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Auszug:

Jokari

„Diptychon“

Das sind Geschichten und die sind geklaut  ****************

 “You can`t be Shakespeare and you can`t be Joyce / but you want to land ahead.”

(Lou Read)

Status-Report, Singer-Kaplan-Verlag, Dezember 1991.  
For your eyes only  

Bearbeiter: PRE-DATER  

Item: Exposes.  

Seltz, Karl

Der Y-Effekt – eine Enthüllung. 

Recherche über dementierte therapeutische Effekte psychopathologischer Zustände, konz. auf 280 Seiten. 

 

Publikationen: “Der Dosenkrieg” (Wallraff Verl., 1989).

„Longest Idol“ (Baby Bell Publishing, 1990)  

 

Der Autor, der unter falschem Namen in verschiedenen psychiatrischen Anstalten gearbeitet haben will, führt hierin  Statistiken an, die besagen, daß Schizophrene weit seltener unter Zivilisationskrankheiten (Krebs, Viren, MS etc.) leiden, als normale Personen. Statt diesen präventiven Effekt zu nutzen, indem man schizophrenie- und psychoseförderliche Lebenswelten forciert, stigmatisiert man die “Psychisch Auffälligen”, und die damit verbundene Isolierung der betreffenden Personen führt dazu, daß sie an einem an sich nicht negativem Zustand zu leiden beginnen und ihr Anderssein als Schuld interpretieren. Das Wissen um die schädliche Dimension der Normalität besteht, wird aber von den Pharmalobbies, den Gewerkschaften, Großkonzernen und Call Center-Betreibern unterdrückt

 

Auszug: 

erübrigt sich, weil die Vermarktungsstrategie in diesem Fall gar nichts mit Qualität und Gehalt des Textes zu tun hat, was ja in der Regel wenigstens geringfügig der Fall ist..

 

Bewertung: Ödes Sachbuch mit wissenschaftlichem Anspruch, also dröger Schreibe. 

 

Vorgehen: Interesse bekunden. Reißerische Aufmachung aus Gründen des Marketing (zu Cover, Layout, Klappentext vgl. Datei “Enthüllungsjournalismus” darin: Wallraff) populärwissenschaftlichen bis unseriösen Anstrich geben. Elimination von Fußnoten und wissenschaftl. Termini. Publizieren i.d. Reihe “S.K. Forschung und Alltag”, Paperback, probeweise Aufl. 2000. Verschickung an sämtliche Universitäten und Esoterik- Buchläden. Vorab einige inhaltliche Fragen mit dem Autor klären (Was zum Teufel sind Call Center?).



Trigonis, Yannis

Das ungeborene Buch  

 

Sachbuch, konz. auf 3 Bände a 300 Seiten. Wird eine Anthologie unvollendeter Bücher, deren Autoren vor Fertigstellung des Textes gestorben sind (Pascal, Merleau- Ponty vgl. Datei “Phil”).  

 

Publikationen: “Das große Lexikon der Lexika in 20Bd.”  (Ed. Neues Blatt, 1958 - 1974), “Das große Buch der Biographen” (Agil&Senil Verl., 1982).  

 

Auszug (Vorwort): 

“Was ist ein Gedanke? Diese Frage stellt sich gerade anhand der Magie des unvollendeten Buches, von dem wir wissen, daß das Gedankengut, vielleicht das gesamte Buch im Bewußtsein des Autors schon existierte. Kann, was schon da war, verschwinden? Ist der nicht ausgesprochene, nicht geschriebene Gedanke nicht existent, weil er kein erkennbares materielles Substrat hat? 

Nein. Der Gedanke und die Zelle des Körpers, sie sind beide eine Weise von Information. Und Information - wie Energie - geht nicht verloren, sondern wird nur transformiert. An uns ist es, die Spur der Transformation zu finden.” 

 

Bewertung: eingängiger Duktus mit metaphysischer Note. Wird Anklang finden vor allem bei älteren Leuten, daher nicht unbedingt zum Image von Singer u. Kaplan passend.  

 

Vorgehen: Ev. mit Empfehlung und Optionen (Anspruch auf Publikation von Paperback-Ausgabe) an Luchterhand oder Grauwolf-Verlag weiterreichen.  



 Lucas, Heinrich

Tote und Tabus

 

Sachbuch, konz. auf 230 Seiten. 

 

Untersucht Zusammenhänge zwischen Schautrieb und Informationsvermittlung in der Geschichte der christlichen Religion und in der modernen Mediengesellschaft. . 

 

 Publikationen: “Der Bi-Gott. Plädoyer für eine androgyne Religion” (Theologische Diss., Karel Gott Verl. Braunschweig. 1985) “Vertraue denen die dich zum Heulen bringen - sie wissen, wo es Wasser gibt.” (Harenbergs bibliophile Taschenbücher, 1987) 

 

Auszug: 

Die umstrittene Szene aus Gesichter des Todes: Doku-Horror als Fiktion eines vorweggenommen Todes des Betrachters, der denken kann “Gott sei Dank noch nicht und nicht so”? Man könnte ja ob dieser Erleichterung prophylaktisch zum Katholizismus konvertieren. Doch das vergeht einem sofort, sieht man das an Christus gemahnende Blut des Delinquenten unter der Augenbinde hervorquillen, den kochenden Speichel, der den armen Teufel in das Zerrbild einer tollwütigen Justitia ebenso verwandelt, wie der gesamte Akt ein zynisches Echo auf jene Kreatur ist, die durch Elektrizität nicht getötet, sondern von den Toten geweckt wird. 

Beim Betrachten dieser unerträglich lang anhaltenden Ästhetik der Widerstände sehnt man sich spontan nach einem Liebesakt, um der nihilistischen Trostlosigkeit dieser Bilder eine lebensbejahende Aktivität entgegenzusetzen. Zumindest bietet sich als Kontrast an, im Anschluß das Videoband von Wenn die Gondeln Trauer tragen in den Bildertoaster zu werfen und schleunigst zur hinreißenden Beischlafsequenz mit D. Sutherland und Julie Christie vorzuspulen. 

 

Bewertung: Unzumutbar. Hanebüchen. Weinerlich. Sülzig.

 

Vorgehen: Todsicheres Kultbuch Gutbetuchter. Veröffentlichung als Sonderausgabe in SuK. Wissenschaft und Alltag. Autor um weitere Szenenfotos und Illustrationen bitten.

 

Gestaltung: HC 7000, kein PB in den ersten zwei Jahren. Hautfarbener Ledereinband mit purporrot eingravierter Schrift. Merchandise-Strategie siehe Datei “Viril.txt”. Verk.pr. in jd. Fall dreistellig.

 

Roste-Hülshoff, Wiglaff,

Therapie und Mittagspause - Vorübergehende Geschichten,

Prosa, Short-Stories, Dialoge, konz. auf 140 Seiten.  

 

Publikationen: “Der Blindenhund Doppelpunkt” (Mastino- Verl., 1983) “Ich wollte Röcke” (Raffhans, 1990) “Der hyperaktive Parkplatz” (Raffhans, 1991)

 

Geplant als Mixtur aus Sit-Com, Satire und Science- Fiction. 

 

Auszug: 

als Auszug liegt vor das Protokoll einer Gesichtsverhandlung, in der eine Person mit Multiple Personality Disorder nach einem Selbstmordversuch des versuchten Mordes an sich selbst beschuldigt wird. Da sämtliche ihrer Identitäten im Sinne amerikanischen Rechts juristische Personen sind, wird sie wechselweise als Zeugin, Klägerin und Angeklagter vernommen, und stellt obendrein die Jury, den Staatsanwalt, die Richterin, ja, überhaupt alles und jeden. 

 

Bewertung: Idee zwar abgekupfert von LA Squaw, Samplen ist jedoch auch im Bereich der Literatur absolut “HIP”. Heikele Passagen (“...sind sie sicher, daß es Masturbation war? Könnte es nicht ebensogut sexuelle Nötigung gewesen sein?”) könnten, da die Staatsanwälte und Richter nach Abgeordneten der LSDAP (Legalize Shit Dope and Peyote) benannt sind, zu juristischen Komplikationen führen. Abwägen, ob publicityfördernd oder -schädlich. Rücksprache mit Autor. Vorschlag: Namen durch Namen von Film- oder Comicfiguren ersetzen.

 

Vorgehen: vgl. Max Geldt. Cover-Gestaltung variieren. Anfrage ev. bei Siebert, Matthias (siehe Datei  “CART.TXT”).  



Sprinkle, Annie 

 

Sterbe nicht, ohne Deinen Hund verkauft zu haben (Don`t die without having your dog sealed)

übers. ins Deutsche von Armin Reich-Rohstahl, Roman, 336 S., nominiert für Gary Larson Award, 1991.  

 

Geschichte eines zweitklassigen Werbetexters, der sich auf der Suche nach Inspiration freiwillig mit einem tödlichen Virus infiziert.  

 

Publikationen (im Deutschen): “Das mongoloide Genie” (Ullstein, 1985), “Epiladykiller” (Ullstein, 1986), “Die Toten sind mächtige Herrscher oder: Der Preis der Stille” (Ullstein, 1987), “Das anatomische Edikt”(The Incredible Ulk Verl., 1987), “Der Salzkasten” (Ullstein, 1988), “Anorexie in antiker und moderner Literatur” (Pieper&Riepe, 1988), “Metzger/Cutter - Die Geschichte einer Umschulung” (Ullstein, 1989), “Schießbefehl im Strandcafe`” (S.u.K., 1990).  

 

Auszug: 

“Ihr seid die wahren Helden”, flüsterte er der wie Dominosteine in die Polster gefallenen Familienidylle zu, “die ihr in der Couch hockt und von dort Tod und Teufel nicht fürchtet, all das Geschehen begleitet mit derselben, absolut heroischen Ungerührtheit, derselben Unerschütterlichkeit und derselben stolzen Herablassendheit dem Hunger, dem Sterben, dem Wahnsinn gegenüber.”

In der Hand des Familienvaters hing als schlaffes Szepter die Remote-Control. Veidt nahm sie an sich, zapte zu den Simpsons, zu Falcon Crest, zu einem vergötterten Showmaster mit holländischem Akzent, süffelte an einem Glas schal gewordenem Wegweiser und zog, mit Samthandschuhen, leise die Tür hinter sich zu. Die Vorher/Nachher-Kampagne nahm immer deutlicher Gestalt an in seinem Kopf, vergleichbar dem Bild einer Sofortbildkamera, das vor seinen Augen aus dem Grau des Photopapiers hervortrat.”  

 

Bewertung: RedunDante (siehe Reputation). Sicherer Bestseller bei entsprechender Vermarktung. Autorin jung, gutaussehend, Jellinek-Effekt, Amerikanerin. Klappentext mit Rezensionen “NYT” (Kurt Vonnegut jr.jr.), “Life Style” (Martina Navratilova), “Life” (Margaret Eatwood), “Litrichure” (Kathy Acker) u.a.  

 

Vorgehen: schnellstens in Druck geben, 20 000 Exemplare gebunden (34. 80), 60 000 TB (12.80), Covergestaltung ev. A.R. Penck. Absolute Priorität vor anderen Projekten.  



Dufter, Gernot

Das Sphinx-Syndrom

Sachbuch, konz.  auf 280 S.  

 

Beschäftigt sich mit der Unterdrückung von Geschmacks- und Geruchssinn als Medium der Erkenntnis in einer audiovisuell orientierten Gesellschaft.  

 

Publikationen: “Der Killer als Komödiant. Eine britische Analyse des zeitgenössischen amerikanischen Films.” (UTB, 1985) “Allmächtige Alltägliche: Die beispiellose Karriere von Jean Claude van Dammriß und Chuck Noriß”  (WBV, 1989)  

 

Auszug Kap. “Geruch und Differenz”: 

“Sinnbild des entwerteten Geruchssinns ist die abhandengekommene Nase der Sphinx. Ihrer Göttlichkeit tut dies keinen Abbruch, doch vielleicht schweigt sie erst seitdem? Was wohl hätte sie zu sagen, hätte sie noch sämtliche Sinne zusammen? Der Nase nach, ein Näschen haben, einen Riecher haben sagt der Volksmund und meint damit, etwas aufspüren, etwas antizipieren. Der Detektiv ist ein Schnüffler. Und der Spürhund ein willkommenes kriminologisches Instrument. Doch die moderne Zivilisation versagt sich dem Geruchssinn als Medium der Erkenntnis, weil sie eine Identität des Sinnlichen und des Erkennens ablehnt. Das Auge hält die Welt auf Abstand, es fühlt nichts, es berührt die Welt nicht, es inhaliert sie nicht. Es suggeriert eine durch Trennlinien bestimmte Welt, die nur in Distanz zu uns existiert, und dennoch nehmen wir diese Welt fürwahr, während uns die Diffusion der Gerüche und Geschmäcker als irreführend erscheint. 

Aus gutem Grund: wie ungleich schrecklicher wäre die Übertragung eines Flugzeugabsturzes als olfaktorische und haptische Nachricht? Stattdessen: neben dem zu einer Memory- Karte formatierten Bild des Panzers, der einen Passanten überrollt - der Tod als fein säuberlicher Auschnitt in neutralem, hellblauen Hintergrund - ein TV-Moderator mit Schweizer Akzent im Well Cut Suit eines Pariser Herrenausstatters. Kein Geruch von Schmieröl, Blut und Erde, sondern die Embleme von Armani, Joop oder Jil Sander. Das Weltgeschehen präsentiert sich in Hygiene und Geometrie eines Mondrian-Gemäldes und erscheint ebenso abstrakt: die Kriege erstarren zu einer Art Deco. Nicht von ungefähr ist Differenz unser Deckname Gottes; wir wollen sehen, wovon wir uns unterscheiden und fühlen uns umso behaglicher, je deutlicher man es uns vor Augen führt. Könnten wir es riechen, so bedeutete dies eine unangenehme Vermischung unseres Schicksals mit dem der Anderen. Ergo: die reale Nähe dessen, was im Bilde nur Anderen zustößt.”  

 

Bewertung: Hofstädter-Effekt möglich. Für eine breiten Leserkreis zu komplex, dennoch geeignet für breiten Käuferkreis, da Vermarktung als “Status-Buch” mögl (vgl. Datei “Vit.txt” darin: TBS. Scholl-Latour, TBS. Hofstädter, TBS. van Ditfurth).  

 

Vorgehen: Multimediale Vorankündigung. Im Vorfeld der Publikation öffentl. Diskussion des vom Autor vorgeschlagenen “Duft-Alphabets”. Cover-Gestaltung: Bild v. Saccarus-Infans: “Parfüm”. Reihe “S.K. Wissenschaft und Alltag” 1. Auflage: HC 20 000. Kein PB. Preisempfehlung: 39.80.  



Barnard, Christian, 

Vivisektionen  

 

Novelle, 111 Seiten. Ich-Erzähler ist das Hirn eines Vaters, das in den Schädel einer hirntoten Schwangeren implantiert wurde und auf die Geburt des Kindes wartet.  

 

Publikationen: “Tausendundein Tod” (Corona-Verl., 1991)  

 

Auszug:

„Mit dem Fluch der Pharaonen wird nicht nur die Königin, sondern ihre Dienerin belegt. Schatzkammer = Leichenhalle. Für das Gesinde sind Tod und Reichtum zwei sich gegenseitig hervorbringende Bedingungen von Enteignung. Der letzte Gedanke vor dem Erstickungstod gilt einer Ungerechtigkeit. Nichts davon gehört mir...nichts davon gehört sich...

Zu dienen ist keine Sache der Gerechtigkeit. Selbst wer der Gerechtigkeit dient, dem widerfährt sie noch lange nicht. Es hätte ihr klar sein sollen, daß sie, ihr Leib und seine Frucht, meinem atemberaubenden Projekt Sanfte Geburt dienen. Ihr Körper ist eine Unfreiwillige für die Eiserne Lunge. Sie ist ich, mein Hirn in einer toten Schönheit, die den Geist nicht aufgeben kann. Ihre waidwunden Augen sind so justiert, daß sie auf den Monitor blicken, der live aus ihrem Unterleib sendet. Manchmal strampelt das Beinquartett des kleinen Janusköpfigen, ich kann es verschwommen sehen und ein bischen fühlen, dank der von Dr Janice Med. Usa vorgenommenen Synpapsenverschränkungen, eine Technik, die leider noch nicht entwickelt genug ist, als daß ich auch nur ihren kleinen Finger rühren, mit ihren Lidern flattern oder selbständig atmen könnte. Das Verhältnis zwischen meinem Geist und ihrem Körper ist so gesehen Metapher unserer gestörten Kommunikation: ein Schnittstellenproblem. Ich erleide tausend Qualen, deren physisches Äquivalent den Organismus längst ruiniert hätte - wenn man ihn noch urinieren könnte. Die Klaustrophobie, die Panikattacken, die Angst vor einer Fehlgeburt vermag selbst Janice Mutterkorn nur geringfügig zu dämpfen. Doch das Ende des Leidensweges ist absehbar. Die künstliche Beatmung ist so kallibriert, daß ihre Lungen immer minimal mehr aus, als einatmen. Ich werde sehr sehr müde...

Wenn die Geburt erfolgt ist, gibt Dr. Med. Usa das Signal, und endlich kann ich abschalten. Nur eins würde ich als fürsorglicher Ehemann und auf den Hippokrates-Eid eingeschworener Arzt zuvor gerne erfahren, obschon es einerlei ist...wie es dem Hirn meiner Geliebten in meinem zurückgelassenen Körper ergeht.“

 

Bewertung: Idee abgekupfert von Peter Jacksons Brain Dead (siehe DAT.CIN. “Gore Award”) und Blake Edwards Switch. Zudem wurde uns der betreffende Datenträger aus der Konkursmasse von KiWi zugespielt. 

 

Vorgehen: Vorsicht! Trojanischer Text! Vermute Attentat von konkurrierenden Verlagen, um uns zu unvorsichtiger Publikation zu verleiten. Zudem soll als Paradigma zeitgenössischer, psychotischer Literatur Die Psychologie der Quanten vermarktet werden (gehezu: selbe Dat. psy).



Bouldrian, Jean-Claude

Das simulierte Ich ( “Je/u vexierre”)

Aus dem Franz. v. Bianca Martini, Sachbuch, 314S.  

 

Publikationen: “Taylorismus in der seriellen Kunst” (Spröde&Dürr, 1969) “Selbstorganisation und De jas Vus - die Umkehrung der Linearität von Zeit im Unbewußten.” (Merde, 1975) “Traumzeit und Realzeit bei den Aboriginis und in der Psychoanalyse.” (Suhrkamp, 1978) “Golden Showers und Brown Sugar: Versuch über die Semiotik des pornographischen Films” (Marder, 1979) “Zom Zoom - Voodoo-Kult und zeitgenössischer Film” (Ed. Tetris, 1979), “Das rheologische Medium.” Essays zum Film (Hrsg.) mit Texten von Virillio, Metz, Irigaray, Silverman u.a. (Suhrkamp, 1981), “Der Alibert des Herrn Lacan” (Insel-Verl., 1985), “Teiresias Kino. Überlegungen zur Visualität bei Blinden.” (Quadriga, 1987), “Wenn Ich ein Anderer ist, wer ist verantwortlich?” (S&A, 1989) “Von Leather Face zu La Fura del Baus und Geoff Darrow - Eine keine Kulturgeschichte der Kettensäge” (Catalan, 1991) “Die klingonische Heraldik als morphogenetisches Feld”(Rohling u. Plunder, 1992)  

 

Philosophischer Diskurs in Form eines Interviews, in dem Interviewerin und Interviewter die männliche und weibliche Seite derselben Person sind. Thema sind vor allem die sozialen Implikationen der zunehmenden Ununterscheidbarkeit von echter und simulierter Welt.

 

Auszug: Kap. “Simulation und Stimulanz”.  

B: “Sie stimmen Pynchon also nicht zu, der in einem Interview mit Westword Cyberspace als eine Hochgeschwindigkeitssackgasse bezeichnet?”  

B:”Das erscheint mir als Fehleinschätzung eines nicht  toten, sondern verklemmten Amerikaners, der in seinen eigenen Texten nur mit einem verlegenen “Äh...Tja” zu Wort kommt. Eine derart ideale Synergie von Ökonomie und Entertainment, von Konsum ohne Abfall ist kein Aprilscherz oder Silversterblindgänger. Cyberspace bedeutet vor allem Umweltschutz und Hilfe für die Dritte Welt...” 

B:”...Klingt etwas aus der Luft gegriffen, diese Hypothese...”  

B: “Oh nein. Die platzsparende Erweiterung des Spielraumes, den die Person benötigt, in die Fläche hinein, ist ein unverzichtbares Verdienst von CS. Im Idealfall braucht der reale Mensch sich nicht vom Fleck zu rühren, konsumiert weniger, verbraucht weniger Sauerstoff und Wasser, erzeugt weniger Schadstoffe und Kosten, was der Dritten Welt...” 

B: “Finden sie nicht selbst die Vorstellung von - sagen wir - fraktalem Sex als Data-Suit-Orgie nervtötend?”  

B: “Im Gegenteil. Gerade im Zeitalter von AIDS wird eine dahingehende Umorientierung nötig sein. Sex ist ein Mythos, der wirksam ist, solange einem verwehrt bleibt, sich eine vielfältigere Welt zu generieren, als diejenige, der der Organismus aufgrund seiner Trägheit und Begrenztheit angehört.”  

B: “Stichwort Vielfalt. Sind nicht die starken fundamentalistischen Bewegungen - auch in der westlichen Welt, ich erinnere nur an die 4 Prozent ultraorthodoxen Moslems bei der letzten Wahl in Spanien - ein Indiz für ein Streben nach Einheit, das ihrem Credo der semiotischen Emulsionen eher in die Quere kommt? Es scheint doch, daß die Vielfalt einer Informationsgesellschaft vielfach als Marodisierung wichtiger Fundamente gesehen wird...”  

B: “Das ist ein soziales Problem. Armut und  Kulturlosigkeit suchen Zusammenhalt, während eine mit Informationen und Nahrung versorgte Gesellschaft sich an Knüpfen und Aufknüpfen von Zusammenhängen erfreut, und auf Zusammenhalt verzichtet...das ist wie bei einem Formationsspringen. Man rudert durch die Luft aufeinander zu, bildet eine Krambola, löst sich und versucht eine andere Formation...oder geht einzeln zu Boden und es ist auch gut.”  

B: “Wenn man nicht gerade zu weit abtreibt...”  

B: “Wenn man nicht gerade zu zweit abtreibt.”  

 

Bewertung: Formale Auflockerung kaschiert akademischen Charakter des Textes nur notdürftig. Gedankengänge (etwa. Programmieren als Grundschulfach, Wahlrecht für PCs mit Parallellprozessoren) jedoch hochinteressant.  

 

Vergehen: Publikation in “S.K. Wissenschaft und Alltag”. Autor ist an Prostatakrebs unheilbar erkrankter Professor an der Columbia University. Koppelung des Textes an einen melodramatischen Nachruf. Mit Publikation bis zum Tod des Autors warten. Paperback Aufl. 100 000, 16.80.  



Kaste, Jo, 

Schabernakel-120 pataphysische Gedichte 

Lyrik, konz. auf 135 Seiten, mit Illustrationen von Djuna Reuter.  

 

Analytische Gedichte (beispielhaft der Text”Traversage”:

”Etage/Agave/Versager/Vers/Sager/Sarg  /Arg.”).  

 

Publikationen: “Cebions Aufstieg” (Vita&Minne, 1949) “Allerdings Wunderlampe” (Okkult-Verl. 1959) “Ich? Wo?” (Quadriga, 1969) “Geodätische Gesänge” (Mehrtürer, 1979), “Denunziergärten” (Mehrweg, 1989).  

 

Bewertung: ohne Unterhaltungswert elitär. Kommerziell uninteressant.  

 

Vorgehen: Vermittlung an Reclam, falls kein Interesse mit üblichem Vordruck zurück an Agenten. Rückruf ev. wegen Illustrationen (falls es an Cover-Gestaltern mangelt).  



March jr., Frederic

Die Psychologie der Quanten

Sachbuch, konz. auf ca. 600 Seiten  

 

Basiert auf der Theorie, daß die Distanz physikalischer Weltbilder zu den unmittelbar wahrnehmbaren Dimensionen ein bisher unentdecktes Symbol ihres psychologischen Ursprungs ist. Jedes Modell läßt sich March zufolge am besten anwenden auf das Gebiet dem es entlehnt wird und wird tatsächlich angewandt auf das Gebiet, von dem es am meißten entfernt ist. 

Cave: Skript z.T. aufgr. v. Verschmutzungen schwer leserlich.  

 

Publikationen: “Ergodische Axone, Stammheim Overkill”  (Aplysia, 1979), “Zirka Diane Rhythmen. Hirnhautmilben, Dendriten.” (CAMP-Verl., 1983), “Unbewohnte Temperaturen und andere thermodynamische Aphorismen” (SCN Verl. 1985), “Rechtsgerichtete Chiralität in Nazi-Einweckgläsern” (Sieg ohne Ende- Verlag, 1989)  

 

Auszug: (Kapitel “Gilt Einstein auch in der Magengrube?”) 

“Ich ist ein Anderer” ist der fundamentale Satz der Quantenpsychologie. Er erklärt das (... Zeilen unleserlich...) ihm aber immer der Andere voraus ist. Michael Chrichton schreibt in Tyrannosaurus Contergan: “Wenn das Unbewußte der Diskurs des Anderen ist, existiert immer einer der besser schreibt.” Eine Psychoquantenverschränkung definierert sich als Feld der Bedeutung, dessen Ausdehnung sowohl synchron als auch diachron ist. Ein beliebiger (...folgende Zeilen unleserlich...) litt unter gar nicht lauen, sonder lauten Flatulenzen, weil er mit offenem Munde unter einem Pflaumenbaum einnickte. Resultat war die Theorie des gekrümmten Raumzeit-Kontinuums.” Eine geringfügige Störung der Homöstasie (minimale Abweichung des inputs) ruft nach wenigen Iterationen eine rasante Beschleunigung der Fluchtgeschwindigkeit hervor, mit der Bezugssysteme sich relativ zueinander bewegen (folgende Zeilen fehlen). Der alberne Einstein reagierte mit seiner dromozentrischen Theorie auf die exponential wachsende soziale Bedeutung (...folgende Zeilen fehlen...) des beschleunigten Bezugssystems wiederum nähme den rasenden Verfall des langsamen Bezugssystems wahr. Innerhalb ihres Bezugsystems altern beide gleich schnell.”  

 

Bewertung: Spekulativ, ohne jede empirische Genauigkeit.  

 

Vorgehen: Historisch-kritische Ausgabe. Als zeitgenössisches Paradigma psychotischer Literatur (s. Dat. SCHREBER) promoten. Hardcover 5.000 a 79.80, Covergestaltung: schlichtes Schwarz, lichte Schrift. Warnung: Autor auf keinen Fall über Vermarktungsstrategie informieren.  



Manni Binz, “Bärchen” Rohde (Hrsg.),

Opel Magnum - 1000 bockstarke Mantawitze.  

 

Publikationen: “Ich bin auch ein Verschiedener - 1000 bockstarke songs zum Thema Fremdenhass mit Texten von Abgeschnallte Fahrschüler bis The Undertaker  (Eichhorn, 1991 T)  

 

Achtung! Diskette ist ein Blindgänger! Diese software ging eigentlich an Eichhorn und sollte den Verlag sanieren, landete jedoch aufgrund postalischer Irrungen und Wirrungen bei S.u.K.  

 

Vorgehen: Verwahren und nicht an Eichhorn weiterleiten!  

 

S.u.K. haben angesichts der angespannten Finanzlage und des knappen Etats durchaus Interesse am Konkurs eines Konkurrenten. 



Pfister-Stanzl, Manuela, 

Der Mythos als  Zwangsneurose

Sachbuch, konz. auf 360 Seiten.  

 

Grundthese ist, daß antike und moderne Mythen grundsätzlich eines Protagonisten bedürfen, der den Mythos durch irrationales Handeln konstituiert und vorantreibt.  

 

Publikationen: “Ulysses and The Case of Charles Dexter Ward - Two Gothic Novels of Absence” (Brainiac Verl. 1973) “Vertriebene Werke - eine kritische Analyse im Exil entstandener Texte von Anand bis Zbgorski” (Defloration Reader, 1978) “Angst als Ironie der Lust - eine Typologie des angloamerikanischen Cartoon of Cruelty” (Squeak the Mouse Verl., 1981) “Die Geschichte einer Indiskretion. Zum seelischen Voyeurismus der Psychologie.” (Blaue  Säule, 1982), “Alles Müller oder was - Das deutsche Theater der Gegenwart” (Blaue Säule, 1985) “Die Omelett-Maschine”(Cracked Egg Verl., 1988) “Widerstand-Gewalt-Ästhetik”(S.u.K., 1989)  

 

Auszug (Vorwort): 

“Der Schrei des Ödipus wird in Passolinis Verfilmung eine Angelegenheit der Gemäuer, die ihn über die Jahrtausende bewahren und ihm Gültigkeit verleihen bis heute. Bei Passolinis chiffrierter Farce begründet vor allem die Borniertheit und Dummheit des Ödipus das, was die Psychoanalyse so gern als zwangsläufiges Geschehen verkauft. Wer prophezeit bekommt, daß er seinen Vater erschlägt, sollte keinen Unbekannten erschlagen, schon gar nicht auf der Flucht und aus purem Stolz. Wem geweissagt wird, er werde seine Mutter begatten, sollte bei aller Geilheit den Verkehr mit älteren Frauen meiden. 

Dass Ödipus dennoch Hand anlegt an Vater und Mutter, läßt ihn als Dummkopf erscheinen. Die Moderne jedenfalls erweist sich in all ihrer Armseligkeit, indem sie dieses negative Vorbild zum Segen der Psychiatrie, Pharmazie und Filmemacher akzeptiert. Ein anderes, modernes Beispiel: R. Scotts Thelma und Luise. Wie sollte der in Butch Cassidy und Sundance-Kid begründete Mythos fortleben, kämen die Protonanistinnen auf die naheliegende Idee, die Fahndung etwa durch Wechsel des Fluchtfahrzeugs zu erschweren. Ein weiteres Beispiel für Scheuklappen, die die Dramaturgie des Mythos dem Protagonisten auferlegt, ist Martin Sheens Quellfahrt in Apokalypse Wow. Auf die Frage, was denn Kurtz (Marlon Brando) verrückt gemacht haben kann, erhofft er sich Aufschluß aus dem Text vor ihm, während die Antwort links und rechts an den Ufern des Flusses, den er aufwärts fährt, permanent präsent ist. Interessanterweise fallen selbst Parodien der Suggestivkraft der Mythen zum Opfer, die sie zunächst brillant ironisiert haben. Bestes Beispiel ist David Lynchs amerikanische “Coronation Street”: Twin-Peaks. Als Mörder der Laura Palmer enpuppt sich der von den “Alten Wesen” beherrschte Vater - nicht etwa Robert  diekünstlicheNiere, der ohnehin nichts nicht ist und den man hascheffekterisch als J.R. demaskieren könnte, der Anthony Hopeskins in der Maske Patrick Swayzes ist, der ein Dialysegerät namens Nummer 5 ist” 

 

Bewertung: Populärpsychologisches Brevier mit agitatorischer, antipsychologischer Note (vgl. Datei “Antipsy”). 

 

Vorgehen: Bekanntheitsgrad des Autors, sujet und die Einarbeitung von Paradigmen zeitgenössischer Populärkultur sprechen für eine Publikation. Interesse bekunden. Gestaltung DIN-A4 mit Photoillustration. Reihe “S.K. Wissenschaft und Alltag”. Voraussichtliche Auflage 30 000.  



Meissner, Reinhild, 

Mi Go

Novelle, konz. auf 110 Seiten.

 

Expose läßt auf einen als alltägliche Geschichte getarnten Metatext schließen. 

 

Publikationen: “Die Revolte der Stummfilmfiguren” (Freuden & Flusser, 1873), “Der Stau in der Mikrowelle” (Freuden & Flusser, 1975), “Der Erdbeermann im Schatten des Reaktors” (Bank u. Rott, 1977), “Der schwerbehinderte Helikopter” (More Beat Club, 1983), “Paradoxien im Urlaub” (More Beat Club, 1983) “Tod in Risotto” (Rotbuch, 1987), “Bekenntnisse eines Pornographen- Kühlschranks” (Barr&Kerr-Verl. 1989), “Der Grabstein mit der Aufschrift Swamp” (Lebenslust-Verl., 1990). 

 

Auszug: 

“Fridged Pink - das Sorbet aus Campari, Aspirin und Plasma. Gibts jetzt bei Artic. Nur bei Artic.” Wer sagts denn? Die Haut ist ein Gletscher. Und die Haut apert Untermieter aus, nachdem sie sie zermalmt hat. Der da hat noch die Gletscherbrille auf. Ein Poet, der ihre Kälte als Frische pries. Er war eine Episode. Episoden sind da um erzählt zu werden. Wozu sie zunächst unter die Haut gehen müssen. 

Zerrissene Seilschaft. Den Kollegen fror sie weiter südlich ein, in Kniegegend. Man muß begraben, überwinden, umwälzen. Bis die Ereignisse eine Visite von Stippen werden. Um nur Zeichen wahrzunehmen, nichts anderes, muß man alleinsein, in der bitteren Armut der Weite. Jenseits der schwebenden Kornfelder. Im Innern des Eises.  

 

Bewertung: L`escriture feminine. Metaphernlastig, geringer Unterhaltungswert.  

 

Vorgehen: kein Interesse bekunden. Übl. Vordruck an Autorin oder Agenten.  



“Friends of Difference”,

Kursbuch 2000 - ein fiktiver  Katalog 

Prosa, 123 S. 

 

Autorenkollektiv aus Duisburg-Ruhrort. Fiktiver Prospekt eines großen Buch-und Musikverlages mit Vorankündigungen der Neuerscheinungen des Jahres 2000. Den Titeln sind kurze Beschreibungen der erfundenenen Bücher und CDs beigefügt.  

 

Publikationen: Keine. 

 

Auszug: Erübrigt sich

 

Bewertung: Überflüssig. Kein Empfehlungsschreiben.  

 

Vorgehen: Zurück an Postfach mit übl. Vordruck.
 

 

Bodet,V., 

Der Kronzeuge (“Sexploiter”)

übers. a.d. Amerikanischen v. Erwin C. Dietrich), Roman, 331 S.  

 

Publikationen: (im Deutschen):”Mein Hirn ist ein Altersheim” (My Geriatric Brain), (Rohrohroh, 1989) “Simply Shit” (Rohrohroh, 1989) “American Dildo” (Rohrohroh, 1989), “Uzzi does it” (Rohrohroh, 1989), “S.M.- der Bulle mit der Faust aus Sahne.” (Rohrohroh,  1989). 

 

Bekenntnisse eines kokainsüchtigen Kameramannes, der sich Sucht und Lebensstil durch Abdrehen illegaler Filme finanziert und seine Gedanken auf ein Diktaphon spricht, das er einem Verlag zuschickt.  

 

Auszug (Mittelteil):

 “In meiner Kühltruhe: nur Filmbänder und Dom Perignon. Jahrgang 59. Wie ich selbst. Vom Feinsten. Während Andere sich den Arsch aufreißen, um Kröten hochzuziehen die ihnen lästig sind, filme ich Kröten, denen von Junkies der Arsch aufgerissen wird. Infizierung live, mit ner wohlerzogenen Gör aus gutem Haus als Wirt, gibt Spitzenpreise. Ne Nadel in die Armbeuge, Blow Up, damits der Kunde glaubt, seinen Abgang kriegt und die Dukaten klimpern wie die Wimpern beim Pimpern. 

Ich bin City-Swinger, einer von denen, die nachts in Nadelstreifen-Zweireihern gekleidet eine Tonspur in die Brückengeländer, an Stahlstreben, auf Mülleimer meißeln. Junge, mich hat mal `n Team dabei gefilmt, hab gehört, das ist sogar in Deutschland gelaufen. Da haben sie Verständnis dafür, daß sich ein zweiter Amadeus nicht mit Anspruch auf Rente und Zwei Wochen Urlaub im Jahr abspeisen läßt. Denn Outfit - man braucht ja was zum Wechseln - und Burnout - das Hirn muß atmen können - kosten ihren Preis. Ich brauche Transparenz zendenz kadenz, die Prise Eis, die Tendenz eines Gletschers, die Essenz von Hidden Peak. Jeden Monat eine Halde aus Schnee, ein Wald aus Hirnkristall. Wer stirbt dafür? Irgendwelche nach Flieder riechenden Shirley-Temple- Imitate, die ein bischen echter quitschen, als die Puppen, die sie auf dem Arm halten. Sie waren mir vorher egal, sind mir dabei egal und werden es nachher bleiben. Genausogut könnte ich Sardinenbüchsen und Fischburger filmen oder einen Familienausflug nach Disney-Land. Gut, ich bin ein Schwein. Aber ich bin nicht scheinheilig. 

Ich hab gerade ein Buch in den Fingern gehabt, da berichtet eine Mutter über den Selbstmord ihres Sohnes. Was ist? Die Schwarte wird ein Bestseller und die Alte verdient sich ne goldene Nase daran. Sie versteht das als Warnung. 

Bullshit. 

Ich werde ihnen sagen, was die gedacht hat. Wenn schon, dann soll es sich wenigstens für einen lohnen. Für mich. Wenn sie schlau war, hat sie sich nicht mal die Mühe gemacht, es selbst zu schreiben. Der Verlag stellt nen Ghostwriter, der kriegt ne Pauschale und ihr Name steht auf dem Cover. Am Ende der Schnulze: To be continued. Nächster Titel: Ohne meine Tochter.” 

 

Bewertung: Authentisch wirkende Reportage, die im Unklaren beläßt, was fiktiv, was dokumentarisch ist (Vgl. Dat. “Faction”, darin: Capote, In Cold Blood). Fließtext ohne Plot (vgl. Camus, Albert, La Chute, Rice, Anne, Interview with a Vampyre, Drucker, Mort, If you don`t know, where you`re looking, a camera observes you).

 

Geeignet z. Befriedigung voyeuristischer Interessen, wird besonders bei jungen Intellektuellen (Akademiker, Künstler, Journalisten etc.) ankommen.  

 

Vorgehen: Snuff z.Zt. aktuelles Thema. Erfolg der Romane von Andrew Vax bestätigt das allgemeine Interesse am sujet. Konsequenzen für das Image von S.K. gegen den sicheren kommerziellen Erfolg abwägen. F.d. Fall einer Publikation: 10 000 HC 34.80, in der Reihe “S.K. Mord und Totschlag” Cover-Gestaltung: Schw. Einband, SW- Photo aus Archiv “Infantizide 1980-1990”. PB 80 000 a. 10.80. 

F.d. Fall einer Verfilmung Neuauflage m. Szenenfotos. 



Viren, Lasse

Inkubator

Roman, konz. auf ca.500 Seiten  

 

Vorliegendes Material läßt auf “Text will eat itself” - Epos schließen. Protagonistin ist eine Visagistin, die sich zur Selbstanalyse in einen Leuchtturm zurückzieht und sämtlichen Kontakt zur Außenwelt abbricht. 

 

Publikationen: “Koprophilie und Pareto Optimum - eine soziologische Erwägung.” (Desdemona-Verl., 1984), “Unter Anderen” (Körner u. Fresser, 1985) “Die Giftblume” (Lucy Körner Verl., 1887) “General Amnesty`s Operettenschwert” (Garstig u. Hastig, 1989)  

 

Auszug (Mittelteil d. vorliegenden 72 Seiten): 

“Kreativ sein. Laß es einfach vorübergehen. Mißtraue der Euphorie, mit der Du benennst, was sich nicht auf Dich bezieht, was gleichgültig Dir gegenüber ist oder Dich sogar vernichtet. Sie verrät, daß Du gerne leidest. Zum Erfolgserlebnis gerrät Dir die Bestandsaufnahme dessen, was Dich quält. Eine Ästhetik der Narben soll Dir Anerkennung verschaffen. Die anonyme Zuwendung namenloser Bewunderer, womit Deine Lust wieder gekoppelt ist an den Schock des Getrenntseins.

Charade: Deine Anekdoten gefallen Dir dann, wenn Du das Gefühl hast, es seien die Aphorismen eines Anderen. Und Wohlbehagen fühlst Du dann, wenn Deine Heroine lebt, und nicht Du. Wenn Deine Zwillingsschwester in der Luft zerrissen wird und Du am Boden zerstört bist. 

Du verehrst Cioran: Vom Nachteil geboren zu werden. Für Dich ist die Einsamkeit eine Niederlage und Geselligkeit Blödheit. Deine bevorzugte Gesellschaft? Archaeopteryx, Dein fossiliertes Nervenkostüm. 

Du sagst ja zum Erleiden und nein zum Erleben, statt umgekehrt. Und aus dieser Ausweglosigkeit machst Du Deine Liturgie und Lethargie der Scham, die Irrlichter der Angst, die von innen gegen den Monitor flunkern und Dich immer weiter in ein kosmisches Vakuum locken, das in Wirklichkeit ein Ödem im Kleinhirn ist, ein zarte Tracheen bildender Stammbaum des Todes, ex Tinktur. Daß Du das aushältst gerrät Dir zum Größenwahn und zur Kapitulation. Lysistrata, die kein Jota Zweifel an sich hegt und dennoch denkt: Aus!” 

 

Bewertung: Postmoderne Betroffenheitsprosa.  

 

Vorgehen: Läßt sich als Synthese antilogozentrischen Feminismus und kritischen Denkens vermarkten.  

 

Adressaten: Ex-Grün-Alternative, Akademikerinnen vorw. zw. 30 und 45. Geeignet für Sonderreihe “S.K. Nachtgewächs”. Risikoprojekt. In jedem Fall auf Kürzung bestehen.  



Angström, Bo

Der Ideenbasar 

Kurzgeschichten, konz. auf 180 Seiten.  

 

Utopische Kurzgeschichten, die sich um die Verschmelzung von Personen und Medien drehen. 

 

Publikationen: “Von Lichtorgeln übertölpelt” (Kilt&Kult,  1977) “Pink Rapes Blue” (Kilt&Kult, 1977), “Wasserwaage und Feuerlöscher”(Kilt&Kult, 1978), “Rotes Sägemehl, Spuren im Sand” (Verve, 1979), “Die vierfach ungesättigte Sonate”(Pion-Verl. 1982), “Das königsindische Halstuch” (Fischer, 1987), “Per Anwalt durch die Galaxis” (Kampusmann & Pougin, 1991).  

 

Als Auszug liegt die Erzählung “Tele-Patt” vor. Protagonist ist ein medial veranlagter Autor, der die Fähigkeit zu schreiben verliert, dafür jedoch als Psychosender fungiert, der Personen, die sich in seiner Nähe befinden, telepathisch mit Material versorgt. Als er auf eine Veröffentlichung stößt, von der er sicher ist, daß sie ihm telepathisch gestohlen wurde, entdeckt er eine zweite Fähigkeit: er kann als “Stimme” im Kopf des Empfängers erklingen und vermag darüberhinaus zu fühlen, was seine Stimme in der Psyche des Anderen bewirkt, sobald er weiß, wer der Empfänger ist. Auf diese Weise treibt er den “Dieb” und sich selbst etappenweise in den Irrsinn.  

 

Bewertung: stilistisch und inhaltlich uneigenständig. Anleihen bei Burgess A., Lem S., Brunner J., Asimov I., Gibson W., Kennedy, J.F., Dick, Phillip K., O`Bannon, Dan (siehe Oberdatei “Science Fiction”). Idee der shortstory erinnert an Scanners (siehe Datei “Lxk.Flm., Cronenberg, D.).  

 

Vorgehen: Markt für Science-Fiction z.Zt. übersättigt. Unnötigen Arbeitsaufwand vermeiden. Autor hat keine Reputation (Eintrag der betr. Verlage im offiz. Verlagsregister ebenso Fehlanzeige wie Eintrag im VLB), es liegt kein Empfehlungsschreiben bei. Mit übl. Vordruck zurück an Autor oder Vertreter. Welche Kanaille hat den Text überhaupt zu mir durchgelesen?



Buttgereit, J. 

Hotel Apartheid 

Roman, konz. auf 560 Seiten.  

 

Inhalt: Remake des Filmes Eat the Rich, Variante, in der die Herrschaft weißer Bonzen unterminiert wird durch Zubereitung drogensüchtiger, schwarzer Dropouts seitens einer Sekte Malcolm X-ler. 

 

Publikationen: “The Boulevard of broken legs”(Grass/Hopper-Verl., 1981) “Stichtag” (Mordillo&Kilt-Verl., 1984) “Billard mit einem Einarmigen” (Hints & Kunst Verl., 1985) “Cop der Angst” (Postmortem-Verl.,1987), “Ewiges Leben EEG”(Postmortem-Verl.,1989).  

 

Auszug: “Ein besonderes Vergnügen war den Weißen die Zwangsakupunktur der Schwarzen. Auf einem Videorekorder, der vor der Schlachtbank angebracht war, führte man den Kaffern vor, wie sie bei lebendigem Leib gegessen wurden. Wirkte die Akupunktur nicht, fesselte man sie einfach an die Schlachtbank und trank sein Blut trotzdem in Ruhe aus dem Römer. Nothing like the real stuff.”

 

Bewertung: ohne literarische Qualität. Sozialutopische Groteske.  

 

Vorgehen: Wird sich verkaufen, Autor hat gewissen Kult- Status in der Horror-Film-Szene. Anfangsauflage für den Fall der Fertigstellung 5000. Zunächst Paperback. Cover- Gestaltung: “Neuromancer”-Motiv. 



Minator, Dieter

Die Glaskörpersülze 

Roman, konz. auf  ca. 220 Seiten.  

 

Verbindet philosophische Reflexionen zu Filmen und Comics mit einer handlungsarmen Erzählung über einen Privatdetektiv und einen Frauenmörder, die immer kurz hintereinander dieselben öffentlichen Toiletten und Verkehrsmittel aufsuchen.  

 

Publikationen: “Die Schattenpfütze und andere Erzählungen”(TBC 1977), “Trio im Finale” (Stanis&Lawski, 1878), “Warten auf Artaud” (Verl. Blaue Säule, 1983), “Das Modell des Ghostwriters”(Verl. am Galgenberg, 1984), “Aladins Erben” (Verl. Am Galgenberg, 1985), “Das Salatblatt vom Döner eines Anderen” (Verl. am Galgenberg, 1987), “Klinisch tot - Interviews mit Wiedergängern” (Verl. Blaue Säue, 1991).  

 

Auszug: 

“Er war immer der Meinung gewesen, die Lust an der Repräsentation bestehe darin, daß sie nur Repräsentation ist, daß einem weder geschehen kann, noch daß man für das verantwortlich ist, was man gleichzeitig sieht. Als er an der B1 den wie versprochen dort abgestellten Koffer öffnete und ihm eine Nachahmung entgegenkam, war er sich nicht mehr sicher, ob nicht vielmehr jede Repräsentation eine Aufforderung zum Handeln ist.”  

 

Bewertung: Verbindung von postmodernen Klischees und Kriminalstory (vgl. Expo 3476, 82, Eco) nur stellenweise gelungen. Kommerzieller Erfolg fraglich. Risikoprojekt.  

 

Vorgehen: Kommt aus dem Ruhrgebiet, sollte dorthin zurück. Läßt sich vielleicht als Krimi vermarkten, mit entsprechender Covergestaltung. Möglicherweise gegen Optionen an Promitoys Dortmund oder an Goldmann weiterreichen.  



Yokotsuno, Komedo,

Geschmack ist eine kalte Sache

Essay, 87 Seiten.  

 

Essay zu japanischer Innenarchitektur.  

 

Publikation: im deutschen oder englischen Sprachraum keine.  

 

Auszug: überflüssig.  

 

Bewertung: dito.  

 

Vorgehen: Ev. verschicken an Merve mit Empfehlungsschreiben, da Japaner und Kontakte möglich. Bleut diesem Lektoratsassistenten Murakami ein, daß PRE-DATER sich ungern verarschen läßt. Der verwechselt mich wohl mit meinem gutmütigen Zwillingsprogramm.



Supermario Majakowski

Echodenker 

Manuskript, für Scanner größtenteils nicht lesbar. Zurück an Autor mit Bitte um gedrucktes Skript oder Diskette.  



Allele, Pergen

Das dritte Auge

Roman, 160 Seiten.  

 

Geschichte eines Verfolgungswahns auf Metaebene. Protagonist ist ein Goldschmied, der weiß, daß er eine Romanfigur ist und sich von seinem Leser verfolgt fühlt, den er nie zu sehen bekommt.  

 

Publikationen: “Der Kierkegaard-Trajektor” (DeGruyter,  1983), “Bogeys” (“You killed Kennedy? I killed Barschel.” a.d. Englischen übersetzt v. M. Beyer), (Rohrbuch- Verl., 1987). “Im Hintergrundrausch: die Beleuchter” (Kluge- Verl., 1989).  

 

Auszug (Mittelteil):  

“Die Zirbeldrüse produziert Melatonin, eine Substanz, die irritierte Murmeltiere in den Schneesturm treibt, wenn sie falsch dosiert wird.” 

Ich weiß, was diese Hitzewallung bedeutet, daß Du mir die Stirn bietest, daß der Transfer in Form von Schlaflosigkeit stattfindet. Ein unscharfes Verhältnis - Dein Blick wirkt ein auf mein Befinden und ich bin nicht mehr derselbe, einfach nicht zu fassen. Diese ständige Wachheit ... 

Als Riposte lese ich selbst, biologische Wälzer, ohne eine Spur von Leben. Das Morketid-Syndrom....arktische Hysterie...die heiße Fährte im Schnee, im Pyjama an Caligari-Hexenhäuschen vorbei zum Pol... Bifurkationen von Tierspuren, die Auslauf- Evolution und die Verästelungen der GTG...ein Ozelot meiner Laune auf dem absteigenden Ast  ... die Metapher als Geodäte von Totem und Taschenbuch... ich tauche unterm Lesefluß her, den der Styx tiefergelegt kopiert...nur für einen Moment fielen Dir die Lider zu. Ich weiß um Dich, spüre Deinen intrakraniellen Druck, die Überbeanspruchung des Chiasma Opticus im Labyrinth und rinnt und rinnt aus Wundsekret und Stacheldraht. Das Anstarren der Zeilen, buchstäblich zum Zuhören gezwungene Augen, die immer nur hören “Wer flüstert, lügt”, bis die ganze Kammer flimmert. 

Auch das noch, nichts als Schwulitäten, gerade jetzt bekomme ich meinen Zeilensprung. 

Mit einem Scott-Glenfiddich im Glas bade ich alles aus, auf MTV verläuft sich die Alphabet-Street, auf dem Glastisch liegt eine Obstschale mit Apfelsinen und Bananen aus Paraffin. 

Wieso trägst Du eine solche Elefantenhaut? Leg den Schmöker doch einfach in die Ecke, kauf ihn Dir gar nicht erst, dieses Intellecter- Palimpsest verdient ihn, den Wärmetod durch Mißerfolg. Statt Dir hier eine Bindehautentzündung zuzuziehen, solltest Du Dich in Ascot entspannen, dort kannst Du Pferde kotzen sehen und Jockeys, die von ihrem Wallach erdrückt werden, ihre Peitsche zuckend wie das Bein eines auf dem Fußboden zertretenen Schneiders. Dafür könnte ich mich in Ruhe meinen Orthoghnatha widmen, mit Integer und Ortega Gassi gehen, statt stundenlang John Cage nicht hören zu müssen, Konzert für einen verlassenen Flügel, eine abwesende Hebebühne und einen einarmigen Physiker. Ich kann es förmlich riechen. Entweder der Spanner hält mich für seinen Zwillingsbruder und liest die ganze Nacht, oder - noch schlimmer - dieser Murks ist gerade erst im Begriff, verfaßt zu werden.”

 

Bewertung: Vertan, vertan - sprach Gottfried, der Veteran. Wenn Veterinäre langatmig zu schreiben beginnen, kommen nicht unbedingt Gehirne dabei heraus.  

 

Vorgehen: Einbehalten. Nicht antworten. Den Verkauf der anderen metatextuellen Exponate abwarten und geg. hinterherschicken. Falls innerhalb v. 4 Jahren keine weitere Verwendung, zurück an Autor(in?).  



Lewis, H.G./ Argento,D.

Doppelplustot

Kriminalroman, 225 S., aus dem Englischen v. T.H. Rastfinder.  

 

Publikationen (im Deutschen): “Was Monsieur Poincare kurz vor seinem Dahinscheiden träumte” (Traum Fürwahr Verl., 1967) “Das Tagebuch der Kellnerin” (Manson-Verl., 1969) “Ansagen mit Gewehr” (Hupe&Licht, 1973) “Die Flüssig-Reinkarnation” (VUNO-Verl., 1973) “Die bösartige Geschwulst des Gutartigen Mr. Rotas”, (Foyer deSade- Verl., 1975), “Die Axt im Haus erspart den Killer” (Irrgang  & Krotowski Verl. 1977), “Mord im Satelliten: Cannetti ermittelt.” (Goldmann, 1979) “Im negativen Raum” (Raffhanns, 1981) “Der wiederbelebte Unfall” (Raffhanns, 1983) “Die Rhesus-Negativ Zisterne”(Raffhans,1987) “Biafra Cola”(Ed. Mythos Alkohol, 1987), “Stochastik und Invalidität” (Blaue Säue, 1990)  

 

Toronto ist Schauplatz eine Mordserie in Ontario, die Inspektor Remington Cannetti untersucht. An jedem Tatort hinterlassen die Täter eine Botschaft auf Anrufbeantworter, Tape-Deck, Computer oder Telefax. Cannetti findet heraus, daß sämtliche Morde bestimmten literarischen oder cineastischen Vorbildern folgen. 

 

Auszug: 

“Cannetti hatte sich daran gewöhnt, daß man über sein Auto lachte. Den Mini-Cooper hatte er während eines dienstbedingten Aufenthaltes in Toronto auf einer Versteigerung erstanden. Die Campbell-Soup-Can auf Rädern, wie Gittis es nannte, gehörte zu Cannettis zahlreichen Schrullen. Die Girls im “One Eyed Dick”, wo er sich seit der Sache mit der Zunge verkrochen hatte, unkten, daß er sich mit jeder neuen Serie von Psycho-Morden, die in sein Ressort fielen, eine andere zurechtlegte - seine Weise, nicht selbst zum Maniac zu werden. 

Zu Cannettis Marotten gehörte seit dem `Fall Driller` das Sammeln von Bohrmaschinen, aber den Vogel schoß das zusammenschraubbare Waldhorn ab, das er sonntags in Rhinos Tiefgarage malträtierte. 

Als er diesmal ausstieg, lachte niemand. Vinestone grinste, als er ihn in Empfang nahm, aber nicht wegen des Wagens. Vinestone grinste umso breiter, je unerfreulicher das war, was er vorfand. Ein kurzer Blick in seine Visage verriet Cannetti, daß von den Palanckis, den Eigentümern der Villa, zu der der Kiesweg führte, nicht wesentlich mehr übrig war als ein Spätwerk von Bacon.  

Was diesmal? griffelte Cannetti auf sein Täfelchen. “Nekrophagie negativ, Bißspuren sind nicht zu erkennen. Möglicherweise stehen unsere Freunde zurzeit mehr auf klare Brühe.”

 Heißt im Klartext? 

 “Keine Knochen.”  

„... ? ...„

“Sie haben Zeit und Lust gehabt, säuberlich das Fleisch von den Knochen zu trennen. Hirn und Innereien haben sie mit einem Mixer gequirlt und auf den Pollock im Salon verschmiert. In Penis von Vater und Sohn haben sie Kugelschreiber eingeführt, sie abgeschnitten und auf den Bauch der schwangeren Mutter “The Holy Ghost” geschrieben. Die Leichen haben sie mit Tomaten gefüllt, die sie in der Küche fanden, mit Bindfäden wieder zugenäht und in der Bibliothek an ihren eigenen Gedärmen mit den Füßen nach oben aufgehängt. Einzig von dem Fötus fehlt jede Spur. Die Knochen scheinen sie mitgenommen oder im Garten vergraben zu haben. Die Jungs von der Spurensicherung waren begeistert. So ein Fall von Akrotomophilie sei ihnen in ihrer gesamten Laufbahn nicht untergekommen.”  

Vinestone legte eine Pause ein und pfiff einige dissonante Töne vor sich hin, bevor er weiterredete. 

“Sie haben sie bei lebendigem Leib mit einem elektrischen Küchenmesser aufgeschlitzt...so eins, daß man zum Absäbeln von Gyros verwendet...”  

Cannettis Hände krampften sich um seine Schreibuntensilien, während er durch den Spalt seiner Lider auf die makellos weiße Frontfassade des Prachtbaus starrte. Vorm Hauseingang rangelten Polizeibeamte mit Paparazzis und Bluthunden, deren Blitzlichter sinnlos aufleuchteten und bei Cannetti den absurden Gedanken an einen Werbe-Spot aufkommen ließen. Meister Proper putzt so sauber, daß man nichts mehr riechen kann... 

Bei lebendigem Leib? Wieso `Sie`?  

Statt einer Antwort winkte Gittis einen Cop her, der Cannetti einen Plastikbeutel hinhielt. Die kalten, schweißigen Finger von jemandem, der gerade gekotzt hatte, berührten kurz, aber nachhaltig seine Hand. Cannetti meinte schnuppern zu können, was der Cop zum Mittag hatte. Gyros Pitta, mit Zwiebeln, Zaziki. Ein Heineken und Kaffee. Irgendeine Nachspeise mit Zimt. Wahrscheinlich Milchreis. “Ein paar Kopien davon, und Du kannst Dir ein neues Auto kaufen.” rief Vinestone, der sich auf das frisch geschorene Grün gehockt hatte, ihm zu. Cannetti nestelte die Videocassette aus dem Beutel und warf einen Blick aufs Etikett: Red Toast hatte es jemand - in Rot - beschriftet.” 

 

 Bewertung: Stilistische und thematische Ähnlichkeiten mit Ellroy, Harris und Ellis. Protagonist zwischen Holmes, Closeau und Colombo. Welle der “Hard-Core”-Krimis klingt ab, zumindest die, in denen die Hofnarren der Postmoderne Psycho-Killer männlichen Geschlechts sind (conc. “female serial killers” cd to Nikita.dat). Indem die Autoren die Handlung ins Groteske übersteigern, wird ihr Text zur Billanz des Genres und setzt den Schlußpunkt darunter. 

 

 Vorgehen: Vermarkten als Höhepunkt und Abschluß des Serienkiller-Genres. HC 10 OOO, PB 100 000. Covergestaltung: Pop-Art-Motiv. Siehe Datei Moder.txt, TBS Oldenburger. 



AG Jokari

Diptychon

Roman, keine Angabe über voraussichtlichen Umfang.  

 

Angelegt als Novelle, die sich über die Erzählung ihrer eigenen Entstehung konstituiert. Ablehnungsbescheide von Verlagen, Vorabrezensionen etc. werden eingearbeitet in die Textproduktion, ebenso wie die Konflikte der Autoren im Umgang miteinander.  

 

Publikationen: “Breughel, Bosch, Bennetton” (Off Off  Science, 1983). “Das Abenteuer des Klistierens” (More Beat Verl., 1988)  

 

Auszug: 

“Natürlich würde er ihn vernichten. Schließlich träte er hin vor ihn und sagt: Der eine hat Talent, der andere die Gewalt. Du bist besser als ich - und ich werde Dich auslöschen. Ich werde Dich auslutschen, der Egel im Gaspedal sein. Noch war er machtlos gegen die Eleganz seiner Feigheit, seine Barkeeper-Süffisanz, mit der er in der Flucht brillante Spuren seiner Anwesenheit hinterließ.”  

 

Bewertung: Akademischer Anstrich. Obendrein hinterläßt bereits Expose reichlich kryptischen Eindruck, wobei die Geheimnistuerei wohl nur verbirgt, daß die Autoren nichts zu sagen haben. Riecht nach Plagiat (Modick, Calvino). Idee jedoch im Trend. 

 

Vorgehen: Da es sich um einen Roman handelt, der sich selbst schreibt und liest, wird er sich auch von selbst drucken, publizieren und verkaufen. Unser Engagement ist hier überflüssig. Mit üblichem Kondolenzschreiben zurück an Verfasser, womit den Autoren (s.o.) ohnehin gedient ist. 



Alcatraz, Jose & Epson, Brian

Empfängnisvergütung

Sachbuch, 264 Seiten.  

 

Inhalt: Negative Utopie. Die Autoren stellen die These auf, daß Epidemien wie AIDS, die “Schwedische Sportler AMS”, die Yuppie-Krankheit zurückzuführen sind auf eine gesteigerte Sensibilität des Immunsystems für Informationen, die über moderne Medien (TV, Video, PC) übertragen werden.  

 

Publikationen: “Telepathie und Krankheit” (For Good or Well Verl., 1984)  

 

Ausz.: (Kap. “Datenübertragung und Hirnhautentzündung”)

“Kein Zweifel. Wenn es möglich ist mittels reiner Datenübertragung cerebrale Impulse so auf totes Material -zB Disketten - zu übertragen, daß es nachweisbare Spuren hinterläßt, so müssen erst recht in dem organischen Komplex der Daten erzeugt - dem Gehirn - Ödeme entstehen, die stereotaktisch nachweisbar sein müßten. Umgekehrt beweist die Gänsehaut des Interpreten, daß man auf medial vermittelte Informationen physisch reagiert. 

Dringend gefordert wären Statistiken, die untersuchen, inwieweit Personen, die sich permanent Informationen über Virusinfektionen und andere Krankheiten aussetzen, häufiger von entsprechenden Infektionen betroffen sind, als von diesen Informationen isolierte Personen. Was, wenn Lektüre AIDS aktiviert? Dann allerdings sollten sie dieses Buch meiden, wie die Pest.” 

 

Bewertung: Da eine Veröffentlichung sowohl dem Buchmarkt, als auch dem EDV-Markt schaden würde erübrigt sich eine Bewertung, während das Vorgehen sich von selbst ergibt.  

 

Vorgehen: Anzeige erstatten wegen übler Nachrede, Verleumdung und Volksverhetzung. Vermute, daß es sich bei den Autorennamen um Pseudonyme handelt. Ein Job für das Sondereinsatzkommando: untersuchen, ob Karl Seltz hinter diesem Machwerk steckt. Wenn ja, geräuschlos aus dem Buchverkehr ziehen, und den „Y-Effekt“ einem anderen Verfasser zuschreiben. Meinetwegen unterbreitet den Doppelschwachköpfen von Jokari das Angebot: wenn ihr unbedingt was veröffentlichen wollt, dann das. 



Geldt, M.

Die Büstenhälterin

Prosatexte, konz. auf 130  Seiten.  

 

Publikationen: “Verlegt, erregt und abgesägt” (Raffhans,  1988), “Der zährige zerebrale Zebrastreifen” (Irrgang&Krotowski, 1988), “Das Phimosengehege” (Irrgang&Krotowski, 1989),  “Schwanendiebstahl”(Irrgang&Krotowski, 1990)  

 

Auszug: 

Als Auszug liegt die Kurzgeschichte “Nen Stau nen Stau nen Stau” vor. Protagonistin ist eine dicke, diabeteskranke Lektorin mit einer Insulinallergie, die in einem Bulli vom Flughafen nach Hause fährt. Weil sie Angst hat, alleine in ihrer Wohnung zu sein, führt sie Gespräche mit ihrem Anrufbeantworter.  

 

Bewertung: zu anspruchsvoll für einen größeren Leserkreis, verschiedene Passagen könnten mißverstanden werden (“Sie fraß soviel, damit ihr Körper sich schneller als ihre Krankheit ausbreitet”), wenn man den Band in der Sparte “S.K. Sekt und gute Laune” herausbringt. 

 

Vorgehen: Hard-Cover 1000er Auflage in der “Edition 451”. Covergestaltung Doorgarden. Autor für Lesereihe engagieren.  



Deep Thought ProLog, 

Bodenflug  

Geschichte einer Umkehrung von Schizophrenie, in der zwei Personen sich für eine halten. Konz. auf 123 Seiten. 

 

Publikationen: “Emeragency” (Neuroskript, 1989).  

 

Auszug:  

„Djuna zieht dem Vibrator einen Schauerroman vor, der sich als fähiger und unbemerkter Liebhaber entpuppt. Ihr Spielzeugpilot entdeckte den Biohangar trotz defekten Radars, ein Feuchtbiotop mit Toupet, auf das er stieß, indem er die Signale ignorierte.

`Selbst Du kannst ihn nicht auseinanderhalten“ tröstet er sie. `Die Wahrnehmung selbst ist paranoid, also verlass ich mich auf den Fluchschreiber in der Sache Phoenix, für nix und wieder nix, die ohnehin mit einem Vergleich endet. Eingesponnen im neuronalen Netz O2 bedachte ich, daß ich davon geträumt hatte, Pilot zu sein, für unsterbliche Passagiere.`

Jetzt aber war ihm unklar, war ich die Maschine geflogen oder hatte ihn Lem ins Badezimmer gelotst? Selbst er vermochte nicht herauszufinden, ob der Fön wegen der Mozart ins Wasser fiel, oder der Tod schon zuvor eintrat, leise, wie eine diskrete, weil ungebetene Gastritis.”  

 

Bewertung: Prosa eines Schreibprogrammes von Diedrichsen und Kittler. Systemtheorie als verknappte Poetik. Glaube nicht, daß das ein Mensch liest. 

 

Vorgehen: Programm befangen. Weitergabe an anderes  Lektoratsterminal. 



Jünger, E.

Barbie-Q in der Hölle

Polit-Thriller, bish. 182 Seiten.  

 

Dreht sich um eine Organisation ehemaliger KGBler, die die Reg. der USA mittels einer Vorrichtung zur unterirdischen Zündung der Ölfelder in Texas erpresst. Gefordert ist die unverzügliche Lieferung sämtlicher ABC-Waffen der USA nach Kuba.  

 

Publikationen: (Gehezu Datei PräW2Lit)  

 

Auszug:

“Hooper sah die Risse am Firmament, und ein Instinkt, der älter war als die Vernunft sagte ihm, daß die Berge aus Furcht zitterten, nicht wegen der Erschütterung durch den Donner, nicht wegen des Gewitters, sondern weil es eine Prophezeiung war. Wir haben immer gewußt, daß sie uns untergraben wollen, dachte Hooper, sie haben uns eingelullt mit ihrem Verfall, der ein einziges, wohlinszeniertes Schauspiel war. Sie ließen ihr Volk auseinanderfallen, damit wir denken, sie fallen auseinander, der Apparat fällt auseinander. Glas Most, Perestroika, Vielvölkerbund. Während wir schadenfroh lächelnd über den Ozean schauten, wo der Feind der freien Welt zu fallen schien, sitzt er nach wie vor unter uns. Unberührt vom Tod seines Vaters, seiner Mutter, vom Sturz der marmornen Denkmäler. Unberührt von jeder Ideologie. Kommunismus pur, in reiner Form. Grenzenlos und unverschämt, wie er eh und je gewesen ist. Blanker Haß. Das geliebte Purgatorium des Teufels. Ich sehs kommen. Irgendwann halten wir noch einen KGB-Chef für einen lupenreinen Demokraten.

Hooper schüttete den Rest Kaffee in sich hinein: eine Illusion von Wachsamkeit. Seine Augen taten weh, als habe er die Lider nicht hinter, sondern über den Brillengläsern geschlossen. Von fern meinte er im Donner das Wiehern von Pferden zu hören. Ein amerikanischer Traum, der in roten Fluten ertrinken würde, wenn Hoopers Mission scheiterte.” 

 

Bewertung: Unrealistisch. Unaktuell.  

 

Vorgehen: Unverzügliche Veröffentlichung. Mit Autor verhandeln um Rechte an unvollendetem Text für den Fall, daß Autor nicht zur Fertigstellung d. Textes gelangt. Wird schließlich auch nicht jünger. Rechte auf Vorabveröffentlichungen sichern.  

 

Gestaltung: Hardcover, Auflage vorerst 10000. Merchandise-Strategie siehe Datei Faßbinder, H.W. darin: Der Müll, die Stadt und der Tod, siehe auch Datei Bieler.  

 

Craven, Wes 

Die Ästhetik der Widerstände

Novelle, 133 Seiten.  

 

Autobiographie eines Elektroingineurs.  

 

Publikation: keine.  

 

Bewertung: erübrigt sich.  

 

Vorgehen: mit üblichem Vordruck zurück an Autor.  



Anz.:  Das Schlimme ist, nicht promoviert zu werden. Die Beyer-Sprachschule garantiert ihnen eine wohldosierte Mischung aus Unterricht und psychologischer Betreuung. Beyer - das Kreuz des Westens.

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