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Hannes Oberlindober: Verlustvortrag

jetzt anhören 🎧︎ auf der Website der Literarischen Gesellschaft Bochum.

Der Imperativ einer Autoren-Website lautet: Man stelle sich vor. Die peinliche Frage: Welches Bild gibt man ab? Ich möchte mit der Person auf diesem Bild verwechselt werden. Daher die Wahl dieses Fotos.

Mir liegt das Schreiben im Blut. Wie anderen Leuten das Essen im Magen. Klagte mir einst ein aufstrebender, niedergedrückter Erzähler. Eine unappetitliche Analogie von Schrift und Ferment. Die Person im Bild schreibt, weil man schweigen soll über das, worüber man nicht reden kann. Über das Unsagbare das eine oder andere Wort verlieren (es dadurch zu behalten, und das nicht nur für sich) ist Triebfeder ihrer Autorenschaft.

Die Erinnerung ist nicht hinlänglich vergänglich. Schreiben zeigt dem Vergessen die Grenzen auf über den Limes unserer Geburt hinaus. Das Grauen vor unserer Zeit beeinflusst, ob wir uns im Krieg oder im Frieden befinden (mit uns und den anderen). So unvergänglich die Erinnerung ist, so unzugänglich ist sie. Sie zu konkretisieren nimmt ihr den Schrecken, aber nicht ihre Wirkung. Wer Zeichen setzt riskiert ein Chronist des Grauens zu sein. Wer sich dazu berufen fühlt ist zu Misstrauen und Skepsis verpflichtet.

Es steht geschrieben heißt: Du sollst glauben! Verfasse nicht Deinen eigenen Reim auf die Zusammenhänge! Ich kann es nicht glauben. Ich halte mich nicht an die Vorschrift. Das bedeutet es, zu schreiben. 

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