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BrachiAlles

Zu den bitteren Erfahrungen der meisten Autoren gehört es, dass die literarische Produktion keine Rezeption garantiert. Oft stellen die veröffentlichten Texte – wenn es denn überhaupt zur Publikation kommt – nur einen kleinen Bruchteil der wortwörtlichen Arbeit des Verfassers dar. Wer schreibt hat keine Garantie auf Anerkennung und manchmal ist der Erfolg der literarischen Bemühungen Resultat des Zufalls. Ein Beispiel ist Samuel Becketts Drama `Warten auf Godot`. Beckett schrieb es ursprünglich als Illustration seiner weitgehend unbeachteten Romane – und es verhalf ihm und seinem Werk zu Weltruhm. Zum Zeitpunkt der Aufführung war Beckett bereits 46 Jahre alt.

Moralisten sind Menschen, die sich dort kratzen, wo es andere juckt. Nichts ist komischer als das Unglück - natürlich anderer. Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann. Wir fragen immer nur, ob es ein Leben nach dem Tode gebe.

Samuel Barclay Beckett (1906 - 1989)

Zwar mag es sein, dass der Zufall eine Rolle bei Becketts Durchbruch spielte: aber die wichtigeren Gründe waren Langmut, Durchhaltevermögen (wie er schrieb: Scheitere erneut – scheitere besser) und nicht zuletzt die Suche nach alternativen Foren für seine Texte: in diesem Fall war die Bühne das Forum, das den Namenlosen berühmt machte. Seine Romane traten aus dem Schatten seines Dramas. Mit dem Internet steht mir die Möglichkeit offen Romane und anderes Durchgefallenes aus den finsteren Kellerregalen des eigenen Scheiterns ohne große Umwege ans Licht zu bringen, aber auch Brandaktuelles als „work in progress“ vorzustellen: in der Hoffnung das unter weltweit insgesamt ca. 1,8 Milliarden Websites die eigene zur Kenntnis genommen wird.

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Roman `Hiroshima Retro`. Passend zur Corona-Krise  findet die Handlung in einem unendlichen Supermarkt statt.

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