommandeure zu klären. 

Eine Imagekampagne könnte auch das Corona-Virus vertragen. Immerhin beschleunigt er die Fortschritte in der Digitalisierung, fördert die Medikamenteentwicklung und das hygienische Bewusstsein und eröffnet zahlreiche Karrieremöglichkeiten für Aktivisten und Gesundheitsapostel. 

In seiner Eröffnungsrede zur Münchener Sicherheitskonferenz konstatiert Wolfgang Ischinger launig, da die globalen Krisen dieser Zeit menschengemacht sind können sie auch von Menschen gelöst werden. Präzise müsste es heißen: die selben Menschen, die die Krisen machen können sie auch lösen. Den Bock zum Gärtner machen als Basis der globalen Sicherheitsarchitektur? Das ist so, als erwarte man von Brandstiftern Feuer zu löschen - mit Löschwagen voller Öl. 

Ein raffiniertes Schauspiel lieferte der gedopete Teeniestar Kamila Walejewa auf dem Pekinger Eis. Ihre Sturzkaskade und ihr Absturz aus den Medaillenrängen garantierte, dass es zu einer regulären Medaillenvergabe kam inklusive einer Gold- und Silbermedaille für zwei kalte Eiskriegerinnen aus Russland. Wäre Walejewa in die Medaillenränge gesprungen, wäre es nicht zu einer Siegerehrung gekommen. Dem Jahrhunderttalent dürfte die glaubwürdige Präsentation ihrer Sturzparade schwerer gefallen sein als ein Vierfachaxel. 

Ach, Frau Baerboeck: `130 Soldaten an der ukrainischen Grenze sind schwer nicht als Bedrohung zu sehen.` Ist der Rückzug von 129870 Soldaten immer noch nicht genug?

Aus welchem Grund kleben böse alte Männer an der Macht? Es existiert kein Gott an dem sie sich für ihre Hinfälligkeit und ihr näher rückendes  Dahinscheiden rächen können. Also rächen sie sich mit Macht an der Menschheit. 

 

Gestern

Dies sei, so ließ Olaf Scholz bei der Pressekonferenz nach der gestrigen MPK verlauten, ein besonderer Tag. Das Besondere an diesem Tag sei die Verkündung von Lockerungen in drei Stufen bis zum 19. März. Frau Giffey blieb es vorbehalten festzustellen, es falle in die Befugnis der Länder zu entscheiden, welche Maßnahmen auch nach dem Auslaufen des Infektionsschutzgesetz für erforderlich geachtet werden. Einig ist man sich in der MPK `dass wir einen Basisschutz brauchen, um die Öffnungen abzusichern`. (Hendrik Wüst). Ebenso wenig wie der Ermessensspielraum der Länder wird präzisiert, worin der Basisschutz besteht - in jedem Fall beinhaltet er Maskenpflicht, Hygieneregeln, Tests und Abstandsregeln. Aha. Das Besondere des Tages besteht somit darin, dass die `Aufhebung tiefgreifender Freiheitsbeschränkungen` faktisch in einer weitgehenden Beibehaltung des Status Quo über den 19. März hinaus besteht. Nach wie vor ist die MPK kein Entscheidungsgremium, bleibt der Beschluss und die Durchführung von Corona-Maßnahmen Ländersache und bleibt der Instrumentenkasten der selbe. Alles wie gehabt. Was als `Lockerung` verkauft wird ist die weitgehende Fortschreibung der bisherigen Maßnahmen mit minimalen Erleichterungen für Handel und Gastronomie. Dementsprechend gut gelaunt präsentiert sich der Gesundheitsminister bei Sandra Maischberger.

Nein, es heißt nicht UNSICHERHEITSRAT, sondern UN-SICHERHEITSRAT.

Man ist schon für Kleinigkeiten dankbar. Tatsächlich begründete in der heutigen Debatte im Bundestag zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht eine Rednerin der SPD in begrüßenswerter Klarheit diese Maßnahme mit den längeren und häufigeren krankheitsbedingten Ausfällen von Ungeimpften. So wird ein Schuh daraus - der Schutz der vulnerablen Gruppen erfordert eine intakte Personaldecke. Wie stichhaltig diese Begründung ist wird die Praxis zeigen. Gegen die Gewährleistung der Beschäftigungsfähigkeit steht die Gefahr eines Berufswechsels der Ungeimpften. Befürworter der einrichtungsbezogenen Impfpflicht verweisen auf Erfahrungen in anderen Ländern, die keinen nennenswerten Verlust an Pflegekräften beklagen. Doch für diese Bewertung ist es schlicht zu früh: Beschäftigte werden nicht ad hoc, sondern poe a poe die Pflege verlassen. 

Egomanen, Egoisten, korrupte Bastarde in der Politik: sie sind zu verachten. Doch immerhin sind sie bedacht auf ihren persönlichen Vorteil in der Spanne ihres Lebens. Gefährlicher sind diejenigen, die in Generationen denken und denen das Schicksal derer die jetzt leben gleichgültig ist - inklusive ihres eigenen. Sie würden Millionen opfern für ihr Konzept davon was danach kommt. Belarus droht, Atomwaffen zu stationieren in unmittelbarer Nachbarschaft zur EU. Niemand gebe sich der Illusion hin, man sei nicht bereit sie einzusetzen. 

 

Gestern

Unzähligen Lesern dieser Kolumnen fällt auf, dass der Verfasser nicht mehr sauber zitiert, nicht mehr jede Talkshow kommentiert, nicht mehr der Übertragung jeder Bundespressekonferenz und Bundestagssitzung beiwohnt. Er nimmt auf Raten Abschied vom Schaulaufen der immer gleichen Welterklärer. Es ist attraktiver tagsüber zu schlafen um nachts Schlangenlinien auf makellosen Schneepisten zu folgen und sich dem hypnotischen Sog der Kreise hinzugeben, in die schottischer Marmor hineingebrüllt und geputzt wird. 

Welch ein Schauspiel bieten Russland und der Westen dem nicht nur wegen Long COVID atemlosen Publikum: erst werden Kriegsgefahren heraufbeschworen um dann die Wichtigkeit der eigenen Person und Organisationen dadurch hervorzuheben, dass man sich als Retter in der selbst herbeigeführten Not inszeniert. 

Der Staat - das sind wir. Wird gerne betont, wenn es darum geht zu erläutern, wieso Verantwortung und Freiheit zusammengehören. Hineingeboren in diesen Staat fragt man sich: meine Eltern - das bin ich? Das `Wir` im Zusammenhang mit Freiheit zu denken fällt schwer, wenn man sich die Zugehörigkeit nicht ausgesucht hat. 

Man sollte trennen zwischen der Funktion eines Staates und den Narrativen des Zusammenhalts, zwischen der hardware der Institutionen und der software der öffentlichen Meinung. In Krisensituationen schärfen sich die Widersprüche zwischen dem narrativen Kitt der Gesellschaft, der den Staat als fürsorglichen Schutzengel der Bevölkerung darstellt und seiner Funktion als selbst erhaltendes Ordnungssystem, dessen Herrschaft der Einzelne unterworfen ist. In der Pandemie ist der Staatsbürger sowohl auf sich zurückgeworfen, als auch reglementiert. Obschon vereinsamt und von anderen getrennt soll er sich wie alle anderen konform verhalten. Die diskreten Einheiten namens Mensch sollen sich in Massen indiskret (unterschiedslos) verhalten. In der Physik nennt man einen derartigen Aggregatszustand, in dem ein System von Teilchen sich verhält wie ein einziges Teilchen Einstein-Bose-Kondensat. Die Politik nennt dies derzeit Solidarität und empört sich über die zu erwartenden Ausaperungen an den Rändern. Empörend (grade angesichts der sich heute jährenden Tat in Hanau) ja - verwunderlich nein. 

Dem Konformitätsdruck in der Krise entspricht die Klage, widersprüchliche Aussagen und Handlungen von Politikern und Mandatsträgern zerstören das Vertrauen in die Demokratie, so als seien es eben nicht Meinungspluralismus und Dialektik, die demokratische Substanz und demokratischer Prozess sind. Ebenso wenig dürfte es sich beim Verhältnis zwischen Bevölkerung und Regierung primär um ein Vertrauensverhältnis handeln. Man erkennt die Existenz des Staates, seiner Institutionen und deren Machtmonopol an, das heißt jedoch nicht, dass man mit ihnen die positiven Charaktereigenschaften verbindet, die ein Vertrauensverhältnis zwischen Personen begründen (wie Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Integrität). Staat und Regierung sind eben keine Person: beurteilt wird deren Tun und Unterlassen pragmatisch gemäß einer Abwägung des Nutzens und Schadens seines Agierens in Bezug auf die eigene Lebenssituation und -perspektiven.  

 

Gestern

Es ist kein Staat zu machen ohne Steuern. Da nimmt es nicht Wunder, wenn das Profitstreben von Pharmakonzernen und die damit verbundene Blockade der Herausgabe von Patenten von staatlicher Seite gerechtfertigt werden was das Zeug hält. Die Frage der Amnesty International Vertreterin Rajat Khosla `Wie viele Varianten müssen wir noch durchleben, bis reiche Länder und Pharmaunternehmen realisieren, dass Menschen in ärmeren Ländern Zugang zu Impfstoff haben müssen?` lässt sich folglich einfach beantworten: es kann gar nicht genug Varianten geben damit weiter Profite und Steuergelder fließen. Nicht die Heilung verspricht sprudelnde Einnahmen, sondern lebenslanges Impfen in zahlungskräftigen Volkswirtschaften.  

 

Gestern

Er ist wieder da! Karl Lauterbach tritt bei Anne Will endlich wieder als Menetekel auf. `Das Virus macht die Welt dauerhaft ein bisschen schlechter. Davon auszugehen, aus Corona werde in kürzer Zeit eine Art Schnupfen ist naiv. Das wird vielleicht in 50 Jahren der Fall sein.` Eine düstere und zugleich klare Prognose, die zumindest erklärt, warum der Gesundheitsminister hinter der Impfpflicht her ist wie der Teufel hinter der armen Seele. Behält er Recht, werden Generationen heranwachsen, für die Nachrichtensendungen ohne Verkündung der aktuellen Infektionszahlen ebenso unvorstellbar sind, wie ein geteiltes Deutschland, die Welt vor dem Internet, Kopfrechnen, die Verwendung von Faustkeilen oder demokratische Rechte. Die Lebenserwartung steigt in in zunehmend kranken Gesellschaften. 

Kreative Lösungen aus der Folterkammer: in Neuseeland beschallt man Teilnehmer an illegalen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen mittels Dauerbeschallung durch `Macarena`. Behält Karl Lauterbach Recht sollte man auf Dauer über Corona-Umerziehungslager und die Zwangssterilisierung von Impfgegnern nachdenken.

Zu den Aufgaben des alten und neuen Bundespräsidenten soll - so die Meinung eines Kommentators bei den Tagesthemen - gehören, die Menschen auf die Zumutungen vorzubereiten, die mit der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels einhergehen. Welche das sind lässt die Inflation erahnen: Verstärkung ökonomischer Gegensätze und das Bestreben staatlicher Organisationen, geopolitische Horrorszenarien zu produzieren, die innenpolitische Spannungen ventilieren. 

Besorgt äußern sich die Vertreter der Münchener Sicherheitskonferenz über das Gefühl der anerlernten Hilflosigkeit gegenüber globalen Krisen in demokratischen Ländern. Ergebnissen einer Umfrage zu Folge empfinden 50% der Befragten ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber globalen Ereignissen. Verblüffend an diesen Ergebnissen ist vor allem der Größenwahn der restlichen 50%.

 

Gestern

`Drei Uhr morgens. Die Übertragung von den olympischen Winterspielen beginnt. Die letzten Spuren Deiner Freiheit, das Betrachten hellichten Tages am anderen Ende der Welt. Fernsehbilder von Akrobaten im gleißenden Blauweiß aus Kunstschnee und polarisiertem Licht, das himmelblau über die Bodenlosigkeit des Abgrundes hinwegtäuscht, den man Universum nennt, ein narzisstisches Universum, das Beobachter hervorbringt um sich selbst gespiegelt zu sehen. Der Fernseher als Licht am Ende eines Tunnels, den man nicht lebend erreicht. Die Hoffnung das sei das Leben nach dem Tod, der körperlose Blick auf ein fernes Geschehens namens Curling. Wäre da nicht das wohlvertraute Brummen der Drohnen, die dem Publikum an den Bildschirmen von oben herab beeindruckende Bilder von der unschuldigen Schönheit des Wettbewerbs liefern.`

Aller schlimmen Dinge sind drei. Fügen wir also der Pandemie und der Klimakatastrophe noch einen Weltkrieg hinzu. Es ist eine perfekte Zeit für geostrategische Risikospiele, jetzt, da die Menschen so damit beschäftigt sind sich selbst zu schützen, dass ihre Regenten schalten und walten können wie sie möchten. Selbst die KolumnistInnen des Spiegels resignieren: `Die Zahl der sichtbaren und verständlichen Katastrophen überfordert den Verstand bereits. Sie stumpfen ab, die Desaster, die menschengemacht sind, und außer zu hoffen bleibt dem Einzelnen wenig zu tun.` (Sybille Berg, `Wenn man dem Wahnsinn nur noch mit Phlegma begegnen mag.` SPON, 12.02.2022), oder auch: `Neu für mich ist der Zustand der inneren Endemie. (...) eine Mischung aus Egalheit, Rücksichtslosigkeit und Resignation.`(Sascha Lobo, `Angekommen in  der inneren Endemie`, SPON, 09.02.2022). Wie viel ist Presse-und Meinungsfreiheit noch wert, wenn sie sich nur noch als Resignation und Rückzug ins Innere äußern kann?

 

Gestern

`Eine Kiste voller Comics unter dem Bett. Watchmen auf Norwegisch. Wohl deponiert von einem Vormieter zu Zeiten, da man noch nicht wusste dass dieser Ort existiert, den man von 10 Jahren erstmals besuchte. Damals, als schon der erste Aufenthalt eine Sehnsucht erfüllte, von der man nicht gewusst hatte, dass sie in einem schlummerte. Damals ahnte man nichts davon, dass die Welt so aus den Fugen gerät, obwohl es nicht an Hinweisen auf die Risse im Gebälk fehlten. Warnungen vor Pandemien. Vor Reaktionen Russlands auf die NATO-Osterweiterung. Vor den Folgen der Erderwärmung und der Vermüllung der Weltmeere. 9/11 galt als Singularität. `Watchmen` bot trotz des dystopischen Inhalts im Grunde eine naive, optimistische Perspektive. Eine globale Bedrohung eint die Menschheit zu gemeinsam Handeln. Das Gegenteil ist der Fall. Die drohende Apokalypse verführt dazu, mit aller Macht kurzfristige Vorteile zu erzielen. Nach uns die Sintflut lautet das Motto, nicht etwa Mauern zu Dämmen.`

 

Gestern

Mit stoischer Beharrlichkeit halten auch die Gäste bei Maybrit Illner daran fest, Ziel der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sei der Schutz vulnerabler Gruppen. Die Moderatorin stellt die naheliegende Frage ob dieses Argument stichhaltig sei wenn auch die Geimpften die Infektion weiterreichen wie heiße Kartoffeln an einer gutbürgerlichen Tafel. Die Antwort: es geht um den Schutz der vulnerablen Gruppen so als ersetze die Wiederholung einer Behauptung eine fundierte Begründung. Die Moderatorin hakt nicht nach als sei es ihr nur darum gegangen ihre Fähigkeit zum kritischen Nachfragen unter Beweis zu stellen. Damit begnügt sie sich. Sie will ja ihre Gäste nicht in Verlegenheit bringen.

Ein seltsames Verständnis des `milderen Mittels` im Sinne der Verfassung offenbart Justizminister Wiese. Gegenüber einer Impfpflicht ab 18 sei die Impfpflicht ab 50 das mildere Mittel. Heißt also: fokussiert man Lasten auf eine Minderheit, statt Lasten zu verteilen ist dies das mildere Mittel. Das ist etwa so als verteile man ein Gewicht auf 10, statt auf 100 Personen weil es dann ja weniger zu tragen haben. 

 

Gestern

Nathan Chens Eiskunstlaufkür zu Gold inspiriert den Verfasser zum Nachdenken darüber, welches Lied zu seiner Beerdigung gespielt werden soll.  

Was bislang lockdowns und Kontaktbeschränkungen leisten - die Einschränkungen sozialer, kultureller und sportlicher Aktivitäten, die dem zerrinnenden Leben eine Illusion von Sinn verliehen - leisten nun direkt die Infektionen. Kletterpartner? Positiv getestet. Stammkneipe? Krankheitsbedingt geschlossen. Selbst zum Arzt zu gehen avanciert zur Tour de Farce. Angstschlotternde Assistenten fordern einen vor der Untersuchung auf, einen PCR-Test vorzunehmen, auf dessen Ergebnisse man bis zu 10 Tagen wartet. Andere weniger angstbesetzte Praxen und die Ambulanzen der Krankenhäuser sind hoffnungslos überlaufen, weil Hinz und Kunz mit ihren Schnupfen und Hypochondrien dort antanzen, wo man sie nicht abweist und wo sie sich im Gedränge auf den Gängen anstecken. Jedes Symptom dass man schildert lässt das Personal in den Praxen entsetzt aufheulen: das ist bestimmt Corona. Unterlassene Hilfeleistung gerät zur Routine in den Ärztehäusern. Unterdessen feiert man in Schweden und Finnland die Aufhebung der Corona-Maßnahmen, da man einsieht dass es ein vergebliches Unterfangen ist mit Wasserpistolen Flächenbrände zu löschen. Dann lieber Partylaune beim Russischen Infektionsroulette. 

Politikwissenschaftler Doktor Wolfgang Merkel bezeichnet die Impfpflicht als Jahrzehntlüge. Weiß der Mann etwa wie lange sie gilt?

Die Impfpflicht: man will sie durchsetzen um die Fähigkeit der Durchsetzung zu beweisen. 

Wohin mit dem Maskenmüll? In die Meere (un)natürlich. `Chinesische Forscher sprechen von 25.000 Tonnen Corona-Müll, der bereits in die Weltmeere gelangt sei.` (Manfred Kessler, `Die Maske wird zum Müllproblem`, zdfheute, 10.02.2022). Demnächst also Fische mit Maske. Wie wirkt sich eigentlich ein respiratorisches Virus bei Kiemenatmern aus? 

 

Gestern

So monströs einem die monolithische Dominanz des Themas Pandemie erscheinen mochte - ihr Vorzug war die Überschaubarkeit der Welt. Alles drehte sich um die Pandemie wie Planeten um einen Fixstern. Die Gefahrenlage war eindeutig, Komplexität reduziert, der Schwerpunkt das Daseins eindeutig, das Leben konzentriert auf ein sujet. Nun jedoch verwässert das Horrorszenario, das unser Leben strukturierte, durch die Interferenz mit anderen Horrorszenarien. Klarheit weicht Diffusion, erzeugt einen Nebel im Kopf, Pimps-Betroffenen als Brainfog bekannt. 

Der gesellschaftliche Pandemieautismus, der Gesellschaften in kollektive Nabelschau stürzte garantiert ideale Bedingungen um Konflikte vom Zaun zu brechen. Putin nutzt die Schwäche des mit dem Pandemiemanagement überforderten Westens und sucht im Schulterschluss mit China die Konfrontation. Die Reaktion des Westens besteht unter anderem darin, für Russland schmerzhafte Sanktionen verhängen zu wollen, auch wenn dies zu Einschränkungen auch für das eigene Lager sorgt. Kevin Kühnert weist von sich, die SPD tue sich schwer mit dem Verzicht auf Northstream2. Ob die SPD sich schwer tue sei dahingestellt - wer sich damit schwer tuen wird ist die Bevölkerung. Offenbar beherzigt man in Regierungskreisen das Prinzip, man könne der eigenen Bevölkerung am meisten zumuten, wenn diese sowieso schon überlastet ist - frei noch dem Motto: ein Geschwollener kann alles essen.

Bilder von der Intensivstation: Außerirdische auf Seziertischen.

 

Gestern

Man schämt sich etwas, wenn ausgerechnet Österreich mit seiner Bernhardschen Holzfällerpolitik als Vorbild für das deutsche Corona-Management herangezogen wird wie etwa gestern von Markus Blume (CSU) bei `Hart aber fair`. Bei all den Plädoyers insbesondere für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht würde man sich wünschen, dass man einmal diejenigen nach ihrer Meinung fragt, die man durch diese Impfpflicht zu schützen behauptet. So wie zu Beginn der Pandemie, als man sie zu Tode schützte, fragt man sie auch jetzt nicht, ob sie in dieser Weise - durch Verschärfung des Personalnotstands - umsorgt werden wollen. Man verweigert den Älteren auf diese Weise jedwede Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen in Angelegenheiten, die direkt ihre Lebensführung und Lebensqualität betreffen. Diese Ignoranz ist Ausdruck von Entmündigung und Altersdiskriminierung in einer Gesellschaft, die sich gelegentlich brüstet eine Werte- und Solidargemeinschaft zu sein. 

Will man die Corona-Maßnahmen verlängern, kann es hilfreich sein die Zielsetzung zu verschieben. Genügt der Anteil der COVID-Patienten auf den Intensivstationen nicht aus um die Fortsetzung der Grundrechtsbeschränkungen zu rechtfertigen zieht man als nächste Zielgruppe diejenigen heran, deren Behandlungen verzögert werden. Mal sehen welche Argumente herangezogen werden wenn auch das nicht ausreicht.

Gespannt sein darf man auch, ob man sich in Deutschland für den dänischen Weg entscheidet, wenn man vergleichbare Impfquoten erreicht. Kaum vorstellbar, denn: `Wir sind anders` (Karl Lauterbach).

Bei all diesen Katastrophen und Krisen verliert man die wichtigen Skandale gelegentlich aus den Augen: zum Beispiel die Posse um die Anzüge der SkispringerInnen bei den Olympischen Spielen. 

Eine Welle von Zuversicht überkam den Passanten, als er in einem Schaufenster die Aufschrift `Allgemeinverführung` las. Auf den Boden der Tatsachen zurück brachte ihn die Zusicherung `Wir kennen unsere Masken!` auf einem Werbedisplay. In der realen Welt hätte er weder für ersteres, noch für letzteres einen Grund. Dort heißt es `Allgemeinverfügung` und `Wir kennen unsere Marken.` 

 

Gestern

Etwas stimmt nicht mit ihm. Er findet Gefallen am Eiskunstlauf.

Wie die WAZ heute zu berichten weiß sprechen sich diverse Literaturnobelpreisträger für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine aus (Bob Dylan gehört nicht dazu). Den geopolitischen Ansichten prämierter Erzähler besonderes Gewicht einzuräumen ist etwa so, als hebe man literarische Qualitätsurteile von Diktatoren hervor. Möglicherweise ist derzeit soviel von Narrativen die Rede, dass Redaktionen Märchenerzähler für militärische Experten halten. 

Man hätte es nicht für möglich gehalten, dass unsere Spezies parallel zur Pandemie und Erderwärmung imstande ist eine Bedrohung heraufzubeschwören, die den Katastrophenszenarien noch eins draufsetzt. Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, und Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum sind sich darin einig, die deutsche Politik insbesondere und die deutsche Gesellschaft im Allgemeinen für ihre Abneigung gegen Waffenlieferungen in die Ukraine zu verurteilen, Waffenlieferungen vehement zu fordern und sich zudem massiv für den Beitritt der Ukraine zur NATO einzusetzen (überhaupt: was stellen die Russen sich so an, wenn die NAT0 sich osterweitert bis unmittelbar an Russlands Grenzen. Schließlich handele es sich bei der NATO nur um ein Verteidigungsbündnis - allerdings eines, das Russland derart auf die Pelle rückt, das man durchaus verstehen kann, wenn Russland sich durch diese Vorwärtsverteidigung bedrängt fühlt). Zu Melnyks martialischen Appellen, es gehe um nicht mehr und nicht weniger als um Sein oder Nichtsein der Ukraine (Literaturnobelpreisträger aufgemerkt), um Krieg oder Frieden in Europa und die deutsche Politik und Gesellschaft solle gefälligst ihre bequeme Wohlstandshaltung aufgeben, sie solle sich entscheiden ob sie für Krieg oder Frieden in Europa sein, keine Waffenlieferungen bedeuten Krieg und Waffenlieferungen Frieden(!), man könne nur für oder gegen die Ukraine sein bildete das behäbige Kamingeplaudere der gemütlichen Waffenverweigerer Bartsch und Trittin einen auffälligen Kontrast, und wirkte angesichts der Dramatik der Lage ebenso grotesk wie Melnyks Leben-und-Tod Rhetorik.

Was auch immer in Sachen Ukraine geschieht - sowohl ein Militärschlag Russlands als auch eine Isolierung Russlands vom europäischen Zahlungsverkehr und dem europäischen Markt werden die Bevölkerungen in Europa hart treffen. Das beabsichtigte Gaslieferabkommen Russlands mit China lässt erahnen, dass buchstäblich ein kalter Krieg bevorsteht, der Europa frieren lässt. Die Situation ist schon beunruhigend genug - mulmig wird einem angesichts einer Kriegsrhetorik, die zunehmend das Bemühen um diplomatische Lösungen des Konfliktes als Appeasement-Politik denunziert. Geht das so weiter werden wir in naher Zukunft gegebenenfalls ganz andere Masken tragen müssen. Zudem gewinnt man den Eindruck Entscheidungen über Krieg und Frieden werden getroffen auf Basis von küchenpsychologischen Deutungen des Verhaltens Vladimir Putins. 

In der Opposition entdecken Söder und Co. die Vernunft. Eine Aussetzung der einrichtungsbezogenen Impfung wäre angesichts der prekären Personalsituation ein besseres Mittel zum Schutz der Pflegebedürftigen, als eine Impfpflicht, die gegen die Omikron-Variante nicht hilft. Das Argument, die Impfung schütze die sogenannten vulnerablen Gruppen ist angesichts der Infektiosität der Omikron-Variante sachlich falsch, auch wenn es noch so oft wiederholt wird.

 

Gestern

`Immer noch lernst Du jeden Tag die Landessprache. Obwohl niemand mit Dir reden mag. Aber die App belohnt Dich, wenn Du die richtigen Wörter findest. Manchmal weinst Du, wenn der Algorithmus Dich lobt.` 

 

Gestern

`Welch unbegrenzter Sprachoptimismus trug einen durch Jugend und Adoleszenz. Der kam abhanden. Welchen Sinn soll eine Niederschrift haben wenn der nächste Regenfall aus Marschflugkörpern besteht und geistlose Sprengköpfe sämtliche klugen und unklugen Köpfe auslöschen?` 

Beängstigend wie ähnlich Olaf Scholz Thomas Drach sieht.

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Gestern

Die John-Hopskins-Universität steht nicht im Verdacht so unseriös zu arbeiten wie die chinesische Doping-Agentur. Dementsprechend zurückhaltend äußert sich die Kritik an den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Instituts, die zu dem Schluss gelangt: `Der Effekt der Sterblichkeit durch die harten lockdowns während der ersten Corona-Welle in den USA und Europa sei gering bis nicht vorhanden.` Außerdem hätten `lockdowns dazu beigetragen, die Wirtschaftstätigkeit zu verringern, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, politische Unruhen zu verursachen oder häusliche Gewalt zu verstärken.` (...) `Transparenz und Kommunikation, was das Virus angehe und wie man sich am besten davor schützen könne seien daher für die Menschen besonders wichtig.` (Katrin Stöver-Böhm, `Was haben die Lockdowns gebracht?` sw3, 02.02.2022). Neu sind diese Ergebnisse nicht - bereits zeitnah nach der ersten Welle kam eine Studie zu den Effekten restriktiver und nicht restriktiver Interventionen zu einem ähnlichen Ergebnis, ohne dass daraus Konsequenzen für den weiteren Kurs beim Umgang mit der Pandemie folgten. Schweden musste sich gar vor den anderen demokratischen Ländern in Europa dafür rechtfertigen etwas Ungeheuerliches zu tun, das in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich sein müsste: der Vernunft und Eigenverantwortung seiner Bürger zu vertrauen und auf Verbote und Freiheitsbeschränkungen zu verzichten. Im übrigen demokratischen Europa offenbarte sich das Misstrauen demokratisch gewählter Regierungen gegenüber dem wankelmütigen Souverän, das von einem überwiegenden Teil der Bevölkerung geteilt wurde. Darin offenbart sich eine tiefverwurzelte Skepsis der Demokratien in die Demokratie, die ein idealer Nährboden für totalitäre und rechtsreaktionäre Verführungen bildet. 

Deutschlands Innenstädte mit ihren überbordenden Hinweisen auf die bedrohliche Lage, ihren Testzentren, Zugangsbeschränkungen, Hygieneregeln und Maskenpflichten atmen den Retrocharme von Checkpoints am Todesstreifen. Das wird absehbar so bleiben. Während anderswo die Masken und Corona-Beschränkungen fallen hält Deutschland trotz unklarer Datenlage hinsichtlich der tatsächlichen Impfquote an seinen Restriktionen fest, reduziert - einmalig in Europa - die Dauer des Genesenenstatus auf drei Monate und besteht auf eine Impfpflicht, obwohl längst klar ist, dass die Impfung nicht vor Infektion und Weitergabe des Virus schützt. Deutschland und Österreich entwickeln sich zum Nordkorea der europäischen Coronapolitik. Der Rostocker Bürgermeister Madsen kennzeichnete das Vorgehen der Regierung in Sachen Corona bei Markus Lanz gestern wie folgt: `Sie zünden Kerzen der Hoffnung an die sie selbst wieder ausbläst, sobald die Menschen Hoffnung schöpfen.` Nun mag das Misstrauen deutscher Regierungen gegenüber der Unberechenbarkeit des Volkes historisch bedingt tiefer sitzen als in anderen Ländern, doch trägt die Inkonsistenz der Maßnahmen und die Politik der Furcht und des Zitterns maßgeblich zu Unruhe, Reaktanz und Wut bei. Erst schließt man die Impfpflicht aus und verspricht den Geimpften das Wiedererlangen von Freiheiten, dann wird die Impfpflicht vehement gefordert und den Geimpften sagt man Ätsch, man behauptet eine evidenzbasierte Politik zu betreiben und beschränkt gleichwohl Veranstaltungen im Freien und so weiter. Kein Wunder wenn die Politik aus Angst über den wachsenden Unmut ob des eigenen Herumdilettierens weiter versucht, eine Angstlähmung bei der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Ein Mantra in der Corona-Politik: das Auf- und Ab zwischen Freiheitsbeschränkungen und Öffnungen zu vermeiden. Nicht nur Vorzeigedäne Madsens fragt sich: wieso? Mit Corona gilt es so umzugehen wie mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Im Sommer kleidet man sich freizügig, im Winter schützt man sich mit dicken Mänteln vor der Kälte und mittels Masken und Abstand vor dem Virus. Corona ist eine jahreszeitliche Erscheinung wie Frost,  Schnee und Influenza.

Von der Infektions- zur Deutschen Welle. Hat man wirklich gedacht, Russland reagiere nicht auf das Sendeverbot für Russia Today? Jeder mit ein wenig realpolitischem Sachverstand konnte absehen, dass diese Retourkutsche erfolgt. Es ist demnach davon auszugehen, dass man wusste welche Reaktion der Verbot der Verbot von RT auslöst. Sich nun mit dem Verweis darauf über das Vorgehen Russlands zu empören, die Deutsche Welle betreibe unabhängigen Journalismus, während es sich bei RT um russisches Staatsfernsehen handelt streut dem Publikum Sand in die Augen: zum einen ist die Differenz zwischen Staatsfernsehen und staatlich finanziertem Fernsehen geringer als man behauptet, zum anderen kann man nicht ernsthaft erwarten, dass ein Gegner Löschfahrzeuge schickt wenn man selbst Öl ins Feuer gießt. Zudem bedeutet unabhängig nicht das Gegenteil von einseitig und parteiisch - die gestrige Ausgabe von Maybrit Illner war bezeichnend: der russische Europaexperte Wladislaw Below wurde gedemütigt, indem man ihn kaum zu Wort kommen ließ, ihm meinte erklären zu müssen, dass er nur dann zu reden habe, wenn er gefragt wird, während alle anderen Gäste munter dazwischenreden und Vorträge halten konnten ohne von der Moderatorin zurechtgewiesen zu werden und ihn ansonsten weitgehend ignorierte. Der offenbar mühsam um Selbstbeherrschung ringende Below bekam so einen ziemlich genauen Eindruck davon, wie auch freier Journalismus sich in den Dienst des politisch vorherrschenden Tenors stellen lässt. Zu meinen, das Öffentlich-Rechtliche Sender völlig unbeeinflusst durch die politische Linie ihres Geldgebers seien ist etwa so naiv wie die Auffassung, ein Land, dass Kirchensteuer erhebt und von Christdemokraten regiert wird sei die Vollendung des laizistischen Prinzips.  

 

Gestern

Seit 2 Jahren sieht man den Moderatoren der Talk-Shows beim Altern zu. Wie Truffaut sagte: Filmen bedeutet dem Tod bei der Arbeit zuzuschauen. Dasselbe gilt für den Konsum von Talk-Shows.

Was bei Berichterstattungen aus COVID-Stationen auffällt ist die Unerbittlichkeit, mit der ausschließlich Bilder von adipösen Patienten geliefert werden. In dieser Weise verbindet man das Narrativ von der unermesslich anstrengenden Arbeit des Pflegepersonals mit einem ernährungspädagogischen Zeigefinger.

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten - wie passive Sterbehilfe funktionieren kann demonstrierte Deutschland in der ersten Phase der Pandemie: durch mangelhaften Schutz der älteren Bevölkerung vor Infektion bei gleichzeitiger Förderung von Altersdepression durch soziale Isolation. Zum staatlichen Gewaltenmonopol gehört eben auch, Menschen zu ihrem Unglück zwingen zu können. In den Alten- und Pflegeheimen führten die Maßnahmen des Infektionsschutzes nicht dazu, dass das vorgegebene Ziel des Schutzes vulnerabler Gruppen erreicht wurde, stattdessen grassierten dort nicht nur der Virus und das Sterben, sondern Einsamkeit und Angst. Gleichwohl verfolgte die Strategie der Abschottung konsequent das unsagbare Ziel die Ausbreitung des Virus in der Gesamtbevölkerung zu verlangsamen und zu reduzieren, indem man Kontakte beschränkte und Angehörige voneinander trennte. Die Zugangsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen waren nichts anderes als Quarantänemaßnahmen in Betriebsstätten, wie man sie beispielsweise in der fleischverarbeitenden Industrie anordnete: Maßnahmen die nicht primär dem Schutz der Belegschaft dienten, sondern der Vermeidung der Ausbreitung des Virus. Dass zum Schutz als höherwertiger angesehener Rechtsgüter gelegentlich ethische Aspekte nachrangig sind zeigt auch die juristische Debatte um das selbstbestimmte Sterben, die zu dem Schluss gelangt, der Kauf von Natrium-Pentobarbital - sozusagen der suizidale Goldstandard unter den ultimativen Painkillern - verstoße gegen das Betäubungsmittelschutzgesetz und bleibe untersagt. Man darf zwar selbstbestimmt sterben, jedoch darf man es sich dabei nicht zu bequem machen und soll (wie bei einer Hinrichtung in den USA) auf die staatliche zugelassene Kombination verschiedener verschreibungspflichtiger Medikamente zurückgreifen. Die vorsitzende Richterin in dem entsprechenden Verfahren stellt klar:` Wir müssen juristisch entscheiden und sind kein Ethikrat` - womit eine klare Linie gezogen ist zwischen der Würde des Einzelnen und einer Staatsräson in Urteile gießenden Rechtsprechung. Diese wiederum stellt den staatlichen Schutz des Lebens in diesem Fall über das Grundrecht auf auch in der Weise der Durchführung selbstbestimmtes Sterben. Die Erschwernisse bei der Inanspruchnahme des Rechtes auf selbstbestimmtes Sterben sind plausible Konsequenz aus dem staatlichen Gewaltenmonopol, dem die Verfügung des Menschen über sein eigenes Leben und Sterben suspekt ist - zu viel der Freiheit.  

Schmallippig reagierte ein phoenix-Moderator auf die Anmerkung eines Gastes zu der drakonischen No-COVID-Strategie Chinas auch und vor allem in der Olympiablase. Man solle nicht übergehen, dass für 95% der Bevölkerung in China deutlich weniger Freiheitsbeschränkungen galten als in Europa. Man hört den impliziten Vorwurf einer tendenziösen Berichterstattung der freien Medien nicht gerne, denn das passt nicht zum Lob der freiheitlichen Gesellschaft, das man durch die Kritik an der totalitären Gesellschaft verstärken möchte. Die Systemauseinandersetzung mit den jeweiligen agitatorischen Bemühungen um möglichst positive Selbstinszenierung ist in vollem Gange - sie dreht sich weniger als behauptet um Fragen der Menschenrechte sondern darum, welches System geeigneter ist soziale Spannungen im Gefüge in Grenzen zu halten.

Eine der Gründe für soziale Spannungen im Gefüge ist die Teuerungsrate, die den Konsum bremst und ein Effekt der mit den Corona-Maßnahmen zusammenhängenden Störungen globaler Lieferketten ist. Die asymptotischen Öffnungen vieler Länder trotz exponentiell steigender Infektionszahlen sind auch als ökonomischer Verzweiflungsakt zu verstehen. Angesichts steigender Infektionszahlen, explodierender Gaspreise und der Kriegsgefahr hat das was vom Untergang der Titanic. Vom Lockdown in eine letzte Party vorm Untergang.

Das Rezept für die Bevölkerung gegen Corona und steigende Heizkosten stammt aus den Schlachtgesängen der Fußball-Fans: Fürchtet Euch nicht - zieht Euch warm an. 

 

Gestern

Die überwiegende Mehrheit meiner Leser (also ich) wollen nichts mehr über die Pandemie lesen. Also gut, wechsel das Thema. Wie wärs mit der Gelben Gefahr? Nein, nicht die FDP, sondern China. Die olympischen Winterspiele in Peking stehen an, folgerichtig wird im Westen das Hohelied auf Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Demokratie gesungen, beispielhaft durch Rosi-Mittermaier-Sprössling Felix Neureuther in seinem ARD-Beitrag `Spiel mit dem Feuer`. Die Kritik an der Brutalität des Umgangs der chinesischen Regierung mit abweichenden Meinungen und Protest steht im Fokus, doch offenkundig handelt es sich um Negativwerbung, die sich an das freiheitsverwöhnte westliche Publikum richtet. China wird an den Pranger gestellt um hervorzuheben wie gut es uns geht mit unserer Freiheit unsere wirkungslose Meinung frei äußern zu können. Das Leid der Opfer des chinesischen Unterdrückungssystem gerät so zum Instrument einer Marketingkampagne für die Vorzüge der in die Bredouille geratenen demokratischen Systeme. Es wirkt ängstlich und defensiv, wenn man meint die eigene Bevölkerung auf diese Weise agitieren oder gar beschwichtigen zu müssen. Diese Ängstlichkeit hat handfeste Gründe, die jedoch selten offen benannt werden. Man raunt von der zunehmenden Sympathie für autokratische Systeme in den demokratisch regierten Bevölkerungen und beklagt die zunehmende Abhängigkeit der eigenen Volkswirtschaften von China, versäumt es jedoch auf den Zusammenhang zwischen ökonomischen Entwicklungen und zunehmender Demokratieablehnung hinzuweisen. China ist nicht wegen seiner menschenverachtenden Innenpolitik eine Gefahr, sondern wegen dem anscheinend gut gedeihenden Zusammenspiel von Staatsdirigismus und Kapitalismus, das sich in der Einlösung des Wohlstandsversprechen für viele äußert - einst Kernbotschaft des Zusammenspiels von freiheitlicher Gesellschaft und freiem Markt. Dass Demokratien an Attraktivität abnehmen hat damit zu tun, dass der Erfolg des Kapitalismus in totalitären Systemen zunimmt. Derzeit scheinen eher totalitäre Systeme die von den Märkten so geschätzte Stabilität in turbulenten Zeiten zu garantieren und gleichzeitig Tumulten in der Bevölkerung vorzubeugen. Folgerichtig lässt sich die Auseinandersetzung der Systeme als Wettbewerb um die effektive Ausübung staatlicher Autorität beschreiben, die derzeit vom Kapital umschwärmt und einem zunehmenden Anteil in der Bevölkerung gewollt wird. 

Ein typisches Verfahren Bevölkerungen hinter sich zu versammeln, wenn sich die ökonomische Situation verschärft und soziale Konflikte sich zuspitzen ist die Konstruktion eines Feindbildes. Putin greift zu diesem Mittel, der Westen ebenso. Die Feinde helfen sich gegenseitig dabei die Reihen zu schließen. China verzichtet derzeit auf militärische Drohgebärden gegenüber der westlichen Welt - ein Zeichen von innenpolitischem und ökonomischem Selbstbewusstsein, das alarmiert. Wenn nun der Westen Wehrhaftigkeit gegenüber Russland demonstriert ist China der eigentliche Adressat.

Beim Weg zur Kneipe kläffte mich ein Chihuahua an, was mich wenig beeindruckte.

Beharrlich führt man den Schutz der vulnerablen Gruppen (vulgo: Tattergreise) als Grund für die einrichtungsbezogene Impfpflicht heran. In Ermangelung der sterilen Immunität Geimpfter ist diese Begründung fadenscheinig. Das Bestehen auf die spezielle Relativitäts...äh Impfpflicht bewirkt das Gegenteil: es entstehen Personalengpässe, die zu Mängeln in der Betreuung und einer Überlastung des Bestandspersonals führen. 

Wie ist eigentlich derzeit das Wetter in Kopenhagen?  

  

Gästern

Der sakrale Tempel der pandemischen Epoche - das Fitness-Center. Verbissen schweigend als hätten sie ein Gelübde abgelegt trainieren die Jünger der Selbstoptimierung für eine Nachwelt die auf sich warten lässt wie Godot.

In der Kletterhalle muss der Sichernde Maske tragen, der Kletterer darf sie abnehmen. Das Resultat: der Kletterer der sich abseilt wird zum Sicherer und vergisst die Maske aufzusetzen. Der Sicherer wird zum Kletterer und vergisst die Maske abzusetzen. Immerhin: in 50% aller Fälle agieren die Emporkömmlinge regelkonform.

Letzte Bastion des Humors sind Versprecher der Tagesschau-Moderatoren. Coronaleugner demonstrieren in Querfurt, Boris Johnson wird Verführungsschwäche vorgeworfen.  

Sinn für Klamauk zeigt ein Schnellimbiss. Hinweis an der Eingangstür: Wir müssen leider draußen bleiben. Darunter zwei Männchen mit Aluhüten. Spaßvögel der 2Gteilten Gesellschaft.

Wie beruhigend, dass es Inseln der Konstanz in diesen turbulenten Zeiten gibt. Ein Bericht des ZDF-Magazins `Frontal` zeigt, was das Durchgreifen von Hubertus Heil in der fleischverarbeitenden Industrie gebracht hat: nichts. 

 

Gestern

Der BA-Chef argumentiert durchaus logisch in der Sache: Wenn eine allgemeine Impfpflicht beschlossen wird und der Tatbestand der Pflichtverletzung Grund für eine Nichtbeschäftigung sei, so müsse auch die BA prüfen, ob ein Verstoß gegen die Impfpflicht auch Sperrfristen der Bundesagentur auslöse. Das empört Herrn Kubicki, ist jedoch die plausible Konsequenz. Wer indes nach wie vor behauptet, es könne keine Rede von einem Impfzwang sein, zeigt ein merkwürdiges Verständnis von Zwanglosigkeit. Soziale Ausgrenzung und ökonomische Sanktionen begründen zumindest einen Sachzwang - es sei denn, man ist auf Lohnarbeit nicht angewiesen und zahlt Bußgelder aus der Portokasse. 

Man wartet förmlich auf die Anregung aus dem Innenministerium, alle inhaftierten Straftäter, die nicht geimpft sind umgehend in Isolationshaft zu nehmen. Die Schwere des Vergehens sich nicht impfen zu lassen hat derzeit mehr Gewicht als Mord und Totschlag, sie wird allenfalls getoppt durch die systematische klerikale Vertuschung von hochwürdelosem sexuellem Missbrauch.

Nicht der Medienkonsum macht uns depressiv, sondern die kulturellen und sozialen Beschränkungen, die er repräsentiert. Unsere soziale Scheu und die Beklommenheit der zwischenmenschlichen Begegnungen unter den pandemischen Vorbehalten wirft uns zurück auf das Trockendock unserer Selbstisolation, in der wir unbeschränkten Zugang auf sterile Kanäle haben, die im sozialen Endlager unserer Wohnzellen münden. Kollektives Erleben, das nicht geprägt ist von Unbehagen und Kontaktvermeidung erscheint unwiderruflich verloren, ein Sehnsuchtsort so unerreichbar wie die Pubertät. Gespenstische Erinnerungen suchen uns heim an Zeiten, in denen unser Gespür für Gefahr ohne Intensität und Dringlichkeit war. 

 

  

Gestern

`Du wünschtest Dir so unsichtbar zu sein wie die tödlichen Bedrohungen in dieser makellosen Umgebung. Es wäre ein Leichtes Anderen nahe genug zu kommen um sich zu reinfizieren. An die Überwachung hast Du Dich gewöhnt, daran, dass Passanten die Straßenseite wechseln wenn Du ihnen entgegenkommst nicht. Termine, die Du online für eine Infektion vereinbarst werden ohne Angabe von Gründen storniert. Stattdessen deponierte eine Lieferdrohne ein Infektions-KIT vor deiner Haustür, inklusive einer Anleitung für die korrekte Verabreichung einer Dosis Proviral in Eigenregie. Du bist eine Aussätzige, ein Gefühl, das Du gewohnt bist. Jahrelang hast Du in einer Beziehung gelebt, die das selbe Gefühl in Dir hervorrief. Vertrautes Terrain.`

 

Gestern

Regierungswechsel und das Altern. Solange die Mitglieder der Kabinetts älter waren als man selbst war alles gut. Das war die gewohnte Ordnung, in der man sich jung fühlte. Jetzt aber reden Ministerinnen und Minister über eine Zukunft, die sie im Gegensatz zu einem selbst voraussichtlich noch erleben. Wenigstens der Kanzler ist ein Trost. 

 

Gestern

Hüte Dich vor den Abgeordneten, die voller Inbrunst erklären was die Bürger wollen. Ihnen ist ebenso zu misstrauen wie denen die vorgeben zu wissen was Gottes Wille ist. 

Vorsichtig sollen wir sein. Ansteckungen vermeiden um selbst kein Infektionsrisiko zu sein. Doch wir sind eben nicht nur Staatsbürger, sondern selbstbestimmte Individuen. Die hohe Zahl an Infektionen ist auch Resultat kumulierter individueller Risikoabwägungen. Besser mit Omikron eine Immunisierung durch Impfung und Infektion, die wahrscheinlich glimpflich verläuft als auf die Infektion mit einem Hybrid aus Delta und Omikron warten. Wenn man so will eine Art ziviler Ungehorsam der sich in gut besuchten Fitness-Studios niederschlägt. Unter Schachspielern gilt das Motto: `Die Drohung ist stärker als ihre Ausführung.` Folgerichtig gehen viele das Infektionsrisiko ein - sie sind nicht pandemiemüde, sie sind angstmüde und infizieren sich, um endlich keine Angst mehr davor haben zu müssen sich zu infizieren. 

Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg (Blumfeld). Dieser Satz ist doppelt wahr, denn er gilt für das Infektionsrisiko ebenso wie für die Trostlosigkeit des permanenten Rückzugs in soziale Isolation. Unwörter des Jahres vermessen unseren Alltag: Kontaktbeschränkung. Soziale Distanz. Hygieneregeln.  Parodontoseprophylaxe. Maskenpflicht. Hospitalisierungsrate. Die hohen Inzidenzen sind im Doppelsinne Symptome eines Ausbruchs: der Seuche ebenso, wie des Ausbruchs aus der Kontaktvermeidung, in der jede Begegnung die Begegnung mit einem gefährlichen Fremdkörper ist. 

Während sich unser sozialer Abstand in der Horizontalen manifestiert vergrößert sich der soziale Abstand in der Vertikalen. Zwischen Wohlhabenden und Minderbemittelten, zwischen der Bevölkerung und ihren Repräsentanten, die ausgerechnet eine Debatte über Grundrechtseingriffe als Sternstunde der Demokratie abfeiern.  

 

Gestern

Die Debatte über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht war keine Sternstunde, sondern eine Sternschnuppe der Demokratie. Jeder darf sich etwas wünschen, die sogenannte Debatte äußert Wünsche ohne zu denken. Die überwiegende Zahl der Redner interpretiert ihre Gewissensentscheidung als Ignoranz der Aufhebung des Fraktionszwangs, läuft sich für diverse Landtagswahlkämpfe warm und begründet ihre Einstellung zur Impfpflicht wahlweise mit Gesundheitsschutz, Infektionsschutz, Schutz der kritischen Infrastruktur oder gar mit paternalistischen Argumenten. Es wird kaum in einem Beitrag ersichtlich, in welcher Weise die allgemeine Impfpflicht in ihren diversen Ausgestaltungen denn einer Verbesserung der pandemischen Lage dienen kann. Obwohl nachweislich die Impfung nicht vor Infektion und ihrer Weitergabe schützt wird nach wie vor mit dem `Schutz der Lieben` durch eigene Impfung argumentiert und will man diese Rücksichtnahme erzwingen. Obwohl die Bedrohung vulnerabler Gruppen durch die Vielzahl der Geimpften nicht größer ist als durch die Minderheit der Ungeimpften wird so getan als ob. Obwohl in vielen Ländern die Impfquote ohne Impfpflicht deutlich höher ist als in Deutschland und auch Länder mit einer niedrigeren Impfquote auf eine Impfpflicht verzichten glauben die Fürsprecher an deren Notwendigkeit. Obwohl schon die zahlreichen Einschränkungen für Ungeimpfte nicht erheblich zur Steigerung der Impfbereitschaft beitragen glaubt man, dass eine Impfpflicht dies ändere. Obwohl Bremen die höchste Impfquote aufweist, ist dort auch die Hospitalisierungsrate am höchsten. Obwohl mildere Mittel zur Verfügung ständen (Warum nicht zunächst verpflichtende Impfberatungen?), ignoriert man dies mit der Begründung (Göring-Eckart und Karen Mioska bei Maischberger) `man habe einfach keinen Bock mehr`. Gänzlich absurd ist es, wenn man eine Erhöhung der Impfquote ausgerechnet durch die Beschränkung der Impfpflicht auf Altersgruppen erreichen will: man senkt die Impfbereitschaft in der von der Impfpflicht befreiten Gruppe und fördert die Reaktanz bei den von der Impfpflicht Betroffenen. Doch um Infektionsschutz und Gesundheitsschutz geht es schon lange nicht mehr - sondern lediglich darum, wie man möglichst schnell ohne allzu hässliche Opferzahlen unter Verzicht auf Schutzmaßnahmen eine Durchseuchung der Bevölkerung riskieren kann, die Wissenschaftler ohnehin für unvermeidlich halten. So indes ließe sich die Impfpflicht nicht verfassungsgemäß begründen, dementsprechend greift man zu nicht stichhaltigen Argumenten. Augenwischerei ist es auch wenn behauptet wird niemand erwäge einen Impfzwang - wer soll das glauben, nachdem noch bis vor Kurzem genau dasselbe über die Impfpflicht behauptet wurde? 

Ein Abgeordneter der SPD meinte in seiner Jungfernrede hervorheben zu müssen, grade die Debatte im Parlament beweise wie grotesk es wäre von einer Diktatur in Deutschland zu reden. Das ist zwar wahr, ändert jedoch nichts daran, dass es sich bei der Impfpflicht um ein Diktat handelt. Für die Betroffenen macht es wenig Unterschiede, ob das Diktat von einer Diktatur oder einer gewählten Regierung angeordnet wird. Ein seltsames Menschen- und Demokratiebild verraten auch diejenigen, die der Auffassung sind, wenn die Impfung allgemein angeordnet wird, dann versöhne dies die Gesellschaft so als fehle es ihr an jeglicher demokratischer Substanz und als sei sie komplett obrigkeitshörig.  

Ehre wem Ehre gebührt: heute vor 2 Jahren wurde die erste Corona-Infektion in Deutschland registriert. Zur Feier des Tages liegt die 7-Tage-Inzidenz erstmals über 1000. Glückwunsch. 

 

Gestern

Es kursiert das Gerücht Hollywood plane eine Neuverfilmung des Frankenstein-Romans mit Putin als Dr. Frankenstein und der NATO als das Monster  (verkörpert von Jason Stoltenberg). Was Macron nicht für möglich gehalten hätte gelingt dem Russischen Präsidenten: die Wiederbelebung eines hirntoten Patienten. 

Boris Palmer macht es sich bei Markus Lanz einfach: Impfpflicht für alle über 50 und dann alle anderen CORONA-Maßnahmen aufheben. Das beschwört hübsche Szenarien von Altersapartheit hervor. An Flughäfen Checkins für die Kohorte Ü50 mit Impfkontrolle, während alle U50 ungeachtet ihres Infektionsstatus rasch an Bord gelangen. In Restaurants getrennte Eingänge für Senioren und freie Bürger. Getrennte Sitzbereiche in öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Beinahe im Tagestakt lernen wir neue Begriffe. Kaum beherrscht Omikron die Welt kommt eine Stealth-Variante (BA2) daher, die noch infektiöser als ihre Mutter ist und - daher der Begriff - deutlich schwerer durch Tests zu identifizieren ist. Solange Infektionszahlen derart hoch sind darf das Virus fröhlich und rasch weitermutieren. Wie lautet wohl der Begriff für eine Variante, die die Immunabwehr durch Impfung oder Infektion komplett unterläuft? Terminale Variante? 

`Du bist überempfindlich wie ein PCR-Test`, musste man sich kürzlich anhören. 

Eine allgemeine Impfpflicht ab 50, Verpflichtung zu Beratungsgesprächen um vom Nutzen der Impfung zu überzeugen für alle anderen. Natürlich, weil ja bekannter Maßen alle Menschen über 50 ignorante, starrköpfige Greise sind. So ermutigt man große Teile der Bevölkerung auf den Selbst- und Fremdschutz durch die Impfung zu verzichten und erhöht das Infektionsrisiko und Erkrankungsrisiko für die ältere Bevölkerung. Man nimmt die Gefährdeten in die Pflicht, während man deren Gefährdung durch die Anderen in Kauf nimmt.

Das Bedauernswerte und Beschämende an der 180-Grad-Wendung von der Ablehnung einer Impfpflicht zu deren Forderung ist nicht so sehr der Eingriff in die Selbstbestimmung über den eigenen Körper - auch wenn die Verniedlichung `Pieks` unterschlägt, dass es sich eben nicht nur um einen Einstich, sondern die Injektion eines Medikamentes handelt - sondern der Impuls für diese Wendung. Die Ablehnung der Impfpflicht beruhte auf der Auffassung der Regierung, es werden sich genügend Menschen freiwillig impfen lassen und damit den Erwartungen der Regierung entsprechen. Mit der Hinwendung zur Impfpflicht entsteht der Eindruck, dass Versprechen und Freiheitsrechte nur solange gelten, wie die Inanspruchnahme der Freiheit sich mit dem deckt, was die Regierung als Wohlverhalten ansieht.

 

 

Gestern 

Olaf Scholz interpretiert seine Kanzlerrolle als Sandmännchen der Republik, der die Bevölkerung mit Gutenachtgeschichten in den Schlaf der Vernunft wiegt. Ein Märchenonkel der die Sage von der Rückkehr zum Leben vor der Pandemie erzählt. Sind wir dann wieder mehrere Jahre jünger? Kostet Strom wieder 40% weniger? Regiert wieder Angela Merkel? Erstehen Tote wieder auf? Verlorene Zeit nicht nur in der Erinnerung zu finden, sondern sie zurückzuerhalten wie Geld bei einer Retoure ist nicht nur unmöglich, es stünde auch im diametralen Gegensatz zu den Ankündigungen der Ampelkoalition: Transformation, Veränderung, Wandel. Stattdessen suggeriert Olaf Scholz den U-Turn zu einer Lebensweise, die unsere Welt an den Abgrund trieb, als wolle er AfD-Wählern einen Kuhhandel vorschlagen der so geht: lässt Du Dich piesacken, darfst Du weiter mit Deinem Diesel die Umwelt verpesten. 

 

Gestern

Es war nur eine Frage der Zeit bis ein Kolumnist, der sich mit dem Thema Impfunwilligkeit befasst den Leviathan aus der Mottenkiste holt. Passend zur Quarantäne als mittelalterliches Instrument der Seuchenbekämpfung denkt Tobias Rapp in seinem Spiegel-Essay `Wenn die Unwilligen stärker sind als der Staat` darüber nach ob es angesichts der Corona- und weiterer Krisen nicht einer Rückbesinnung auf Thomas Hobbes souveränes Seeungeheuer bedarf, das so viele Köpfe hat wie der Staat Bürger und zugleich das Schwert in der Hand hält um sich unliebsamer Köpfe zu entledigen. Hobbes leitete die Notwendigkeit eines übermächtigen Souveräns aus seiner Auffassung ab, der Naturzustand der Menschen sei der Krieg aller gegen aller - die 1651 zum Erscheinungsdatum des Leviathan herrschende politische Situation in England inspirierte seine düstere Sicht auf die conditio humanae. Rupp sieht im Primat der Selbstverwirklichung und der Freiheit des Individuums den Grund für einen überbordenden Egoismus, der die Souveränität des Staates schwächt und dem Krieg aller gegen alle entspricht. Die implizite Schlussfolgerung des Artikels liegt nahe - angesichts der Ernsthaftigkeit der Krisen bedarf es dringend einer Stärkung des staatlichen Gewaltmonopols um der Zersetzung der zügelnden Kraft des Leviathan entgegenzuwirken. Der Staat schütze nämlich derzeit seine Bürger - und zwar vor allem vor der pieksvermeidenden Gefahr durch seine Nachbarn. Rupps Artikel erwähnt den Gegenspieler Hobbes - Rousseau - mit keinem einzigen Wort. Der wiederum war der Auffassung, dass gesellschaftliche Missstände nicht etwa durch den Krieg aller gegen alle, sondern erst durch die Zivilisation und ihre Ausprägungen (wie zum Beispiel staatliche Organisation) entstehen. Rousseau empfiehlt statt der freiwilligen Unterwerfung unter die Tyrannei eines Monstrums verbindliche Regeln des Zusammenlebens durch einen Gesellschaftsvertrag auf Basis der Definition des Gemeinwohls. Rupps Verschweigen dieser Position ist gleichbedeutend mit einer Absage an die Idee des Gesellschaftsvertrages, die deutlich näher am Staatsverständnis moderner Demokratien ist (dem abgeneigten Leser stellt sich die Frage, ob hier ein Star-Wars-affiner Autor, den die märchenhafte Phantasie einer technisch fortgeschrittenen und gesellschaftspolitisch rückständigen, manichäischen Welt fasziniert, die von Adel, Klerus und der dunkeln Macht beherrscht wird auf einen Star-Trek-affinen Rezipienten trifft, der die naive Idee eines Zusammenwirkens aller Völker gegen kosmische Gefahren schätzt). Bedenklich ist Rupps Artikel insgesamt vor allem durch all das was er ausblendet, denn grade das Ausblenden blendet den Leser. So klammert er zum Beispiel aus, dass viele Staaten es auch ohne Rückbesinnung auf Hobbes zu einer deutlich höheren Impfquote bringen als Deutschland. Er klammert auch aus, dass zu Hobbes Zeit in seiner Heimat England ein Bürgerkrieg herrschte, der dermaßen wütete, dass Hobbes die Unterwerfung unter ein Ungeheuer das kleinere Übel zu sein schien - erstens extrapolierte er damit die Lage in England zu einer Parabel auf die menschliche Natur an sich, obwohl schon damals nicht jeder gegen jeden Krieg führte, sondern mit Rousseau Parteien als Manifestierung von Zivilisation gegeneinander kämpften, zweitens hütet sich Hobbes davor seinem ungeheuerlichen Souverän über die Vermeidung von Chaos und Anarchie hinaus irgendeine positive Qualität zuzusprechen. Hauptsache das Ungeheuer ist furchteinflößend, vernünftig und schützt die Bürger, indem es die inneren Widersacher köpft. Man kann sich wohl denken, dass es sich beim Leviathan keineswegs um einer Streitschrift für Demokratie handelte - von Hobbes führt der Weg eher zu autoritären Staaten als zu freiheitlichen Gesellschaften. Was Rupp aber vor allem ausklammert ist, dass für Krisen und Katastrophen der letzten Jahrhunderte vor allem autoritäre Staaten und wirtschaftliche Handlungsfreiheit - zwei Eckpfeiler der Hobbesschen Staatsphilosophie - verantwortlich waren. Weltkriege, Klimakrise und auch die Pandemie, die durch globalen Verkehr von Waren und Menschen befeuert wird, stehen im Gegensatz zu der von Hobbes proklamierten Legitimation der absoluten Herrschaft des Souveräns: Schutz und Sicherheit der Untertanen zu garantieren. Dass es auch mit der Vernunft als Ausdruck funktionierender Autorität nicht immer weit her ist mögen einige Beispiele aus dem staatlichen Krisenmanagement zeigen: - derzeit gelten im Einzelhandel die 2G+-Regeln. Zutritt nur für Geboosterte oder vollständig Geimpfte mit Test. Kontrolliert wird die Einhaltung der Regel durch Personal, das dieser Regel selbst nicht unterworfen ist. Für die Angestellten gilt die 3G-Regel: Genesen, Geimpft oder Getestet. Die Einhaltung der Zutrittsregeln wird also gegebenenfalls kontrolliert von Personen, für die diese Regeln nicht gelten. Diese Widersprüchlichkeit produziert gelegentlich absurde Schizophrenie. Wer in einer Backstube mit Cafe` arbeitet hat die Gäste auf die Einhaltung der 2G+-Regel zu kontrollieren ohne ihr selbst unterworfen zu sein. Sobald die oder der Angestellte in der Pause ein Brötchen ist gilt für ihn/sie dann 2G+...oder? Ebenso grotesk und Reaktanz hervorrufend ist es, wenn ohne Vorankündigung und ohne Übergangsfrist der Immunitätsstatus geändert wird (von Genesenen und mit Johnson+Johnson Geimpften), so dass von jetzt auf gleich Millionen von Menschen mehr zu den aktuellen Impfverweigerern zählen, womit sich die Impfstatistik verschlechtert und etliche Menschen ohne Eigenverschulden verschärften Kontakt- und Zugangsbeschränkungen unterworfen sind. All das - wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums in entlarvender Offenheit erklärte - um Anreize fürs Boostern zu schaffen. Selbst wenn man die Auffassung von Herrn Rupp teilt, der für Gegenwart und Zukunft eine etwas devotere Haltung der Untertanen gegenüber staatlicher Autorität einfordert und der damit Misstrauen in demokratische Strukturen Vorschub leistet, gibt es genügend Gründe an der Vernunft staatlichen Handelns genau da zu zweifeln, wo der Staat zugleich autoritär, widersprüchlich und unsouverän handelt - denn das verträgt sich nicht mit seiner Schutzfunktion. Deren Vernachlässigung wäre gemäß Hobbes der einzige Grund, aus dem die Untertanen sich gegen den Staat auflehnen dürfte. Zu seiner Schutzfunktion gehört es auch, für Wohlstand zu sorgen - dazu passt es nicht, wenn `Ostdeutsche mehr arbeiten und weniger verdienen`(WAZ von heute): `Beschäftigte in den ostdeutschen Bundesländern haben im Jahr 2020 rund 12000 Euro weniger als Beschäftigte in westdeutschen Bundesländern verdient. Das geht aus einer Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.` Der niedrigere Lohn ist gleichzeitig der Grund um mehr arbeiten zu müssen. Alles in allem ist nicht zu erkennen, dass eine stärkere Orientierung von Bürgern und Staat am antiquiertem Modell eines monströsen, absoluten Vernunftherrschers den von Herrn Rupp gewünschten Beitrag zu einer besseren Erfüllung staatlicher Schutzfunktionen in der Gegenwart und in der Zukunft führt - nicht die Differenzierung der Lebensstile, die überbordende Beschränkung staatlicher Souveränität durch bürgerliche Teilhabe an Entscheidungsprozessen und die Impfverweigerer sind das Problem, sondern die zunehmende Reduzierung wirtschaftlicher Handlungsfreiheit vieler zugunsten der wirtschaftlichen Handlungsfreiheit weniger, die in der Reduzierung der Fähigkeit von Staaten resultiert, ihrer Schutzfunktion nachzukommen. Diese Reduktion gründet sich auch und vor allem darauf, dass es in einer vernetzten Welt, in der wirtschaftliche Handlungsfreiheit entgrenzt ist und Krisen global sind keinen wirkungsmächtigen globalen Gesellschaftsvertrag gibt. Zwangsläufig sind damit Rahmenbedingungen gesetzt, die das Seeungeheuer auf das Format von Seepferdchen zusammenstauchen, die allenfalls in ihren staatlichen Planschbecken ehrfurchtgebietend daherkommen. Staaten die stark nach innen, aber schwach nach außen agieren können nur eingeschränkt souverän sein. Das ist gefährlich, denn ohne maßgeblichen Einfluss auf die globale Dynamik von Märkten steigt die Gefahr von Konflikten zwischen Staaten um Ressourcen, die wiederum die Sicherheit und den Wohlstand der Untertanen gefährden. Wenn zusätzlich zu seiner globalen Fadenscheinigkeit der Souverän schon mit der ihm qua Wahlen verliehenen Autorität schludrig und umgeht - wieso sollte darauf mit einer freiwilligen Einschränkung der persönlichen Freizügigkeit reagiert werden? Rapps Ansatz ist reaktionär nostalgisch, gegenwartsvergessen und es ist zu fürchten, das viele ihn teilen. Damit fügt er sich passgenau in ein furchterregendes globales Mosaik. Auch Staaten wie Russland, die USA und viele europäische Länder reagieren auf die Herausforderungen der Gegenwart durch Rückfälle in Muster des Kalten Krieges und gesellschaftspolitische Regression, so als könne man durch das Zurückdrehen der Uhr zeitlichen Abstand zwischen sich und die aktuellen Krisenszenarien bringen. 

Zu allem Überfluss noch Wüst bei Will. Der darf im Gegensatz zu Herrn Schönbach sagen, was die Regierung denkt ohne seinen Rücktritt zu erklären (man könnte meinen Schönbach sei vorgeschickt worden um das auszusprechen, was die Ampelkoalition für richtig erachtet, aber offiziell vehement dementiert): jede Einschränkung der Freiheit Ungeimpfter und Ungeboosterter dient vor allem der Erhöhung des Impfdrucks. So weit, so wenig überraschend. Nichts an der Sendung ist überraschend, vor allem nicht die Gäste, die so zuverlässig immer wieder zur Stelle sind wie die Stammkunden einer Kneipe - auch nicht verblüffend, dass man sich in Sachen Impfpflicht wie schon bei der Auslastung der Intensivbetten als Indikator am COVID-Pionier Italien zu orientieren gedenkt. Impfpflicht für Ü50: da fühlt man sich zurückversetzt in die Jugend. Alterskontrollen vor dem Betreten von Gaststätten. 

Kommt es zu Krieg in Europa kann man sich auf eins verlassen - die Liveübertragungen von der Front werden zuverlässig von Werbespots unterbrochen, die unverdrossen die Vorzüge von Elektroautos preisen und eine klimaneutrale Zukunft versprechen. 

 

Gestern

`Es fällt zunehmend schwer sich in Erinnerung zu rufen, dass man hier einst glücklich war. Es schlägt sich nieder in der Unfähigkeit der Erzähler, sich eine andere Welt vorzustellen als diese verbotene Zone, in der man zu leben hast. Selbst fiktionale Charaktere dürfen die Grenze nicht übertreten. Einzig der Exekutive sind Schönfärbereien gestattet um Hoffnung und Schrecken zugleich zu verbreiten. Man müsse sich vor atomaren Auseinandersetzungen in Europa nicht fürchten. Schließlich verliere die Drohung angesichts ohnehin hoher Strahlenbelastung ihre Wirkung.`

 

Gestern

`Flugzeuge schreiben mit bunten Kondensstreifen den Schriftzug `Infiziert Euch!` ans Firmament. Die Krankenstationen ächzen unter der Last der nichtinfizierten Strahlenkranken, die sich hartnäckig einer COVIDentifikation verweigern. Zu viele ziehen das hohe Risiko einer Krebserkrankung dem niedrigeren Risiko vor an COVID19 zu versterben. Ihr Argument: an Krebs sterbe man langsamer. Deine Infektion erwies sich als Segen für die Menschheit, denn in dieser Lage ist schon das kleinere Übel ein Segen. Dennoch trauen Dir die Drohnen nicht über den Weg. Macht misstraut denen die Gutes tun ohne Kapital daraus zu schlagen.`  

 

Gestern

`Òmikron - Konzept oder Kapitulation?` lautete der Titel der gestrigen Sendung `Maybrit Illner`. Kapitulation als Konzept hätte es besser getroffen. Nun, da die Politik an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit gelangt fordert sie von den Menschen etwas ein, was sie ihnen über lange Zeit mehr oder minder abgesprochen hat: Eigenverantwortung. Der Begriff `Eigenverantwortung` bedeutet im Zusammenhang mit Gefahren, deren Abwehr etwa so löchrig ist wie die Defensive der DHB-Auswahl im Spiel gegen Spanien: `ihr seid Euch selbst überlassen`. 

Vom Primat des sozialen Abstands zwischen den Primaten profitieren Tech-Unternehmen, die auf KI und Robotik setzen. Auch hier verstärkt die Pandemie einen ohnehin schon vorhandenen Trend. Für Die Grass Eater in Japan, `young men who express little interest in getting married or being assertive in relationships with women` (Wikipedia) waren schon vor der Pandemie soziale Beziehungen zu lebendigen Menschen zu komplex und anstrengend, mithin also zeitraubend und nicht karriereförderlich. Welcome to the Machine - die Ersetzung des Kontakts zu potenziell infektiösen lebendigen Wesen durch Kontakt zu Gefühlsrobotern, deren Algorithmen eine sukzessiv perfektionierte Anpassung an eigene Bedürfnisse gewährleistet ist nicht nur eine pandemiegerechte Kompensation von Kontaktmangel, sie forciert auch die hemmungslose Freigabe unserer intimsten personenbezogenen Daten an die Techunternehmen. Kombinationen aus Vibrator und Alexa versprechen eine kontaktlose Welt, in der in Vergessenheit gerät, wie sich die Berührung eines anderen Menschen anfühlt. 

Über Karl Lauterbach erfährt man auch etwas durch die Sendungen in denen er nicht auftritt. Ein Beitrag in der Sendung `Monitor` zur Impfkampagne als Gelddruckmaschine für Arztpraxen (man reche: 300 x 28 € pro Tag) demonstrierte gestern Abend das große Geschäft mit dem Impfen. Nicht für ein Interview zur Verfügung stand Karl Lauterbach, der kürzlich noch dafür gesorgt hatte, dass den Praxen noch Feiertagszuschläge für Heiligabend und Silvester gewährt wurden. Sogar einigen zu Wort kommenden Impfärzten erscheint dies in Anbetracht der Bezahlung für Pflegedienste überzogen. 

Für etwas Ablenkung vom Corona-Einerlei sollen die Übertragungen von den Olympischen Winterspielen in Peking sorgen. Im Vorfeld der Spiele verschärft China seine No-COVID-Politik, was erneut zur Abschottung von Millionenstädten inklusive Hafenstädten führt, Lieferketten sprengt, Preise in die Höhe treibt und Wartezeiten in die Länge zieht (gestern im menschenleeren Elektronikmarkt: `Ich brauche einen neuen Kühlschrank` `na dann kommse mal Ende März wieder`). Richtig schlimm wird es jedoch nur, wenn ausgerechnet während der olympischen Spiele der Fernseher kaputt geht. 

Warum Geboosterte besondere Erleichterungen genießen, obwohl sie nicht steril sind? Anreiz, Anreiz, Anreiz. Wenn das nicht genügt, springen die Arbeitgeber ein: `Ohne Booster keine Lohnfortzahlung.` (WAZ von heute). Auch das RKI hängt sich rein und verwandelt simsalabim Genesene in nicht vollständig Geimpfte.

Im ZDF/ARD-MoMa wurde ein Lehrer für Gebärdensprache gefragt was denn das Zeichen für Scholz wäre. Offenbar stellt die Konturlosigkeit des Kanzlers die Schöpfer von Gebärdensprache vor Probleme. Dabei bietet sich die Lösung doch an: man verwendet einfach das Zeichen für Schlumpf. 

 

Gestern

Aus einen Traum erwacht, in dem eine Flutwelle Koffer von einem Gepäckband schwemmt schlendert man tetanuskauend in die Küche und bereitet sich mit einer FFP2-Maske als Filtertüte einen Kaffee zu. Ein befreundeter Diplomat hat sich mit Corona infiziert. Wie das? Die genießen doch Immunität. 

Erneut beklagt Markus Lanz der Kanzler führe in Sachen Impfpflicht nicht von vorne obwohl er doch betont habe, wer bei ihm Führung bestelle der bekomme sie auch. Scholz hat jedoch nicht gesagt wer bei ihm Führung bestelle bekomme die Führung geliefert, die Markus Lanz und andere Oppositionelle von ihm erwarten. Das wäre Gehorsam, nicht Führung. 

Nach nur 2 Jahren Pandemie und ihrer Bekämpfung durch Markus Lanz bleibt es Extremismusforscher Matthias Quent vorbehalten die umwerfende Erkenntnis zu verbreiten, bei den Protesten gegen die Corona-Politik gehe es nicht um Corona. Dem staunenden Moderator und dem Publikum erklärt er, die Spaltung der Gesellschaft erfolge nicht durch das Virus, sondern aufgrund von sozialen und ökonomischen Gefällen. Verkürzt gesagt: je extremer die Gefälle in einer Gesellschaft, desto anfälliger wird sie für Extremismus. Die Corona-Maßnahmen verschärfen sowohl dieses Gefälle, als auch die Tendenzen zur Radikalisierung. Die Botschaft der Politik `Ìmpfen und alles wird gut` verkenne Ausmaß und Eigenschaften des Problems, indem es zu einem rein technokratischen Problem reduziert werde. Der Moderator betrachtet Herrn Quent neugierig wie ein exotisches Insekt. 

 

Gestern

Zurück an den Anfang, als wir die Stille auf den Straßen genossen und die Abwesenheit der Kondensstreifen am nicht durch Abgase getrübtem Firmament. Es war - insgeheim ahnten wir es - die Ruhe vor einem unvergleichlichen Sturm. Einige Konstanten bleiben inmitten sich überschlagender Ereignisse: die 500 größten Börsenunternehmen konnten ihre Gewinne während der Pandemie verdoppeln. Ausgerechnet Ölindustrie und Energieversorger profitieren mit am meisten. Gleichzeitig stürzen die Preiserhöhungen immer mehr Menschen in Armut. Russland und die USA kompensieren innenpolitische Schwierigkeiten mit außenpolitischer Aggression. Niemand denkt ernsthaft daran die Profiteure der Krisen in die Verantwortung zu nehmen. Stattdessen bereitet man die Bevölkerung auf schwere Wochen, steigende Preise und die Wehrpflicht vor. All das kommt einem so bekannt vor, weil man hoffte so ausgeprägt komme es nicht noch mal. Es bleibt traurig, dass all diese menschengemachten Desaster größtenteils thematisiert werden als handele es sich um Naturkatastrophen, für die niemand Rechenschaft ablegen muss, außer die jeweils Andersdenkenden. 

`Während Milliarden von Menschen während dieser Pandemie ums Überleben kämpfen, gerät das Vermögen der Milliardäre außer Kontrolle. Das kann nicht gerecht sein.` Peinlich und beschämend, dass diese Feststellung nicht etwa die Politik formuliert, sondern die Koordinatorin eines Zusammenschlusses wohlhabender US-Bürger (Patriotic Millionaires), die gemeinsam eine weltweite Vermögenssteuer fordern (patrioticmillionaires.org, `Taxing extreme wealth`). Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die gesellschaftliche und politische Gleichgültigkeit gegenüber Armut und Elend, wenn die Forderung nach Reduzierung der Ungleichheit von den Kapitalisten selbst erhoben wird.

Bemerkenswert die Äußerung einer infizierten ZEIT-Redakteurin: sie sei erleichtert, dass sie es endlich erwischt hat. Nun müsse sie keine Angst mehr haben. 

 

Gestern

Wir müssen das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein - dieser heute von David McAllister geäußerte Satz eignet sich als geflügeltes Wort für alle derzeitigen Krisenherde von der Pandemie, über einen Krieg der Großmächte USA und Russland mit Kriegsschauplatz Europa bis hin zur Erderwärmung. Die allgemeine Phrasenpflicht schlägt sich nieder in simplen Formeln, die nichts konkretisieren und ein Klima von Furcht, Zittern und Schicksalsergebenheit verbreiten. Hoffen wir auf eine baldige Immunisierung durch sanfte Viren und hohe Impfquote, aber bereiten wir uns auf Escape-Varianten vor, die tödlicher als Delta sind und sich rasanter verbreitern als Omikron. Hoffen wir auf diplomatische Husarenstücke von Annalena Baerbock, aber bereiten wir uns vor auf ein Europa als geopolitisches Schlachtfeld oder gar - wenn man denn  vom Schlimmsten ausgeht - auf eine nukleare Wüste. Hoffen wir auf Erfolge bei der Reduzierung der Erderwärmung, aber bereiten wir uns vor auf Küstenstädte im Ruhrgebiet. Bei all dem stellt sich dem gewöhnlichen Adressat die Frage, wie er sich bitteschön darauf vorbereiten soll? Hitzefeste, flutsichere Atombunker mit HEPA-Filtern gegen Aerosole? Wenn derartige Botschaften ausgesendet werden bedeutet die Forderung vorbereitet zu sein man möge sich mit der eigenen Ohnmacht abfinden und auf alles gefasst sein.  

Mit derselben atemberaubenden Geschwindigkeit, mit der sich Omikron ausbreitet, steuern der Westen und Russland auf einen Konflikt zu, der in seiner Schärfe und Bedrohlichkeit an längst überwunden geglaubte Zeiten erinnert. So nah an einer Konfrontation von Nuklearmächten befand sich die Welt das letzte Mal während der Kubakrise. Bestürzend ist nicht nur mit welcher dramatischen Beschleunigung Russland und die NATO-Staaten auf diesen Kurs einschwenken, sondern auch die Sicherheit mit der manche Feulllitonisten und Politiker verkünden Putins Russland verstehe nur die Sprache der Härte und zugleich schon für den Fall des Scheitern dieser Linguistik des Stahlgewitters die Bevölkerung darauf einstimmen, dass dies dann eben Krieg bedeutet: ´Dann reden wir nicht mehr über die Impfpflicht, sondern die Wehrpflicht in Deutschland.` (so Nikolaus Blome, `Wehrpflicht statt Impfpflicht`, in SPON, 18.01.2022). Konsequent überzeugt von der Doktrin der Härte gelten dann Dämpfungsbestrebungen der Deutschen Politik als Feigheit vor dem Feind - und nicht als Bemühen, Schaden von der eigenen Bevölkerung abzuwenden, was die Pflicht von Personen in Regierungsämtern ist. Der Verfasser ist jedenfalls dankbar für das, was Kanzler Scholz nicht sagt, wenn er bei einem Angriff Russlands auf die Ukraine mit gravierenden politischen und ökonomischen, aber eben nicht mit militärischen Konsequenzen droht. Auch Frau Baerböck vermied jedenfalls bei der Pressekonferenz mit ihrem Amtskollegen Lavrov allzu martialische Formulierungen und bedankte sich bei Russland für die Verzeihenskultur. Aus seinem Missfallen ob der konzilianten Haltung des Kanzlers macht Blome keinen Hehl: `ich wüsste gerne, ob der Ex-Kanzler Schröder und der neue Kanzler eine gemeinsame Leiche im Keller haben.` Dem mag so sein, aber deswegen muss man nicht wünschen möglichst bald selbst eine zu sein. 

Als Fan der Kolumnen von Thomas Fischer wundert einen nicht die Vehemenz, mit der sich sein Gastbeitrag `Du sollst Dich impfen lassen` für eine allgemeine Impfpflicht einsetzt, was einen wundert sind jedoch die Argumente, die er gegen das Vorgehen der Bundesregierung in dieser causa vorbringt: `Wenn man schon den Unsinn von der seltenen von der seltenen Gewissensentscheidung bemüht (...) müsste man dazusagen, warum die Aktivierung des Gewissensentwurfes nicht mittels Regierungsentwurfs erfolgen kann. Und die Prognose einer Spaltung des Landes in 95% Gesetzesbefolger und 5% Oberschlauberger hat bisher (...) selten dazu geführt, dass eine Bundesregierung aus lauter Angst vor einer wackligen Abstimmung unterlassen hat, was die Grundbedingung ihrer Existenzberechtigung ist: Regieren.` Bei allem Respekt vor Thomas Fischers scharfzüngigen Analysen - sowohl Karl Lauterbach, als auch Olaf Scholz und viele andere Amts- und Mandatsträger haben sehr wohl erläutert, warum im Falle der Impfpflicht deren Ausgestaltung aus dem Parlament heraus erfolgen soll und nicht etwa gelenkt durch einen Regierungsentwurf, der im absehbaren Falle seines Scheiterns im ersten Durchgang nicht nur die Position der Regierung in folgenden, schwerwiegenden Entscheidungen  schwächt (...wie wäre das Procedere wohl bei der Entscheidung über einen Kriegseintritt Deutschlands?...), sondern in Folge des Fraktionszwangs zum Vehikel parteipolitischen Gerangels würde, wo ein breiter Gestaltungsspielraum über alle Fraktionsgrenzen hinweg geboten wäre. Zudem stimmt das Zahlenverhältnis zwischen 95% Gesetzeskonformen (Pflichtbefürwortern) und 5% Oberschlaubergern (Pflichtgegnern) nicht. Die Zustimmung liegt bei etwa 65% und sinkt - mal ganz abgesehen davon, dass niemand weiß wofür er sich ausspricht, wenn von einer allgemeinen Impfpflicht die Rede ist. Zeitlich begrenzt oder unbegrenzt? Gültig auch für künftige noch nicht entwickelte Impfstoffe gegen noch nicht existente Varianten? Wie viele Impfungen werden verlangt? Beugehaft ja oder nein?...und so weiter. Last but not least scheint auch Thomas Fischer der Auffassung zu sein, dass - wie die Süddeutsche Zeitung am 15. Januar schrieb: `ein Krieg immer wahrscheinlicher werde.`. Ein bisschen Widerstand gegen eine derartige Petitesse wie die Impfpflicht `müsse ein Staat aushalten können, der demnächst die Freiheit (...) gegen die schnellen Panzerverbände aus dem Osten verteidigen zu müssen in Erwägung zieht`, womit sich Fischer auf Anna Lena Baerbocks heutiges statement bezieht es gehe auch um die Sicherheit von Berlin. Na wenn das so ist hat sich das Thema Impfpflicht doch ohnehin durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht bald erledigt.

Vielleicht verdanken wir ja demnächst den Haien Erlösung von Corona - sie und Alpakas verfügen über Antikörper gegen alle Coronavarianten. 

 

Gestern

In Zeiten der Gewichtszunahme und Bewegungsarmut ist Klugscheißen ein beliebtes Hobby. Gilt auch für den Verfasser,  der sich die Schlusspointe von Jan Schweitzers Artikel `Schluss mit lustig` in der ZEIT vom 13.01.2022 vorknöpft, in dem er sich mit den fatalen Folgen des esoterischen Umgangs mit Corona befasst. Gegen den Inhalt ist nichts zu sagen, der Schlusssatz ist jedoch unzutreffend: `Dieser Artikel wurde ohne Zuhilfenahme kosmischer Energien erstellt.` Das kann nicht sein, weil nun mal jede Energie kosmisch ist. 

Soziale Isolation, Beklemmung, Hilflosigkeit - die Begleiterscheinungen der Pandemie und der Mittel ihrer Bekämpfung begünstigen das Entstehen klaustrophobischer Filmformate, in denen einsame aus ihren gewöhnlichen Leben geworfenen Menschen um ihre Existenz kämpfen. `Meander` bei amazon prime und `vivarium` bei Netflix sind Produktionen, die aus der Not Dystopie macht. Äußerst kostenschonende Produktionen mit wenigen Darstellern, die kontaktvermeidend agieren. Die Kargheit der Ausstattung und die Überschaubarkeit der wenigen, auf sich selbst zurückgeworfenen Protagonisten sind zugleich Methode und Metapher. 

 

Gestern

Hauptverkehrsstraßen, gesäumt von gigantischen Werbeplakaten für Corona-Testcentren, den 0-Euro-Shops der Innenstädte. Coming soon: Infektionscentren. Machen Sie jetzt einen Termin um ihre Infektionspflicht zu erfüllen.

Kommt die Impfpflicht, dann wachsweich. Die über 50-jährigen zu verpflichten ist die probate Kombination aus Altersdiskriminierung und dem Weg des geringsten Widerstandes. Zudem lässt sich der Impfstatus dann deutlich leichter überprüfen. Im Kaufhaus an der Kasse ein Display: man sieht Ihnen ihr Alter gar nicht an! Impfausweis immer dabei haben. An den gläsernen Eingangstüren von Geschäften ein Piktogramm, das einen gebrechlichen Menschen am Gehstock zeigt: Zutritt für über 50jährige nur mit vollständiger Impfung. Ab sofort gilt man epidemiologisch mit 50 als Greis, während man für die Werbung aus Best-Ager mit den Hobbys Rafting und Freeclimbing gilt.

Eine persönliche Bilanz nach 2 Jahren Corona: 8 Kilo zugenommen und an Muskelmasse abgenommen. Klettern, mein lebensrettender Sport. Gestern das erste Mal wieder in die Halle getraut. Alle Fähigkeiten und Stärke eingebüßt. Wenig entspannter Sport, denn die Angst vor Infektion klettert mit. 

Bijan Djir-Sarai, seines Zeichens Generalsekretär der FDP, hat nicht Unrecht wenn er vermutet, Russland habe keine Angst vor der NATO, sondern vor einer Umzingelung durch Länder mit demokratischen Strukturen, die schließlich auch zu einer demokratischen Infizierung der russischen Bevölkerung führt. Außenministerin Baerbock betont die Wichtigkeit der strategischen Souveränität Europas als Wertegemeinschaft mit hoher Attraktivität für Gesellschaften in aller Welt, auch im Osten Europas. Im selben Atemzug hebt sie hervor, dass wenig altruistische Mächte ihre Investitionen in anderen Ländern geostrategisch nutzen - während der Export von Demokratie also im Sinne Europas sein soll ist der Export von Erdgas zu verurteilen. Dabei hat die Geschichte gezeigt, welche desaströsen Folgen militärisch flankierte demokratische Missionen nach sich zogen. Man kann auch nicht die Umarmung osteuropäischer Nachbarländer Russlands als Kontinuität deutscher Außenpolitik in der Tradition Willy Brandts verkaufen: Wandel durch Aufdringlichkeit und Einengung hat den gegenteiligen Effekt. Es führt zur Verhärtung von Fronten. 

Nicht nur, dass der Oxfam-Armutsbericht die ganze Obszönität zeigt der Kluft zwischen Superreichen und der Verdoppelung ihres Reichtums und hunderten von Millionen zusätzlichen Armen während der Pandemie aufzeigt, die Oxfam-Studie zur Klimazerstörung zeigt auch, dass die Krisengewinnler aus der Pandemie gleichzeitig die größten ökologischen Drecksschleudern sind: `Die Pro-Kopf-Emissionen der zum reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung gehörenden Menschen liegen 2030 um ein 30-Faches über dem Wert, der mit dem 1,5-Grad-Ziel verträglich sei. Damit schädigen die Superreichen das Klima mehr als die ärmsten 50% der Weltbevölkerung zusammen.` Noch deutlicher kann man den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Wohlstandswachstum, sozialer Ungleichheit und Klimakatastrophe kaum aufzeigen. Es ist nicht nur so, dass Bezos und Co von der Pandemie profitieren, ihr Lebensstil verschlimmert zudem erheblich die ökologische Lage. Sie sind zugleich Profiteure und Verursacher katastrophaler ökonomischer und ökologischer Verwerfungen - wenn sich dennoch keine politischen Mehrheiten finden, die Sonderbesteuerungen der Superreichen befürworten, ist das ein Armutszeugnis von Gesellschaften, die mehrheitlich die Reichen für ihren Reichtum bewundern und Mittellose für ihre Erbärmlichkeit verachten. 

 

Gestern

Ein Wort zu Novak Djokovic: sein Vater vergleicht ihn mit Jesus, man kreuzige seinen Sohn wie den Heiland. Nun, abgesehen davon dass Jesus nicht vielfacher Millionär war und dass die Schmerzen einer vereitelten Titelverteidigung wohl kaum mit Schmerzen und finalem Resultat einer Kreuzigung vergleichbar sind - wäre Novak Jesus, dann könnte er ja über die Weltmeere zu Fuß nach Serbien wandeln. 

 

Gestern

Drei langjährige Freunde - drei Geboosterte - eine Verabredung zum Essen - ein unauflöslicher Konflikt über die Schnelltests. Der Gastgeber besteht auf einen negativen Tests, was der erste Eingeladene als Misstrauensvotum versteht: `Du weißt wie ich mein Leben gestalte. Ich bin geboostert und halte Abstand, habe keine sozialen Kontakte. Wünsche Euch einen schönen Abend.`. Der zweite lässt sich testen. Abends verlangt der Gastgeber, das Vorzeigen des Testergebnisses. Der Dialog an der Haustür: `Tu uns das nicht an.` `Wieso? Was ist denn dabei? Wir zeigen uns gegenseitig das Testergebnis und gut ist.` `Wenn Du darauf bestehst zeige ich es Dir. Danach besuche ich Dich nie wieder.` 

Wiglaf, pardon, Christian Drosten möchte dem Virus eine Tür öffnen. Zum Druck gegen die Ungeimpften, die durch gehäufte schwere Erkrankungen dem Arbeitsmarkt fehlen, gesellt sich der sanfte Druck auf die Geimpften, Infektionsrisiken zu akzeptieren - schließlich besteht der Schutz der Teilsysteme Gesundheit, Arbeitsmarkt, Bildung auch daraus, ihnen nicht zu viel Substanz zu entziehen. Der Schwerpunkt verlagert sich von der Infektionsvermeidung hin zur Vermeidung von Personalengpässen. Drosten stellt auch in Aussicht, auf Dauer könne man nicht ein hohes Maß an Immunität ausschließlich durch Impfungen erreichen. Nachdem wir also lange alles unternahmen um uns zu schützen flößt man uns langsam aber sicher ein, man habe sich den Infektionsrisiken in stärkerem Maße auszusetzen. So kann man natürlich auch Sinn und Zweck einer Impfpflicht konterkarieren. So verwandeln sich nach und nach Impfverweigerer in Märtyrer zum Erreichen einer gesellschaftlichen Normalität, in der man die Infektion nicht mehr vermeiden sondern willkommen heißen soll. 

Wie gewohnt widersprüchliche Botschaften. Warnungen und Entwarnungen zugleich. Eine allgemeine Atmosphäre zwischen Bangen und Hoffen. Zusammengefasst: Impft Euch und infiziert Euch. 

Den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen ist bequemer, als sich mit den Gründen der Impfskepsis vor allen Dingen in den alten Bundesländern auseinanderzusetzen, die deckungsgleich sind mit den Gründen für das dortige Erstarken der AfD: vor allem das nach wie vor bestehende ökonomische und Machtgefälle zwischen den alten und neuen Bundesländern mündet in rechtsreaktionären Impulsen, die umso stärker werden, desto mehr sich zu verschärfenden ökonomischen Verhältnissen auch noch ein Verlust an Freiheiten gesellt. Wollte man dem wirklich begegnen, müssten man deutlich mehr für die Angleichung der Lebensverhältnis in Ost und West unternehmen - insgesamt befördert zunehmende ökonomische Ungleichheit natürlich das Misstrauen in die Segnungen der Demokratie. 

`Diesmal fehlen einem mehrere Wochen. Umso mehr verärgert der tägliche Zeitverlust durch die zahllosen popups zur Akzeptanz von Cookies, durch die man sich zeitraubend bei jeder neuen website scrollen muss. Außerdem erscheinen einem die Rotphasen an Ampeln immer länger zu sein.`

 

Gestern

Ranga Yogeshwar blieb es vorbehalten bei Maybrit Illner als erster Talk-Show-Gast das Wort `Infektionspflicht` in den Mund zu nehmen. In einer endemischen Lage mit milden Krankheitsverläufen könne man wie bei bestimmten Kinderkrankheiten Immunisierung durch gezielte Ansteckungen beschleunigen. Exakt das wird geschehen, wenn in der kritischen Infrastruktur auch Infizierte mit mildem Krankheitsverlauf oder ohne Symptome arbeiten. Will man dann das Infektionsgeschehen forcieren heißt es in den Betrieben: `Masken runter, zur Begrüßung innig umarmen, Lüften verboten.`   

Die zum Fremdschämen penetrante, an ein trotziges Kind erinnernde Dickköpfigkeit, mit der Markus Lanz einen Basta-Scholz in Sachen Impfpflicht herbeimoderieren möchte repräsentiert das unselige Verlangen nach einer autoritären Perpetuierung demokratischer Strukturen. In einer Angelegenheit, die unmittelbar jeden einzelnen Bürger betrifft und ihm einen Teil der Herrschaft über seinen eigenen Körper entziehen könnte ist es unangemessen, die parlamentarische Entscheidung durch Kanzlermehrheit herbeizuführen oder auch nur durch Gesetzesvorlagen aus dem Gesundheitsministerium oder dem Kanzleramt von vornherein in eine bestimmte Richtung zu steuern. Es mag ja sein, dass mit der Aufhebung des Fraktionszwangs und dem Verzicht auf Gesetzesvorlagen politisches Kalkül verbunden ist und peinlichen Abstimmungsniederlagen vorgebeugt wird, dennoch ist es zu begrüßen, dass dem Parlament in dieser Sache nicht nur die Abstimmung über Gesetze, sondern auch deren Erarbeitung auf Basis einer breiten Debatte übertragen wird. Dies mag Robin Alexander nicht gefallen, doch in dieser causa ist es angemessen, wenn die repräsentative Demokratie so repräsentativ wie möglich entscheidet und eben nicht dem Machtwort eines Kanzlers oder Ministers besonderes Gewicht zukommt. 

Neidisch blickt der Moderator nach Italien, wo Draghi durchregiert. Italien ist aber auch ein Land, in dem Ärzte aus Gewissensgründen Abtreibungen ablehnen können, selbst wenn dies der Mutter das Leben kostet. Der phoenix-Beitrag `Abtreibung in Europa. Verachtet, verheimlicht, verboten` dokumentiert wie im sich fortschrittlich gebenden Europa (nicht etwa nur in Italien) ein gesellschaftspolitischer rollback von statten geht, dessen Symptom der Schwund von Ärzten ist, die bereit sind Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Was dabei - man traut sich kaum diesen Begriff zu verwenden - `herauskommt`, sind Zwangsgeburten nicht lebensfähiger Föten, die im Beisein der Mutter in eigens errichteten Hospizen zur Welt kommen. 

Die Erklärungen der Ministerinnen und Minister: auch ein Schaulaufen um Geldmittel. 

 

Gestern

Gespannt wartet man auf die Antrittsrede des Gesundheitsministers vor dem Deutschen Bundestag: weniger wegen des Inhalts, sondern weil man seine als Kombination aus Hermann Hesse und Dieter Hildebrandt inszenierte Mimik und Sprache vergnüglich findet.

Ein nicht zu unterschätzender Nutzen einer Impfpflicht - wenn sie denn nicht nur beschlossen, sondern auch durchgesetzt wird - besteht darin,  bislang Ungeimpften endlich wieder voll umfänglich Arbeitsmarkt und Konsum zuzuführen. Die soziale Isolation der Ungeimpften ist nämlich ein ökonomisches Desaster. Als offizieller Grund darf dies nicht angeführt werden, denn damit wäre eine Impfplicht nicht verfassungsgemäß zu begründen. 

Leitet sich die Pflicht zur Selbstmedikation und zur Einschränkung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit tatsächlich aus dem kategorischen Imperativ ab wie Karl Lauterbach es heute behauptet? Handele nur nach derjenigen Maxime, von der Du zugleich wollen kannst, dass sie eine allgemeine Impfpflicht werde. Die absolute Sicherheit, mit der Karl Lauterbach diese moralphilosophische Frage beantwortet passt nicht zu ihrer Komplexität. Wohlweislich beinhaltet der kategorische Imperativ einen Konjunktiv und betont somit eine Freiwilligkeit - es heißt nämlich wollen kannst, jedoch nicht wollen musst. Und ob man wollen kann, dass die Impfung allgemeines Gesetz wird, darf jeder für sich und unterschiedlich beantworten. Denn man kann sehr wohl wollen und so handeln, dass ein allgemeines Gesetz die allgemeine, sogar die spezielle Impfpflicht ausschließt. Doch selbst wenn man gemäß kategorischem Imperativ zu dem Schluss kommt, sich impfen zu lassen ergebe sich aus dem was man wollen kann (nicht muss, denn man muss ja nicht wollen, dass sich aus der eigenen moralischen Entscheidung zwangsläufig geltendes Recht ergibt) ist es fraglich, ob es Sache des Gesetzgebers sein darf, ein Handeln zu erzwingen, das er als ethisch angemessen erachtet. Schließlich fordert der kategorische Imperativ grade nicht Gehorsam gegenüber dem Gesetz, sondern Handeln gemäß eigenem moralischen Kompass. Die Souveränität des Staates über seine Subjekte und sein Gewaltprivileg lässt allerdings - da mache man sich keine Illusionen - Übergriffigkeiten zu, die gegen die moralischen Entscheidungen der Einzelnen gerichtet sind. 

...all diese Frischlinge im Parlament, mit ihrer kindlichen Freude daran nun Abgeordnete zu sein, sie treten auf wie von Lachgas berauscht. Das wirkt belebend, dennoch: bei aller Freude über das Bestreben, gesellschaftspolitische Paradigmenwechsel herbeizuführen, die einer modernen Lebensrealität gerecht werden...Pfefferminzduft und frischer Atem allein werden nicht genügen, um die gigantischen, schwelenden Krisenherde zu löschen, deren bedrohliche Dimensionen man unterschätzt wenn man meint man könnte sie überspringen wie ein Wunderkind drei Schulklassen. 

Wie so oft hält der SPD-Kulturbeauftragte Helge Lindh eine bemerkenswerte Rede. Er betont die Lebensnotwendigkeit von Kultur bei der Verarbeitung der Leiden und Ängste einer durch Corona tief traumatisierten Gesellschaft, der die Reduktion des Mediums Sprache auf epidemiologische Begrifflichkeiten ihrer Kommunikationsräume und letztlich ihrer Diskursfähigkeit zu berauben droht. Dies äußert sich in der Primitivität manichäischer Schwarzweißmalerei und in der Trivialität eines Lagerdenkens, die der für die Traumabewältigung unbedingt erforderlichen kulturellen Vielfalt und Lebendigkeit entgegenwirkt. Es äußert sich auch in der Ausgrenzung und Stigmatisierung der Ungeimpften durch die Mehrheit der Geimpften. Geboten wäre also dringend die Förderung kultureller Aktivitäten und Vielfalt, statt das notorische Verschieben des Themas Kultur auf die Abstellgleise der Corona-Politik. Eine vorbildlich differenzierte, frei gehaltene Rede, die passend mit einem Zitat von Rio Reiser beschlossen wird. Fazit: Gesundheit ist nicht nur das Gegenteil von Freiheit, sondern auch von Kultur.

Wie sehr Corona die Sprache durchseucht erfahre ich im eigenen Sprachzentrum: wo Investitionen steht lese ich Intensivstationen.

Während der Bundestag über die Modernisierung der Gesellschaft redet spricht Kanzler Scholz von einem hohen Preis, den Russland bei einer militärischen Intervention in der Ukraine zu zahlen habe. Hier beweist die typisch Scholzsche Unklarheit und Zurückhaltung Fingerspitzengefühl. Schon aus sicherheitspolitischen Gründen verbietet sich eine konkrete Drohung - zur sicherheitspolitischen Vorsicht passt auch das Festhalten an North Stream 2. Die umstrittene Pipeline bildet eine ökonomische Nabelschnur, die Russland und Deutschland verbindet. Die Existenz dieser Nabelschnur reduziert das Aggressionspotenzial Russlands gegenüber seinem Geschäftspartner Deutschland. So sehr man auch Politiker vom Schlag eines Helge Lindh schätzen mag - bei der derzeitigen grade für Europa brisanten geostrategischen Lage erweist sich Schröders lupenreine Freundschaft zu Putin als sicherheitspolitische Rückversicherung von hohem Wert (...hoffentlich...).   

 

Gestern

Narrativ der letzten und der aktuellen Regierung zum Thema Spaltung der Gesellschaft in Sachen Corona ist, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die Corona-Maßnahmen mitträgt und mit den Oberarmen abstimmt. Eine verwegene Annahme. Die Impfquote zu interpretieren als politisches Votum der Mehrheit für die Corona-Maßnahmen im allgemeinen ist etwa so unseriös als interpretiere man den Umstand, dass die Mehrheit der Bürger Steuern zahlt als Befürwortung der Steuerpolitik der Regierung. Verwegen und irreführend ist es auch, wenn den Kassandrarufen von der Corona-Diktatur mit dem Argument begegnet wird, grade dass man demonstrieren und diese Auffassung ungestraft verkünden könne zeige wie absurd das Raunen von einer Diktatur sei. Grade in Ostdeutschland dürfte die historische Erfahrung der Diktatur sich in einer Skepsis gegenüber staatlich angeordneten Maßnahmen äußern, die sich als Widerstand und Verweigerung manifestiert. Im Gegensatz zu rechtsradikalen Influencern dürfte die überwiegende Zahl der Demonstranten gegen die Corona-Politik nicht der Auffassung sein, sich in bereits in einer Diktatur zu befinden. Diese Personengruppe ist vielmehr von der Befürchtung getrieben, man könne sich mit der Impfpflicht auf dem Weg dorthin begeben. Aus ihrer Sicht handelt sie nach dem Motto wehret den Anfängen, damit es bei einer freiheitlichen Gesellschaft bleibt. Man tut diesen Menschen unrecht, wenn man die Furcht vor dem Rückfall in die Klaustrophobie eines totalitären Regimes gleichsetzt mit den Motiven derer, die von einer Diktatur grade deshalb reden, um eine zu errichten. Nicht nur das. Vernachlässigt man die Differenzierung in Skeptiker, die den fortgesetzten Verlust an Freiheit fürchten - und es gibt weltweit und insbesondere in der EU durchaus politische Entwicklungen, die Anlass zu dieser Sorge geben - und rechtsradikale Agitatoren fördert man die Aufspaltung der Gesellschaft, vor der man gebetsmühlenartig warnt. Einen Keil zu treiben, der die Gesellschaft teilt in regelkonform Vernünftige und verführbare Verblendete untergräbt das Vertrauen in die Stabilität des demokratischen Rechtstaates, bestätigt die Skeptiker und treibt sie den Blendern zu. Die Botschaft entweder/oder steht im scharfen Kontrast zum Lob der Diversität, für deren Förderung sich grade die neue Regierung rühmt. 

Fauci setzt noch einen drauf: `Omikron wird fast alle finden`. Was auf Anhieb wie eine apokalyptische Prophezeiung klingt soll den Menschen vielleicht Zuversicht einimpfen: bald habt ihr es alle überstanden - oder eben nicht. Selbstverständlich verbietet sich einem vernünftigen, solidarischen, braven Bürger die Frage was denn dann all die Corona-Schutzmaßnahmen außer der Impfung noch sollen. Es geht schließlich um die Abflachung der Kurve. So wie wir brav vor Test- und Impfzentren Schlange stehen sollen wir uns nacheinander infizieren. Also fügen wir uns schön der Reihe nach ins Unvermeidliche und verabschieden uns von dem Vorhaben wir könnten uns vor einer Infektion schützen. Statt der Vermeidung wird Verzögerung die oberste Devise. Das macht doch mal so richtig Mut und ist eine probate Übung für das Warten auf den Tod.

Boris Johnson: der prominenteste Gartenarbeiter der Welt nach Prinz Charles und der einzige, der sich dabei nicht die Finger schmutzig macht. 

Als Moderator ließ Bundespräsident Steinmeier heute die ihm qua Amt gebotene Neutralität vermissen. Oft fiel er den Gegnern der Impfpflicht ins Wort und adressierte sie als Impfskeptiker statt - und beide Repräsentanten der Kritik an der Impfpflicht waren geimpft und betonten den Nutzen der Impfung  - als Verfechter deren Freiwilligkeit. Damit ist klar auf welcher Seite er steht. Die geladenen Gegner der Impfpflicht taten Steinmeier und seinen Experten den Gefallen weitgehend medizinische Bedenken ins Feld zu führen um ihre Kritik zu begründen: durchaus mit Argumenten von Gewicht wie die unklaren Folgen einer Ablagerung von Nanolipiden, den beim Paul-Ehrlich-Institut gelisteten Nebenwirkungen oder der vorauseilenden Verpflichtung zur Impfung mit noch nicht entwickelten Impfstoffen (Zahlen- und faktengestützte Argumente, auf die wenig eingegangen wurde), doch die eigentlich interessante Frage der politischen und sozialen Nebenwirkungen der Impfpflicht geriet so aus dem Blick. Die Stoßrichtung der Impfpflicht ist klar: sie zielt auf die Gruppe derer, die sich nicht impfen lassen wollen. Damit liegt der Fokus auf der Personengruppe, deren Gefährdungspotenzial ohnehin schon durch gravierende Freiheitsbeschränkungen reduziert ist - ob das verhältnismäßig ist zumal dann, wenn es eben nicht die Ungeimpften sind, die mehrheitlich im Krankenhaus und in den Intensivbetten landen (bei den Wachstumsraten der Omikronvariante und den Freiheiten der Geimpften ist dies zu erwarten) ist nicht nur eine verfassungsrechtliche Frage, sondern auch eine ethische Frage von großer sozialer und politischer Brisanz. 

Eine These so steil wie die Omikronwand: `Helmut Schmidt wäre heute in der AfD.`(Gottfried Curios heute im Deutschen Bundestag)

Auch wenn die Ambitionen der neuen Regierung sich an der Realität abschleifen werden: man kann nicht umhin innenpolitisch aufzuatmen und sich über den Logenplatz der ungeimpften AfD-Abgeordneten zu amüsieren. Beim Thema Außenpolitik schnürte es einem dann die Kehle zu.

 

Gestern

Tilo Jung lässt sich wieder bei der Bundespressekonferenz blicken. Robert Habeck lässt ihn freundlich abtropfen. Neue Regierung, altes Spiel. 

Die Erläuterungen Robert Habecks zur Klimapolitik der Bundesregierung atmen den Geist Luthers: wenn ich wüsste das morgen die Welt untergeht würde ich heute noch einen Windpark planen. Was Zukunftsperspektiven angeht stellt der Global Risk Report fest: `Die Belastungen der Gesundheit und des Wirtschaftssystems führen zu sozialen Spaltungen und damit zu Spannungen in einer Zeit, in der Zusammenarbeit in den Gesellschaften und der internationalen Gemeinschaft grundlegende Voraussetzung dafür sein wird, dass wir weltweit eine schnelle Verbesserung der Situation erreichen können.`(Saadia Zahidi, Direktorin am Weltwirtschaftsforum).`Statt globaler Kooperation ereignet sich eine dramatische Renaissance nationalistischer Politik: `Der innenpolitische Druck erschwere den Regierungen, sich auf mittel- oder langfristige Problemlösungen zu fokussieren - und damit globale Fragen. Eine fatale Entwicklung. (`Susanne Biedenkopf, `Pandemie treibt weltweite Existenzangst`, zdf heute, 11.01.2022). Immerhin: sollte Europa in geradezu nostalgischer Rückbewahnsinnung zum Kriegsschauplatz einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA  und Russland avancieren wird jede Menge Platz für Onshore-Windparks geschaffen. 

Ein neuer Begriff kursiert: Impfartefakt. Gemeint sind Johnson&Johnson und Astra Zeneca. 

Sollte die WHO Recht behalten mit ihrer Prognose, dass sich in 2 Monaten mehr als die Hälfte der Europäer mit Corona infiziert haben verbringen die Überlebenden, die sich das Leben leisten können einen entspannten wenngleich zu heißen Sommer. 

 

Gestern

Omikron (eine trinkfeste Freundin nennt es Omikorn) könnte dafür sorgen das Versprechen es gebe keine Impfpflicht in Erfüllung gehen zu lassen. Derzeit nämlich beißt sich die allgemeine Impfpflicht mit der Sorge wegen Personalengpässen in der kritischen Infrastruktur. Zudem erzeugt die Variante eine quasireligiöse Hoffnung, sie bahne wegen ihrer hohen Infektiosität den Weg zur Erlösung von der Pandemie. Setzen wir unsere Hoffnung also auf ein hohes Maß an Durchseuchung bei niedriger Mortalität: denn im Gegensatz zur politischen Strategie erweist sich Omikron als verlässlich und absehbar. Es verbreitet sich mit Wumms und scheint seine Wirte (wenn auch nicht die Gastronomen) zu schonen. Wie sagte es die Freundin? Ich bin dreifach geimpft. Jetzt noch infizieren und ich bin optimal geschützt. 

Apropos Heilsbringer: man achte auf Gestik, Wortwahl und Kleidung von Karl Lauterbach seit seiner Krönung zum Gesundheitsminister. Glattgebügelt, scholzomatischer Sprachduktus, weichgespült wie ein echter Politiker. Nichts mehr von der gespielten Schusseligkeit eines Dieter Hildebrandt, die ihn wohltuend von frog-artigen Konturlosigkeit der politischen Kaste abhob. Ein trauriges Beispiel von Anpassungsfähigkeit. 

Ein Teil der Wut auf politische Entscheider mag von dem Eindruck herrühren, dass sie ihre derzeitige Machtfülle und ihre weiten Gestaltungsspielräume genießen, was mit dem zunehmenden Gefühl in der Bevölkerung korrespondiert, an Kontrolle über das eigene Leben einzubüßen. Immerhin, so hörte der Verfasser eine Bemerkung am Schalter eines Kiosks, werde ich hier nicht erschossen wenn ich demonstriere. Der Kioskpächter hob eine Augenbraue. So einer sind Sie also.

Der neue Asterix-Band: Asterix bei den Querdenkern. Miraculix entwickelt Impfstoffe. Majestix erlässt Corona-Verordnungen. Die Gallier haben aufgrund von Kontaktbeschränkungen Prügelverbot. Methusalix ist zwangsisoliert, auch seine Frau darf nicht zu ihm. Troubadix avanciert zum Vorsänger der Coronaleugner und behauptet in seinen Liedern, der Druide paktiere mit Julius Cäsar und mache den Zaubertrank wirkungslos. Asterix und Obelix brechen zu den Ostgoten auf, um den Druiden zurückzuholen, der von Coronaleugnern entführt wurde. Auch Dick und Doof unter Pandemiebedingungen wäre ein reizvolles Filmsetting. Spaß mit Masken. 

Keine Frage - Atomkraft ist eine nachhaltige Energie. Zeigt doch ein Blick auf die Halbwertszeit. 24.110 Jahre. 

 

Gestern

Die heutige Ministerpräsidentenkonferenz war - man ist es gewohnt - ein potpourri der Unklarheiten, die als klare Brühe verkauft wurde. Aus 2G wird 2G+, ansonsten hält man sich je nach Lage weitere Maßnahmen und ihren Zeitpunkt offen. Klar ist nur, dass man das Infektionsschutzgesetz in Infrastrukturschutzgesetz umbenennen müsste. Vom Infektionsschutz als Ziel hat man sich längst verabschiedet, der Fokus liegt längst auf der Eindämmung krankheitsbedingter Arbeitsausfälle. Also: verstärkter Druck auf die Ungeimpften und nun auch auf etwaige Boosterverschlepper, womit nun dreierlei Recht für drei verschiedene Bevölkerungsgruppen gilt. Drastisch geht die neue Regierung nicht vor - sie überlässt es Macron, das Unsagbare zu sagen: Impfverweigerer handeln verantwortungslos und verwirken ihre Bürgerrechte. Olaf Scholz spuckt derlei Töne nicht. Er bezeichnet sich als Kanzler auch der Ungeimpften, die er zum Impfen verpflichten möchte. Das erinnert an den Spruch von Eltern die zu ihrem Sprössling sagen: Wenn ich Dich schlage tut es mir mehr weh als Dir.

 

Gestern

Niemand redet mehr über die Corona-Warn-App. Auch nicht bei Markus Lanz. Stattdessen dreht sich das Gespräch um Personalengpässe in der kritischen Infrastruktur. Ein Weg dem entgegenzuwirken ist, es mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr ganz so genau zu nehmen. 

 

Gestern

Immer wieder  - heute von Jens Fiedler (ein Reim!), seines Zeichens Sicherheitsexperte der SPD (so jedenfalls vom Sender phoenix vorgestellt) - muss betont werden bei den Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen handele sich um eine Minderheit, die Mehrheit trage die Maßnahmen mit. Erfahrungsgemäß sind es in Deutschland in den allermeisten Fälle Minderheiten, die demonstrieren um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Wenn nun mit Inbrunst dieser Umstand hervorgehoben wird erklärt man im Kontrast zum Zweck des Demonstrationsrechtes die Belange dieser Minderheit für irrelevant, so als hätten Demonstrationen nur dann einen Zweck, wenn deren Anliegen mehrheitsfähig sind. Zudem sollen sich die rechtschaffenen Bürger, die an diesen irrelevanten Minderheitenveranstaltungen teilnehmen fragen, wer ihr Demonstrieren zweckentfremdet. Da man sich dies bei jeder Demonstration fragen könnte, kann man das Demonstrationsrecht aufgrund seiner möglichen missbräuchlichen Verwendung durch Dritte auch ganz abschaffen. Oder weitergehend: Rechte am besten insgesamt ruhen lassen solange sie in falsche Hände geraten können. 

 

Gestern

Die Immergrünen sprechen sich für Herrn Steinmeier als Bundespräsidenten aus. Schon der Name steht für Stabilität. Steinmeier - das klingt nach ausgestorbenen Berufszweigen, der Beweglichkeit von Grabsteinen. Das - so die Grünen - biete der Bevölkerung die notwendige Sicherheit beim Weg aus der Pandemie. Angststarre als Programm und ein vermintes Versprechen. Der Weg aus der Pandemie, so die Suggestion, sei ein Ende der Bedrohung. Dabei ändert sich lediglich eine Nuance: der Weg aus der Pandemie ist der Weg in die Endemie. 

 

Gestern

Das Geschenk zum Jahresbeginn: es gibt keine Virusvariantengebiete mehr. Da Omikron die vorherrschende Variante all überall ist wäre es (derzeit) in der Tat unlogisch Variantengebiete zu deklarieren. Für Reisende hat dies den Vorteil, dass Quarantänebestimmungen und Testpflichten gelockert bleiben. Ob es indes angesichts vertikal wachsender Infektionszahlen folgerichtig ist, Einreisebestimmungen relativ zahm zu handhaben, da es sich `nur` um den Transit zwischen Hochrisikogebieten handelt? Unter Infektionsschutzgesichtspunkten sicher nicht, doch es folgt einem Trend. Während in der Vergangenheit dauerhaft die Corona-Warnglocken schrillten, hat sich nun die Tonlage geändert. Omikron? Eine ernste Sache, zu ernst sollte man sie aber auch nicht nehmen. Schließlich sind die Infektionszahlen so hoch und schießen derart beschleunigt in die Höhe, dass man um die Aufrechterhaltung der Infrastruktur fürchtet, wenn alle Infizierten sich in Selbstisolation begeben - und jede Branche wird behaupten, sie gehöre zur kritischen Infrastruktur. Zuviel Angst vor dem Virus wäre da nicht hilfreich: nachher rennen die Infizierten noch scharenweise zum Arzt, um sich bei jedem Anflug eines Schnupfens krankschreiben zu lassen. Da ist eine Prise Verharmlosung und Lockerheit hilfreich. Auch Karl Lauerbachs Bemerkung er mache sich Sorgen um die Ungeimpften passt zum Strategiewechsel. Diese Aussage impliziert, die Geimpften müssten sich keine Sorgen machen und können ruhig zur Schule, in den Betrieb und in die Einkaufszentren strömen. 

 

Gestern

Geträumt Polizisten klingeln an der Tür. Teilen mit, dass Sie eine Hausdurchseuchung durchführen.   

 

Gestern

Karl Lauterbach sieht Licht am Ende des Tunnels. Wie sagte Helmut Schmidt: Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen. 

 

Gestern

Auch der letzte Tag des Jahres wird einer zum Vergessen sein. Das ist dann zugleich der Jahresrückblick. 

 

Gestern

Mit der Zungenspitze erforscht man die innere Struktur des zukünftigen Totenschädels, der jetzt noch ein Gehirn beherbergt. Man fragt sich wozu erzählen, denn nach einem kommt niemand den man kennt. Jeder ist der letzte seiner Art. Mit zunehmendem Alter und immer neuen Eskalationen von Bedrohung wächst das Verständnis für den Glauben, während man sich noch weiter als je von ihm entfernt. 

Ein ermutigendes Signal aus Belgien: `Wegen steigender Omikron-Zahlen sollten Theater, Kinos und Konzertsäle schließen, doch die Betreiber weigerten sich. Nun gab ihnen die Justiz recht.`(Eric Bonse, `Belgiens Kultur probt den Aufstand`, taz online, 30.12.2021). Begründung: `es sei von der föderalen Regierung nicht hinreichend dargelegt worden, inwiefern die Kulturstätten besonders gefährliche Aufenthaltsorte seien und zur Ausbreitung des Corona-Virus beitrügen.`- während die belgische Regierung gleichzeitig die Gastronomie unangetastet ließ. Ermutigend ist das Signal deswegen, weil hier mal nicht die Kultur als besonderer Gefahrenherd auf dem selben Niveau (oder gar schlimmer) wie Nachtclubs erachtet wird. Lockdowns von Kultureinrichtungen werden mehr oder minder unverblümt deswegen vorgenommen, weil man in ihnen einen Alibicharakter für anschließende alkoholschwangere und kontaktenthemmte Geselligkeit sieht, was empirisch nie belegt wurde und obendrein auf ein ebenso übles Bild von der sozialen Funktion von Kunst und Kultur wie auch von den Menschen schließen lässt, die sich für Kultur interessieren.